Die durch die Hölle gehen - Kritik

The Deer Hunter

GB/US · 1978 · Laufzeit 183 Minuten · FSK 16 · Drama · Kinostart
Du
  • 7

    Es gibt Filme die haben "ihre Zeit" - vor den bald 40 Jahren die dieser alt ist war er sicherlich das ultimative Schock und Skandalwerk (ich war da nicht mal geboren!). Mein Problem ist allerdings vor allem: der Film nimmt sich viel zu viel Zeit. Drei Stunden ist das ganze Ding nach und erst nach 70 Minuten verlagert sich die Handlung nach Vietnam, vorher lernen wir die Hauptfiguren in ihrem heimischen Umfeld, bei der Arbeit, beim Saufen, beim Feiern, beim jagen kennen - schön und gut, aber viel zu lang. Dafür ist die dann folgende Vietnamszene in der die Helden russisches Roulette spielen müssen so unsagbar hart und grausam dass es einem den Atem raubt und die weitere Handlung in der es um die Heimkehr geht und einen der Jungs der den Verstand verliert ist durchaus ergreifend, emotional und dramatisch - aber eben auch viel, viel zu lang, den gesamten Film hätte man locker und problemlos eine Stunde kürzen können. Aber das sagt ein Banause wie ich. Interessant ist es allemal Stars wie Robert DeNiro, Christopher Walken oder Meryl Streep noch mal in jungen Jahren zu sehen - und wer etwas älter ist wird den Film wohl besser und mehr zu schätzen wissen als ich.

    Fazit: Zu lang gestrecktes, episches Kriegsdrama dessen "russisches Roulette" Szenen echt an die Nieren gehen!

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    • 9

      Das Film ist ein Meisterwerk durch und durch von den Kulissen angefangen, der stimmigen Musik bis hin zu Klasse Schauspielern und Szenen die einen Leben lang bleiben.

      • 7

        Was kann einen Menschen aus der Bahn werfen und zu einem seelischen Wrack machen? Was könnte den Rahmen des Erträglichen sprengen, die Feder aus dem Antrieb springen lassen oder das Fass zum überlaufen bringen? Die Antworten darauf sind wohl so verschieden wie vielzählig. Aber nicht selten würde - Krieg- genannt werden. Mit herausragenden Leistungen bringen uns Robert DeNiro, Christopher Walken und John Savage die körperliche und seelische Versehrtheit der Kriegsveteranen näher als es eigentlich noch nötig wäre. Eine 3 stündige Reise durch das vom Vietnam-Krieg traumatisierte Amerika der 70er, vom lebensbejahenden "Can't Take My Eyes Off You", über zwei Tropfen Wein auf einem Brautkleid und dem Irrsinn des Russischen Roulettes hin zum fantastischen Score Stanley Meyers, den erhabenen Panoramabildern Vilmos Zsigmonds bis zum bitter-trotzigen "God Bless America". Die Nackenhärchen sträuben sich.

        Nach dem fragwürdigen "Genuss" des mit 9 Oscar-Nominierungen bedachten DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN wankt man mit tief hängenden Schultern und dem Lebenslust-Akku auf rot blinkenden 3% Richtung Arzneischränckchen und kramt verzweifelt nach der Schachtel Happy-Pills. Wenn man über Stunden so dermaßen hart bearbeitet wurde, reicht eine 300 Gramm Tafel Schokolade nicht mehr aus, um seinen Gemütszustand wieder in akzeptable Bahnen zu lenken.

        Michael Ciminos Antikriegsdrama muss man dabei in Laufzeit und Tempo allerdings auch als Herausforderung benennen. THE DEER HUNTER ist möglicherweise nicht immer auf den Punkt inszeniert, ich mochte aber auch gerade das erste Drittel mit der extrem langen Hochzeitsfeier sehr, denn hier und auch beim ersten Jagdausflug findet eine ganz starke Charakterisierung aller Figuren statt, die Cimino auch gerne mal nur "im kleinen Rahmen" zelebriert. Der eingeschworenen Clique pennsylvianischer Stahlarbeiter wünscht man eigentlich nur das Beste für die Zukunft, was hier aber niemandem gegönnt wird, wenn die Bestie Krieg erst einmal von der Leine gelassen ist und sich durch Körper, Seelen, Träume und Herzen der Veteranen aber auch der Daheimgebliebenen beißt, während sie durch die erstickende Trostlosigkeit der heimischen Industriestadt streift. DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN ist eine niederschmetternde Charakterstudie und dabei ungemein eindringlich, ist extrem langsam ohne auch nur eine Spur langweilig zu sein. Wenn man Bock auf 70er-Jahre Kino hat, bekommt man hier ein cineastisches Monument vor den Latz geknallt, welches man nur mit Sauerstoffflasche erklimmen sollte und dem Wissen im Hinterkopf, dass der Abstieg hart ist und noch lange nachwirken wird . . .

