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Mein Abend mit den Ninjas der nächsten Generation

Anime-Action im Kino mit Boruto: Naruto the Movie

15.11.2016 - 20:00 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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Boruto, Narutos Sohn
© Masashi Kishimoto, Studio Pierrot, KSMAnime
Boruto, Narutos Sohn
Naruto hat sein Ziel mittlerweile erreicht: Endlich ist er Hokage, doch sein Sohn Boruto ist alles andere als erfreut darüber. Ob Vater und Sohn ihre Differenzen überwinden und wieder zueinanderfinden können, das erfährt man im vorerst letzten Naruto-Film.

Letztes Jahr bestätigte der Publisher KSMAnime, man habe sich die Rechte an Narutos letzten beiden Kino-Abenteuern, The Last: Naruto the Movie sowie Boruto: Naruto the Movie sichern können, um diese 2016 in die deutschen Kinos zu bringen. Während wir das letzte große Kapitel von Narutos Geschichte bereits im August diesen Jahres auf der großen Leinwand erleben durften, war es vergangenen Donnerstag an seinem Sohn Boruto, die Fackel weiterzutragen.

Die Geschichte des aktuellsten Ninja-Abenteuers setzt dabei die Geschehnisse des Manga-Epilogs nach einem Zeitsprung fort. Wie schon bei der Original-Serie und The Last hatte auch beim Boruto-Film Naruto-Mangaka Masashi Kishimoto seine Finger im Spiel. Seine Saga um den blonden Ninja aus Konohagakure avancierte über ihre Laufzeit von 15 Jahren zu einer der erfolgreichsten Manga-Serien aller Zeiten, von der bis heute weltweit über 230 Millionen Bände verkauft werden konnten. Eine gleichnamige Anime-Serie startete im Jahre 2002; 2007 bekam diese einen Nachfolger mit dem Zusatz Shippuden spendiert, der bis zum heutigen Tage läuft. Auf den Erfolg von Manga und Anime folgte zudem eine breite Palette an Merchandise-Artikeln sowie zahlreiche Videospiele. Naruto-Schöpfer Kishimoto war als Executive Producer an Borutos erstem Kino-Abenteuer beteiligt.

Worum geht es in Boruto?

Boruto und die Ninjas der nächsten Generation
Das ist meine Geschichte!

Seit dem letzten großen Krieg sind mittlerweile viele Jahre vergangen und auf der Welt herrscht wieder Frieden; sogar einstmals verfeindete Dörfer kooperieren mittlerweile miteinander. Naruto konnte seinen Traum nach all der Zeit tatsächlich verwirklichen: Er ist endlich Hokage! Gemeinsam mit Hinata gründete er eine Familie und hat zwei Kinder, Boruto und Himawari, die, im Gegensatz zu ihren Eltern, in einer Zeit des Friedens aufwachsen können. Boruto ist allerdings alles andere als begeistert, dass sein Vater der Hokage ist, denn dieser steckt all seine Energie in die Arbeit und vernachlässigt dabei seine familiären Pflichten, was seinem Sohn sehr missfällt. Anders als sein berühmter Vater will Boruto nie Hokage werden, sondern lieber dessen ewigem Rivalen Sasuke Uchiha nacheifern, um Naruto eines Tages zu übertreffen. So beginnt Borutos Weg des Shinobi, auf dem er allerlei Hindernisse überwinden muss.

Narutos Abenteuer begleiten mich nun bereits seit zehn Jahren und in dieser Zeit habe ich den manchmal etwas vorlauten und temperamentvollen Ninja sowie seine vielen Freunde in mein Herz geschlossen. Naruto war anfangs ein ziemliches Großmaul und ein ganz schöner Tollpatsch, doch er hatte sein Herz stets am rechten Fleck; er tat alles, um seinen großen Traum zu erreichen, was ihn manchmal zwar naiv wirken ließ, jedoch stets sympathisch machte. Es war eine tolle Zeit , in der man gemeinsam mit Naruto und seinen Freunden diese gigantische Welt entdeckte, mit ihnen Abenteuer erlebte und natürlich auch mit ihnen zusammen erwachsen wurde. Das Ende seiner Reise zu erleben und zu sehen, wie die Kinder der einstigen Helden in die Fußstapfen ihrer Eltern treten, war ein wirklich bewegender Moment, doch richtig anfreunden konnte ich mich anfangs nicht damit, denn trotz eines vielversprechenden Anfangs von Borutos Manga ist noch nicht sicher, ob diese Geschichte ähnlich begeistern können wird wie die vorangegangenen Abenteuer.


