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Eine Seelenklempnerin in Tunis

Auf der Couch in Tunis

26.07.2020 - 16:52 UhrVor 3 Monaten aktualisiert
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Auf der Couch in Tunis
© Prokino
Auf der Couch in Tunis
https://youtu.be/3qY9O_IQHPs

Auch die Araber brauchen Psychiater!

In der tunesisch-französischen Komödie Arab Blues eröffnet eine Psychoanalytikerin kurze Zeit nach der arabischen Revolution des Jahres 2011 ihre Praxis in Tunesiens Hauptstadt Tunis.

Die Stadt Tunis steht auf einem Umbruch im Neuanfang und auch die Psychoanalystin Selma (Golshifteh Farahani) will ihre Chance eines Neubeginns wahrnehmen und kehrt nach der Revolution aus Frankreich in ihre tunesische Heimat zurück. Hier eröffnet sie in einer Arbeiter-Vorstadt ihre Praxis, in der schon bald die unterschiedlichsten Patienten vorstellig werden.

So ziemlich jeder hat Einwände gegen die Praxis auf dem Dach. Selmas Onkel zum Beispiel hält das Projekt für hirnrissig: “Wir haben Gott, wir brauchen diesen Quatsch nicht”, sagt er und nippt an der Coladose, in der wie immer Hochprozentiges schwappt. Selmas Tante fürchtet, dass sich von nun an “Irre im Haus” breitmachen. Die resolute Chefin des Beautysalons verweist auf den Hamam und ihr eigenes Geschäft als geselligen Zufluchtsort: Araber redeten ohnehin überall miteinander. Warum sollten sie jetzt dafür bezahlen? Jedoch als Selmas Praxis regelmäßig öffnet, ist der Gesprächsbedarf enorm und die Lage scheint zu eskalieren: Wie aus dem Nichts bilden sich lange Schlangen auf der Außentreppe. Alle wollen auf die Couch – übrigens auch die Chefin des Friseursalons. Gut, anfangs gibt es Missverständnisse, gerade bei männlichen Patienten: Wenn eine Französin auf eine Couch einlädt, muss es sich dann nicht zwangsläufig um eine Prostituierte handeln?


Kritik:

Regie: Manele Labidi ist es gelungen eine turbulente, Kultur Komödie mit Witz und Drama zu verbinden. Es ist ihre Spielfilm Debüt.

Rückkehren scheint jedenfalls keine Option zu sein, wenn man es wie Selma (Golshifteh Farahani, eine Iranerin, die eine Tunesierin spielt) nach Paris geschafft hat. Selma ging mit ihrer Familie nach Frankreich, als sie gerade zehn Jahre alt war. Ihr Vater war ins Exil geflüchtet. Die sympathische Golshifteh Farahani hat Charme, aber es gelingt ihr mit Mühe und Not wirklich, Dramatik in die Geschichte zu bringen. Das Happy End, das hier reichlich uninspiriert über sämtliche Beteiligten hereinbricht, gönnt man Selma aber auf jeden Fall.

AUF DER COUCH IN TUNIS ist eine amüsante, Drama Komödie, die man nicht entgehen lassen sollte.



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