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        • 9 .5
          Strabo Tooth 23.05.2017, 15:47 Geändert 23.05.2017, 19:57

          Eigentlich ist The Deer Hunter in erster Linie eine Freundschaftsgeschichte von drei jungen Männer, die aus dem gleichen Provinznest stammen, in patriotischer Absicht in den Krieg ziehen und letztlich verwundet zurückkehren. Dafür setzt der Film auf ein dreiteiliges Handlungsgerüst. Die drei Teile unterscheiden sich nicht nur handlungsmässig voneinander, sondern auch in deren Stimmungsbild. Sinnbildlich gibt es in den drei Teilen jeweils Einzelszenen wie auch Musikstücke, die den Seelenzustand der Protagonisten bestens dokumentieren. Im ersten Teil erlebt man dies in der halbstündigen Hochzeitsfeier, im zweiten Teil kann dies in der aufreibenden russischen Roulette-Szene und im dritten Teil wahrscheinlich in der Wiederbegegnung zwischen Linda und Michael beobachtet werden. Auch die Musik scheint sich diesem Konzept unterworfen zu haben. Anfangs trällern die Protagonisten fröhlich das Musikstück Can’t Take My Eyes Off You und am Ende setzt das berührende God Bless America den Schlusspunkt. Es ist wohl auch bezeichnend, dass die Musik in der Kriegsepisode keine Rolle mehr spielt.

          Die drei Stunden Laufzeit fand ich angemessen und m.E. gab es keine Hänger. The Deer Hunter ist definitiv ein Meisterwerk, das man sich immer wieder anschauen kann. Was mir an diesem Film besonders gut gefällt, ist, dass Cimino die Handlung mit ausgesprochen visuellen Mitteln zu erzählen weiss. Es passiert auf den ersten Blick wenig und auch auf viele Worte wird verzichtet, doch Cimino lässt die Bilder und die Stimmungen für sich sprechen, die wohl sehr viel über den Gemütszustand der Protagonisten erzählen. Diese Erzählweise kann m.E. nur funktionieren, wenn hier richtig gute Schauspieler am Start sind. Diese finden wir in Christopher Walken, Meryl Streep und dem überragenden Robert DeNiro, in den ich mich glatt verliebt habe, weil er die Ambivalenz vom aggressiven, sensiblen und bedrückten Mann grandios widergibt. Zudem gibt es einige herausragend inszenierte Einzelszenen, die einen auch nach Filmende nicht mehr loslassen.

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          • 3 .5
            Popcorn_Pfoetchen 30.03.2017, 01:56 Geändert 30.03.2017, 03:01

            Die erste Stunde kann man sich getrost sparen. Die wirklich starken Szenen verlaufen sich leider in den darauf folgenden 2 Std. . "The Deer Hunter" ist zusammengefasst: Zäh & ermürbend.
            1,5 std weniger hätten dem Film meiner Meinung nach gut getan.

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            • 8

              Satte drei Stunden quält uns Michael Cimino mit seinem mehrfach oscarprämierten Vietnamdrama. Wir erleben allein fast die erste volle Stunde unerträglich lange eine Hochzeit unter Freunden. Auf der eigentlich nicht mehr passiert als absolute Banalitäten. Dann die Jagd unter Freunden, dann der Kriegseinsatz, die Gefangenname, die Folter und die Befreiung. Kein Zweifel, Cimino hatte Großes vor. Doch warum zeigt er uns all das in endlosen Einstellungen ?

