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Mein Herz für Serie

Die wirklich tollen Fußballstars

11.07.2014 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Tsubasa Ozora drischt den Ball ins Netz.
© KSM GmbH
Tsubasa Ozora drischt den Ball ins Netz.
Bei der diesjährigen Fußball-WM verfolgten wir grandiose Spiele. Aber wer mehr actionreichen, emotionsgeladenen Ballsport sehen will, sollte sich den Serien-Klassiker Die tollen Fußballstars ansehen. Ich vergebe hier mein Serien- und Kickerherz.

Captain Tsubasa, hierzulande besser bekannt als Captain Tsubasa – Die tollen Fußballstars, ist eine japanische Anime-Serie, die auf der gleichnamigen Mangaserie “Captain Tsubasa” basiert. Produziert wurde sie von Toei Animation und 1983 erstmals ausgestrahlt. Bei all dem WM-Hype wäre auch sie meines Erachtens ein Public Viewing wert.

Was die Serie besonders macht? Es ist die vollkommen unrealistische, physikalisch unmögliche und gerade deswegen aufregende Fußball-Darstellung, die meine TV-Jugend so vollkommen machte. Hatte ich gerade fünf Folgen am Stück auf RTL II konsumiert, rannte ich fluchtartig aus der Haustür und holte das karierte Leder aus der Garage. Bis hinter die Ohren motiviert und erfüllt von einer gehörigen Portion Ehrgeiz übte ich mich im Distanzschuss, dem Falkenschuss oder dem alles zerstörenden Tigerschuss. Darüber freute sich besonders meine Mutter, die die Keramik-Enten im Eingangsbereich ständig ersetzen musste.

Ganze 128 spannende Folgen lieferte uns das Land der aufgehenden Sonne. 25 sportliche Minuten umfasste dabei eine Episode. Hatte die Serie in ihrem Heimatland lediglich mäßigen Erfolg, startete sie in fußball-affineren, also europäischen wie südamerikanischen Nationen, durch. Dabei beginnt die Serie mit einem Schusstraining des jungen Protagonisten Tsubasa Ozora, bei dem er versucht, den Ball so hoch wie möglich Richtung Wolkenpalast und so weit wie möglich in die Stadt zu schießen. Sein Talent stellt er schon bald beim FC Nankatsu unter Beweis. Dort trifft er unter anderem auf Ryo und Genzo, die lange Zeit seine Fußballkarriere begleiten sollen. Sein erstes großes Turnier ist die Landesmeisterschaft der Grundschulen. Im Verlaufe der Serie entwickeln sich die Charaktere und reifen, sodass sie schon bald im Mittelstufenturnier um den begehrten Pokal antreten. Die Serie endet nach diesem Turnier und zeichnet die besten Spieler aus, die daraufhin in einer Sequel-Serie um die Jugendweltmeisterschaft wetteifern.

Die tollen Fußballstars hatten alles, was pubertäre, sportbegeisternde Nachmittagsunterhaltung braucht. Außergewöhnliche Balltechniken: Den Ball aus vollem Lauf mit der Hacke über den frontal heranrauschenden Gegenspieler zu lupfen, der sogenannte Heel Lift, gehörte für Tsubasa zum Standard-Repertoire. Waghalsige Stunts: Ich erinnere hierbei an die Tachibana-Zwillinge. Einer der beiden Brüder schoss das Leder im 16-Meter-Raum in die Luft, der andere schraubte sich in die Luft und gab wiederum eine Kopfballvorlage zu seinem besser postierten Bruder. Oder ein Tachibana-Hasenzahn rutschte minutenlang auf dem Rücken über das Feld, reckte die Beine empor und katapultierte den anderen zur Direktabnahme gen Mittagssonne. Entsprechende Oberschenkelmuskulatur war auch bei den katzenartigen Torhütern vorhanden, die sich außerdem außerhalb jeglicher Gesetzmäßigkeiten von Raum und Zeit bewegten: Flog die Kugel auf die linke Ecke des Tors zu, war der Weg zum rechten Torpfosten stets lohnenswert, denn von diesem stießen sie sich ab und fischten das Ding vor dem Einschlag von der Linie. Auch waren scheinbar meilenweite Pass-Stafetten an der Tagesordnung. Möglich waren diese, weil die Fußballplätze in der Vorstellung der Zeichner im Bezug auf ihre Fläche einem Flughafengelände ähnelten. Und was nicht unerwähnt bleiben sollte, sind die anime-üblichen, feschen Frisuren der Rasen-Helden.

Aber nicht nur unterhaltungstechnisch konnte die Serie mich auf ganzer Linie überzeugen. Sie vermittelte auch moralische Werte wie den Zusammenhalt in einem Team, mentalen Aufbau des Mitspielers statt unangebrachter Kritik und den Ehrgeiz, ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Da scheint sich unsere deutsche Jogi-Elf einiges abgeschaut zu haben. Zur Finalvorbereitung auf Sonntag empfehlen wir eine leidenschaftliche Folge die tollen Fußballstars und wünschen viel Glück.

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