David Sieveking über David wants to fly

Dem Rat von David Lynch gefolgt

06.05.2010 - 08:50 Uhr
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David wants to fly
© Neue Visionen
David wants to fly
David Sievekings Dokumentarfilm David wants to fly schaut auf die Transzendentale Meditation™, die ihm David Lynch ans Herz gelegt hat. Sein Film David wants to fly wurde auf der Berlinale mit viel Beifall bedacht.

David Sieveking hat mit dem Dokumentarfilm David Wants to Fly viele positive Stimmen auf der letzten Berlinale einsammeln können. Hier gibt er Auskunft, wie es zu dem Film kam und was sein Vorbild David Lynch damit zu tun hat.

Statement von David Sieveking
Als ich David Lynchs Rat befolgte und die Transzendentale Meditation™ erlernte, um ein besserer Filmemacher zu werden, begann sich mein Leben in einen Film zu verwandeln. Der Meisterregisseur prophezeite mir, dass ich 5 Jahre lang an diesem Film arbeiten müsste, um wirklich tief in die Meditation eintauchen zu können. Ich dachte damals, das sei ein Witz. Aber meine Reise durch die abgründig erleuchtete Welt der Transzendentalen Meditation hat bis heute tatsächlich fast 5 Jahre gedauert.

Ich komme aus einem atheistischen Elternhaus. Mein Vater ist Mathematiker. In die Kirche gingen wir, um gute Musik zu hören, nicht zur Taufe. An der Transzendentalen Meditation™ reizte mich spontan die Verbindung von Wissenschaft und Spiritualität. Natürlich faszinierte mich auch, dass der TM-Begründer Maharishi viele große Künstler, wie die Beatles oder David Lynch zu Höchstleistungen inspiriert hat. Als ich zu Hause erzählte, dass ich nun der Lehre eines indischen Gurus folgen und ein Yogischer Flieger werden wollte, der den Weltfrieden befügelt, war meine Familie ziemlich verwundert. Auch die Redakteure und Produzenten, die den Mut hatten, sich auf mein flmisches Experiment einzulassen, waren besorgt, ich könnte mich auf meinem Selbstfndungstrip verlieren.

Tatsächlich war der Ausgang meiner Reise vollkommen offen. Ich sah mich schon vom Himalaya nach Hollywood schweben. Die Meditationserfahrung mit der TM-Technik war wirklich sehr erhebend und harmonisch. Neugierig ließ ich mich auf die Zeremonien der TM-Bewegung ein. Mir gefel es, ein Mantra zu besitzen, ein geheimes Wort, das ich niemandem verraten durfte. Sonst würde es seine Wirkung verlieren und die Meditation nutzlos werden. Ich fragte mich dann, was wohl passierte, wenn ich das Wort aus Versehen im Schlaf ausplapperte. Aber schon bald gab es tatsächlich Probleme mit TM.

Als sich heraus stellte, dass ich in meinem Film auch kritische Töne anschlagen würde, versuchte die TM-Führung meinen Film unter ihre Kontrolle zu bringen. Als ich begann auch TM-Aussteiger und -Kritiker für meinen Film zu treffen, wurde mir mit juristischen Schritten gedroht. Mir wurden ihre Pläne, den „Himmel auf Erden“ durch Yogisches Fliegen einzuläuten, immer zweifelhafter. An einem Punkt machte die Organisation mir sogar das verlockende Angebot, die Produktionskosten meines Films zu übernehmen.

Doch Ich wollte meinen unabhängigen, ganz persönlichen Film machen. Deshalb ist auch die Beziehung zu meiner Freundin ein wichtiger Bestandteil des Films. In einem Film, der 7 sich mit Meditation und Spiritualität beschäftigt, wollte ich die Liebe nicht ausklammern. Dass es während des Drehs mit meiner Freundin zu einer dramatischen Wendung kommen würde, hatte ich nicht geahnt. Auch die Dreharbeiten in der TM-Bewegung wurden zunehmend dramatischer. Ich wurde zu einer Detektiv-Figur, die in der scheinbar heilen und hellen TM-Welt auf düstere Zusammenhänge stößt. Die Meditation hat meinen Kopf nicht ab- sondern angeschaltet.

Zu der persönlichen subjektiven Ebene kam ein starkes investigatives Element. Warum kosten die Meditations-Kurse so viel Geld? Wohin fießen die Millionen von Spendengeldern? Wer genau war dieser Maharishi? Woher kam er? Ich folgte meinem inneren Drang des Forschens, des Hinterfragens. Das ist Spiritualität wie ich sie verstehe. Ich sehe das Kino im Idealfall wie einen weltoffenen Tempel und die gemeinsame Erfahrung eines Films wie eine intensive Gruppenmeditation. Ich hoffe jeder Zuschauer kann sich auf seine Weise in meinen Film versenken, ohne dabei den Kopf abzuschalten!

Mit Material von Neue Visionen

Der Dokumentarfilm David Wants to Fly von David Sieveking startet am 06. Mai in unseren Kinos. Wenn Du wissen willst, ob der Film in Deiner Nähe läuft, dann schau doch bitte in unser Kinoprogramm.

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