              Weil er möchte, dass wir uns mit den Protagonisten und ihrem Leben identifizieren. Wir sollen eintauchen in das einfache amerikanische Leben von Michael (Robert de Niro), Nick (Christopher Walken) und Steven (John Savage). Allesamt Patrioten. Kernpunkt ist sicher das aufgezwungene „Russisch Roulette“ des Vietcong. Die Gefangenen müssen in einem Duell den Trommelrevolver mit einer Kugel an die Schläfe halten und abdrücken. Traumatisiert von diesen unmenschlichen Ereignissen kann sich Nick später selbst in Freiheit noch nicht davon lösen, und spielt das Spiel gegen Geld in verrauchten Hinterzimmern in Saigon. Walken zeigt beeindruckend, wozu er schauspielerisch fähig ist (Oscar). Über de Niro müssen wir nicht sprechen, er ist gewohnt erstklassig und spielt alle an die Wand.

              Der Score von Stanley Myers baut vor allem auf sein langsames Gitarrenstück „Cavatina“, das eine melancholisch-klassische Note reinbringt und viele Major7-Akkorde verbaut.

              In den Nebenrollen laufen Stars wie Meryl Streep, John Cazale oder George Dzundza auf. Man kann also dem Werk nicht gerade Bescheidenheit bescheinigen.

              Es gelingt Cimino zwar, das einfache Leben der Stahlarbeiterfamilien authentisch nachzuzeichnen, aber er mutet uns schon eine gewagte Länge zu, die es so gar nicht gebraucht hätte. Auch eine wesentlich verkürztere Hochzeitszeremonie zu Beginn hätte uns mit den Darstellern sympathisieren lassen. Das Trauma durch den Vietnamkriegseinsatz zeigt er jedoch hervorragend. Die Männer kehren nicht mehr als das zurück, was sie vorher waren.

              Fazit: Zu lang geratenes Werk mit Alleinstellungsmerkmal. Die wenigen schockierenden Szenen sind brutal und realistisch. Der Film hat Denkmalstatus erreicht, und das sicher zurecht. Schade nur, dass Cimino sich zu sehr in den Längen verliert. Ein strafferes Tempo hätte dem Streifen gut getan.

              • 9
                MaClemore 18.01.2017, 20:13 Geändert 18.01.2017, 20:14

                De Niro ist eine Klasse für sich. Das ist nicht so daher gesagt - ich sehe wirklich niemanden mit einem derart großartigem Vermächtnis wie ihn. Denn - er brilliert, dominiert, geht wie ein Stern auf - und das neben Christopher Walken UND Meryl Streep, beide selbst Schauspielgötter...und er "verheizt sie bereits in der ersten Kurve", wenn der Rennsportausdruck erlaubt ist.

                Der Film ist ein Meisterwerk - in jeder Kategorie. Er bekommt von mir nur deshalb nicht die Höchstnote, weil er in den ersten 35 Minuten ca. 27 Minuten eine russische Hochzeit zeigt und somit den Bogen etwas überspannt. Soviel Boarding war nicht nötig. Ansonsten: keine einzige Minute verschenkt!

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                • 10

                  Meisterwerk, Geniale 70iger Perle.

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                  • 8 .5

                    Das ist eine Perle von einem Film. Danach denkt man über Themen wie Krieg und Freundschaft nach. Robert de Niro ist echt ein Gott

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                    • 8

                      Da hab ich jahrelang gedacht es sein ein Film über die Ehe... xD

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                      • 8

                        Episch angelegtes Drama mit starken Darstellern, großartigen Bildern und intensiven - kritisch zu betrachtenden - Szenen aus dem Vietnamkrieg.

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                        • 7
                          Malik 10.09.2016, 12:25 Geändert 10.09.2016, 12:28

                          Ein Film der, erst einmal in Fahrt gekommen, eine verstörende, teilweise schwer verdauliche Geschichte von menschlichem Wandel in Angesicht und Folge des Krieges erzählt.

                          Bis es soweit ist muss der Zuschauer allerdings einige quälende Längen über sich ergehen lassen, die Ciminos eigenwilliges Drama trotz einiger starker Szenen mit seinen geschlagenen 182 Minuten Laufzeit unnötig aufgebläht erscheinen lassen.

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                          • 8

                            Mehr als nur ein Kriegsfilm .... Vorallem wie sich die Soldaten nach ihrem Kriegseinsatz fühlen ist stark inszeniert.
                            Der Film ist natürlich recht lang, aber wenn man sich die Zeit nimmt, bekommt man nicht nur einen guten Einblick in den Krieg, sondern auch in das Land der Soldaten.