Mein Abend mit Boruto: Naruto the Movie

Boruto: Naruto the Movie - Das offizielle Kinoplakat

Am 10. November war es so weit, denn endlich konnte ich mir gemeinsam mit zwei guten Freunden Borutos erstes Kino-Abenteuer im CineStar Bremen ansehen. Der Saal war recht gut gefüllt, wenn auch nicht ganz so gut wie noch bei The Last vor drei Monaten.

Nach einigen Werbespots startete auch schon der Film, dessen Handlung ungefähr 15 Jahre nach dem Ende des Vierten Großen Ninja Krieges ansetzt. Naruto, der große Held des Krieges, gründete mit seiner großen Liebe Hinata eine Familie und seinen lang gehegten Traum, einmal Hokage zu werden, konnte er sich mittlerweile ebenfalls erfüllen. Als Hokage der siebten Generation ist er das von allen respektierte Oberhaupt seines Heimatdorfes, doch sein neues Amt beansprucht ihn so sehr, dass viele andere Dinge, allen voran seine Familie, zu kurz kommen. Dies ist der Hauptgrund, weshalb Naruto ein sehr angespanntes Verhältnis zu seinem Sohn Boruto hat, der nicht soviel Verständnis für die Verpflichtungen seines Vaters aufbringen kann, wie seine Mutter und Schwester. Als die Shunin-Auswahlprüfungen anstehen, die dieses Jahr Konohagakure ausrichtet, sieht Boruto seine Chance gekommen, um endlich die ersehnte Anerkennung seines Vaters bekommen zu können; um seine Chancen zu steigern, bittet Boruto außerdem den ewigen Rivalen seines Vaters, Sasuke Uchiha, darum, ihn auszubilden, um mehr über Naruto und dessen Schwachpunkte zu lernen. Als jedoch zwei besonders mächtige Feinde die Prüfungen abrupt beenden, muss Boruto entscheiden, wie sein Weg des Shinobi verlaufen soll.

Mit seinen gut anderthalb Stunden Laufzeit ist Borutos Kinofilm etwas kürzer als der Quasi-Vorgänger The Last, doch wie dieser weiß auch das erste Abenteuer der neuen Ninja-Generation über seine gesamte Laufzeit bestens zu unterhalten. Speziell visuell konnte sich das Animationsstudio nochmal steigern und somit sieht der Film von Anfang bis Ende einfach fantastisch aus. Die Zeichnungen und Animationen sind wirklich wunderschön gelungen und wirken jederzeit absolut flüssig. Optische Highlights sind dabei einmal mehr die herrlich choreographierten Kämpfe, wobei mir besonders eine Konfrontation am Anfang des Films, in der Sasuke erstmals auf die neuen Gegner des Films trifft, sehr positiv in Erinnerung geblieben ist. Die Scharmützel sind dynamisch gefilmt, wuchtig inszeniert und vermögen es, die jeweiligen Stärken der Charaktere wunderbar in Szene zu setzen. Der Film wirkt wie aus einem Guss und stellt, dank der gebotenen visuellen Pracht, alle vorherigen Naruto-Filme in den Schatten. Der Soundtrack fällt in dieser Hinsicht kaum ab; man bekommt eine schöne Mischung aus altbekannten sowie frischen Musikstücken zu hören, wobei die neuen Songs leider nicht ganz so eindringlich sind wie die Melodien aus den beiden Anime-Serien. Doch dies ist Meckern auf einem sehr hohen Niveau, denn der Soundtrack untermalt die Atmosphäre jederzeit nahezu perfekt, sowohl in den ruhigen Charakter-Momenten als auch in den temporeichen, abgedrehten Kämpfen. Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls gewohnt gut gelungen, wobei für mich Daniel Kirchberger, der Boruto seine Stimme leiht, positiv herausragt und wirklich toll mit dem übrigen Cast harmoniert. Alle Sprecher wurden ausgesprochen gut gewählt und vermögen es, die Emotionen ihrer Charaktere glaubwürdig zu vermitteln.

