Der Pate wäre tausendmal besser, wenn Robert De Niro & Al Pacino singen würden & dieser Film beweist es

Wenn Fredo und Michael singen könnten...Paramount/Bhansali Productions
18.02.2022 - 18:15 UhrVor 11 Monaten aktualisiert
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Der Pate und GoodFellas gaben das Schema vor, doch im Gangsterfilm steckt noch so viel mehr Potenzial. Wie ein epischer Berlinale-Film zeigt, in dem sogar gesungen wird.

Francis Ford Coppolas Der Pate-Trilogie wird wie eine tragische Oper erzählt. Obwohl die Gangster-Reihe ähnlich wie Martin Scorseses GoodFellas äußerst musikalisch daherkommt, trauen sich die Hollywood-Größen aber den letzten Schritt zum Musical nicht. Zum Glück gibt es die indischen Filmindustrien, in denen die Unterwelt auch mal singt und/oder tanzt. Ein schönes Beispiel dafür gibt ein feministisches Mafia-Musical ab, das zu den besten und unterhaltsamsten Filmen der Berlinale 2022 gehört.

Würden Al Pacino und Robert De Niro in Der Pate II singen und tanzen, wäre der Weltfrieden hergestellt

Im Hollywood-Kino regiert auch nach hundert Jahren Filmgeschichte eine ziemlich klare Genre-Trennung, vermutlich aus Angst davor, unterschiedliche Stimmungen und Zielgruppen aufeinander prallen zu lassen. Deswegen haben Scorsese und Coppola mit New York, New York und One From The Heart - Einer mit Herz ihren Musical-Traum erfüllt, dies aber in klarer Abtrennung zu ihren Gangsterfilmen getan. Ausnahmen wie Spike Lees Chi-Raq bestätigen die Regel.

Schaut euch den Trailer für den Film über die Mafia-Queen an:

Gangubai Kathiawadi - Trailer (OV) HD
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Eine triste Erkenntnis, wenn wir bedenken, was für ein Anblick die singenden oder tanzenden Al Pacino und Robert De Niro in den Pate-Filmen wären und welche Freude Kameramann Michael Ballhaus wohl an Musical-Sequenzen in GoodFellas gehabt hätte.

Das Gangster-Musical ist aber kein reines Geschöpf der Fantasie, denn in den Filmindustrien des indischen Subkontinents gehört es seit Längerem zum Repertoire. Im Bollywood-Klassiker Satya (1998) wird beispielsweise eine Geschichte à la GoodFellas erzählt, in Liebesszenen aber auch gesungen.

Der tamilische Gangster-Aufsteiger im hervorragenden Pudhupettai (2006) bewegt sich durch eine grausam ungerechte Welt, Zeit für ekstatische Gesänge und Massen-Choreografien bleibt trotzdem. Sie fügen sich sogar nahtlos ins Geschehen ein, da sie durch Rhythmus, Ton und Tanz die komplexen Gefühlswelten ihrer Helden nach außen tragen.

Bei der Berlinale überwältigt ein feministisches Mafia-Musical mit Musik und Tanz

In diese Tradition reiht sich auch das Bollywood-Epos Gangubai Kathiawadi ein, das bei der Berlinale in einer Nebensektion lief. Dass ein Film, der mit einer Widmung an ein süßes Hündchen namens Lady Popo (!) beginnt, schlecht sein kann, ist laut den Naturgesetzen ausgeschlossen. Regisseur und Komponist Sanjay Leela Bhansali legt aber noch ein mitreißendes Unterwelt-Drama nach, das es in sich hat.

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Es beginnt so ähnlich wie viele Gangsterfilme, allerdings mit einer Art Genderswitch. Die Männer aus Der Pate oder Scarface kommen aus kleinen Verhältnissen in eine neue Umgebung und arbeiten sich hoch. Unsere Heldin Ganga (Alia Bhatt) verlässt heimlich ihre ländliche Heimat, um mit ihrem Freund in den 50ern nach Mumbai zu reisen. Sie träumt von einer Filmkarriere. Ihr Freund allerdings hat alles eingefädelt, um das junge Mädchen an ein Bordell zu verscherbeln.

Ganga wird zur Prostitution in einem berüchtigten Rotlichtviertel gezwungen, auch weil eine Rückkehr in ihr Elternhaus für das "gefallene" Mädchen unmöglich ist.

Als sie von einem Kunden brutal misshandelt und verletzt wird, übernimmt sie die Initiative. Erst sucht sie Hilfe bei einem lokalen Gangsterboss, der sich ausschließlich in Zeitlupe bewegt. Dann reißt sie die Kontrolle über das Bordell an sich, um die Zustände zu verbessern. Aus Ganga wird Madame Gangubai Kathiawadi, die Mafia-Queen. Während ihre Genre-Kollegen jedoch häufig über den Versuch stolpern, ihr Geschäft in die Legalität zu verlagern, will sie die Gesetze gleich selbst ändern: Prostitution muss legalisiert werden und dafür legt sie sich sogar mit der höchsten Politik an.

Gangubai Kathiawadi begeistert mit Coolness, Stil und Musik

Wer sich nun nicht vorstellen kann, dass Zwangsprostitution, Misshandlung und Gesetzes-Initiativen einen unterhaltsamen Filmstoff abgeben, wird durch Gangubai Kathiawadi eines Besseren belehrt. Überaus stylisch und flott inszeniert, sprüht der Film vor Coolness, Humor und einem Sinn für große dramatische Gesten.

Gangubai Kathiawadi

Die punktgenau gesetzten Musical-Nummern reichen von einem entzückend romantischen Kartenspiel zwischen Gangu und einem Verkäufer gegenüber bis hin zu einem beeindruckenden One-Take, in dem sie sich umgeben von begeisterten Anhängerinnen bis zur Erschöpfung leer tanzt.

Gangubai Kathiawadi ist ein fantastisches Gangster-Musical mit feministischem Grundton und ein schöner Beweis dafür, wie viel aus den Klischees des Genres herausgeholt werden kann. Unglaublicher als die vielen unterschiedlichen Stimmungen und Themen, die dieser Film in sich vereint, ist eigentlich nur die Tatsache, dass er auf einer wahren Geschichte basiert.

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