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                            • 8

                              Es gibt Filme, die sind wirklich großartig, aber man möchte sie nie wieder gucken. Dieser gehört dazu. Das liegt nicht daran, dass der Film langweilig oder ähnliches wäre, sondern viel mehr daran, dass er so unglaublich unangenehm ist und unter die Haut geht. Die Intensität, mit der die gebrochenen Charaktere gezeigt werden, lässt einen mehrfach schlucken. Und die "Russisch Roulette" Szene ist eine der Intensivsten und Spannendsten überhaupt.
                              Die Darsteller spielen überragend, die Handlung trägt sich durch den gesamten Film, ohne dass es zu größeren Längen käme.

                              Er fängt komplett unbekümmert an und ebenso agieren die Charaktere. Nach einer fröhlichen Hochzeit und einem gemütlichen Jagdausflug findet man sich einen harten Schnitt später in einem Luftangriff des Vietcong wieder. Die nun folgenden 90 Minuten sind nur ganz schwer zu ertragen, im positiven Sinne gemeint.

                              Der Film geht nicht so sehr auf die Schrecken im Kriegsgeschehen selber ein, wie zum Beispiel "Good Morning, Vietnam". Viel mehr wird sich darauf konzentriert, wass in der Psyche der Veteranen geschieht. Und das wird fantastische dargestellt.

                              Von mir gibt es eine klare Empfehlung, auch wenn ich ihn nie wieder gucken möchte.

                              • 9

                                Ein Film, der den Vietnamkrieg mit seinen Auswirkungen in all seiner Schrecklichkeit zeigt und dabei kaum in Vietnam spielt. Michael Cimino hat hier wirklich großartiges geleistet.
                                Sein in drei Akte aufgeteilter Film zeigt schonungslos und nüchtern, mit welchen physischen und psychischen Folgen die Soldaten klarkommen mussten. Dabei sind es vor allem Robert De Niro und Christopher Walken, die mit ihren herausragenden Darbietungen für eine unfassbare Glaubwürdigkeit und Athenzitat sorgen.
                                Ein ganz großes Anti-Kriegs-Drama.

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                                • 9 .5

                                  Ich gebe nur 9,5 weil der Film ein weniger kürzer hätte sein können. Nur dafür einen halben Punkt Abzug! Sonst ist "Deer" eine glatte Zehn. Wie in diesem Epos das ganze Drama um Vietnam dargestellt wird ist unerreicht und höchstens mit "Full Metal Jacket" vergleichbar. Was "Deer" noch besser macht als Kubricks Klassiker sind die Schauspieler: Allen voran natürlich R de Niro und M Streep.
                                  Ich werde die Handlung hier nochmal beschreiben, jeder sollte sich dieses Meisterwerk einfach anschauen. Die Szene schlechthin: Als de Niro im Gefangenenlager beim Russisch-Roulette den Revolver mit mehr als einer Kugel befüllen lässt und das Schicksal seinen Lauf nimmt. Als de Niro dann seinen Freund Christopher Walken aus Saigon zurückholen will entlädt sich in einer einzige Szene das Drama um Krieg und die damit ausbrechende Hölle. Ein wahres Meisterwerk, das Cimino da geschaffen hat, es lässt ein verstört zurück, erschrocken darüber wozu Menschen fähig sind. Was extreme Situationen in Menschen hervorbringen ist sowohl gütig als auch absolut verabscheuungswürdig. Der Mensch ist des Menschen Wolf

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                                  • 10

                                    Es hat sich nichts geändert, Kriege werden heute nicht anders des Geldes willen angezettelt, um den Militärisch-industriellen Komplex aufrechtzuerhalten und andere wirtschaftliche Machtinteressen durchzusetzen. Diese Eliten sollten durch die Hölle gehen.

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                                    • 6

                                      Ein recht sprunghaft erzählter Film, der die narrativen Schwerpunkte Hochzeit, Hirschjagd, Vietnam, Heimkehr und Rettung nur sehr unausgegoren unter einen Hut zu bringen vermag. Da ist am Schneidetisch sicher nicht alles nach Plan gelaufen. Ansonsten ist das vor allem sehr intensives Schauspielkino mit Russisch Roulette als klugen Aufhänger, das den ausschließlich masochistischen Akt des Krieges, dessen Individuen einem rein zufälligen Schicksal ausgeliefert sind, stichhaltig auf den Punkt bringt. Das Ende aber geht ganz unabhängig seiner Intention in die völlig falsche Richtung, stellt es doch wieder dieses unsäglich öde Nationendenken plakativ und plump in den Vordergrund, anstatt im Moment der Trauer einfach anzuerkennen, dass es wichtigere Dinge gibt, als Amerika und seine Politik.