Doch leider krankt der Film auch wieder an manchen Stellen, was, wie bei vielen Naruto-Filmen, in erster Linie mit den Antagonisten zusammenhängt. Einmal mehr sind es Mitglieder des Otsutsuki-Clans, genauer Momoshiki und Kinshiki Otsutsuki, die exakt dasselbe Ziel verfolgen wie vor langer Zeit schon Kaguya, die Mutter allen Chakras. Wie Kaguya beabsichtigen die neuen Schurken, alles Chakra in sich aufzunehmen, um so ihre gottgleichen Kräfte erhalten und verstärken zu können. Um ihr Ziel zu erreichen, sammeln sie besonders starkes Chakra ein, weshalb sie auf ihrer Reise irgendwann auch auf Naruto und Kurama, den Neunschwänzigen Fuchs, aufmerksam werden. Beide Antagonisten sind, aufgrund ihrer Abstammung, tief in der Welt von Naruto verwurzelt, die, speziell wegen ihrer enormen Kräfte, selbst für die alte Garde um Naruto und Sasuke eine ernst zu nehmende Gefahr darstellen. Ihre Macht wird optisch eindrucksvoll in Szene gesetzt, mit opulenten, Bildschirm-füllenden Attacken, doch abgesehen davon bleiben Momoshiki und Kinshiki leider absolut eindimensional und austauschbar. Auch die Geschichte selbst wirkt nicht immer rund, denn obwohl sie über die gesamte Laufzeit hervorragend unterhält und mitreißt, so ist sie leider, fast Shonen-typisch, oftmals ziemlich vorhersehbar, was einen Teil der Spannung herausnimmt.

All jene, die mit The Last womöglich nichts anfangen konnten, können außerdem aufatmen, denn Borutos erstes Kino-Abenteuer orientiert sich merklich an den frühen Naruto-Filmen und dürfte damit vielen Fans sicherlich das bieten, was sie von einem Kinofilm ihres blonden Lieblings-Ninja erwarten: tolle Action, packende Kämpfe sowie eine Prise Humor. Doch auch in diesem Film geht es natürlich nicht ohne Gefühle, denn im Fokus der Geschichte steht das oben bereits erwähnte angespannte Verhältnis zwischen Naruto und seinem Sohn Boruto; diese Beziehung wird zur großen Triebfeder der Geschichte und bietet, meiner Meinung nach, außerdem die stärksten Momente des Films. Man will einfach sehen, wohin ihre gemeinsame Reise führt. Naruto wird uns als permanent schuftendes Arbeitstier gezeigt, der in der Fülle an Aufgaben unterzugehen droht, weshalb er seine Schattendoppelgänger benutzt, um parallel diverse öffentliche Termine wahrzunehmen. Leider beansprucht ihn sein Amt als Hokage so sehr, dass vieles, speziell im familiären Bereich, unweigerlich auf der Strecke bleibt und er seinem Sohn beispielsweise lieber eine E-Mail schickt, anstatt ein persönliches Gespräch mit ihm zu führen. Während Himawari (Borutos Schwester) und Hinata noch Verständnis für die Verpflichtungen haben, die Narutos Stellung im Dorf mit sich bringt, kann Boruto es nicht ertragen, dass sein Vater nie Zeit für seine Familie hat. Dies geht sogar so weit, dass Boruto meint, einen Vater, der nie Zeit für seine Familie hätte, nicht zu brauchen; hierbei stoßen zwei grundverschiedene Ansichten aufeinander, aus denen die Geschichte einen Großteil ihrer Stärke schöpft: Naruto weiß nicht, wie sich ein Vater verhalten sollte, denn als er ein Kind war, hatte er kein geordnetes Familienleben und kein Rollen-Vorbild, an dem er sich hätte orientieren können. Das Resultat sind deshalb recht zaghafte Versuche seinerseits, eine gewisse Nähe zu seinem Sohn aufzubauen, doch diese Vorhaben sind selten von Erfolg gekrönt. Boruto auf der anderen Seite weiß nicht, wie gut er es hat, denn anders als seine Eltern wachsen er und seine Schwester in Zeiten des Friedens auf, in denen die meisten politischen sowie militärischen Spannungen zwischen den Dörfern beigelegt zu sein scheinen. Er wünscht sich einen Vater, der ihn beachtet und mit ihm Zeit verbringt, doch er kann noch nicht verstehen, dass Naruto nicht wirklich wissen kann, was es bedeutet, ein Familienvater zu sein. Die Dynamik der beiden entwickelt sich über den Verlauf des Films sehr dynamisch und nachvollziehbar, weshalb es schön mitanzuschauen ist, wenn beide allmählich einander zu verstehen beginnen.

Boruto: Naruto the Movie ist ein wirklich toller Film geworden, der es fertigbringt, sowohl eine neue Helden-Generation einzuführen als auch den über die Jahre lieb gewonnenen Charakteren rund um Naruto und Sasuke gerecht zu werden. Speziell ältere Fans bekommen somit einen feinen Mix aus alt und neu geboten, der den Wechsel der Generationen zu einem jederzeit unterhaltsamen Erlebnis macht. Man wird fast etwas wehmütig, wenn man bedenkt, dass die alte Garde sich in Zukunft wohl mehr und mehr zurücknehmen wird, doch gleichzeitig kann man der Zukunft Konohagakures, dank sympathischer neuer Helden, optimistisch entgegenblicken.

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