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                                      • 10

                                        (Enthält Spoiler)
                                        "The Deer Hunter" welcher beinahe zur gleichen Zeit wie der noch bessere "Apocalypse Now" erschien ist zwar definitiv ein Anti-Kriegsfilm aber viel mehr ist er ein Drama par excellence.Im Mittelpunkt steht eigentlich nicht der Vietnam Krieg,sondern es sind die Gefühle von Michael(Robert De Niro) und Nick(Christopher Walken),beste Freunde die zusammen den Krieg erleben und diesen jedoch getrennt verlassen.
                                        Die wenigen Minuten des Krieges die hier gezeigt werden sind auch so ziemlich die schlimmsten die ein Soldat im Krieg erleben kann,somit kann kein Kriegs verherrlichendes Bild geschaffen werden,denn dieser Eindruck reicht vollkommen aus um eine Persönlichkeit zu spalten und das Leben einer ganzen Kleinstadt zu verändern.Als Michael seinen Weg zurück in die Heimat findet,will er nicht gefeiert werden,wie könnte er auch in Feier Laune sein ohne über das Schicksal seiner Freunde bescheid zu wissen.Trotz allem versucht er sich wieder an sein altes Leben anzupassen jedoch scheint für ihn der Krieg noch längst nicht vorbei zu sein,denn ein Soldat verlässt einen Krieg nicht nach dem er eine Landesgrenze überschreitet oder in seine Heimat zurückkehrt,denn wie Platon zu sagen pflegte"Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen".
                                        Noch weitaus schlimmer ergeht es Nick,welchem es noch nicht mal vergönnt war wieder in seine Heimat zurückzukehren,er bricht unter den Erfahrungen ohne die Hilfe seines besten Freundes zusammen und versucht zunächst sein Leid mit dem zu bewältigen,dass ihn überhaupt erst in diese Situation brachte.Er überlässt sein Leben dem Zufall und erleidet eine völligen Identitätsverlust.Michael versucht ihn zu retten und seinen Geist wieder herzustellen aber um dies zu erreichen muss auch er sich noch ein letztes mal auf das Tödliche "Spiel" einlassen,das Spiel welches auf so surreale Art und Weise in irgendeiner Form das Leben reflektiert,denn auch im Leben entscheidet ständig der Zufall über Glück und Unglück.Im Moment der Entscheidung kann Michael zu seinem Freund vordringen und versucht verzweifelt ihn in die Welt der Lebenden zurückzuholen,die Worte mit denen er dies tut sollten auch die letzten sein die Nick hört.Denn alle Bemühungen Michael's waren umsonst,Nick der sich zwar über die Worte seines Freundes Freut und seine letzten Gedanken preisgibt scheint kein Interesse mehr am leben zu verspüren und befreit seine Seele auf tragischste Weise und setzt dem letzten in ihm verbliebenen Leben ein Ende.
                                        Michael,Nick und alle anderen betroffenen gehen hier Sinnbildlich für die waren Zeitgenossen Vietnams durch die Hölle und repräsentieren die verlorene Generation besser als jemals zuvor auf einer Leinwand.Zu verdanken hat der Film dies dem unglaublichenRobert De Niro und dem hierfür Oscar prämierten Christopher Walken,aber auch die junge Meryl Streep und der Rest des Casts machen ihre Sache sehr gut.Die Charaktere tragen die Melancholie gepaart mit Stanley Myers Musik direkt in das Herz des Zuschauers und sorgen auch schon mal (auch bei mir)für die ein oder andere Träne.

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                                        • 8

                                          Einen Film wie "Die Durch die Hölle gehen" würde es heute nicht mehr geben. Dazu haben sich die Sehgewohnheiten mittlerweile einfach zu sehr geändert. Allein die Hochzeitsszene, die von vielen Kommentatoren unter mir als ermüdend und zu lang eingestuft wird, ist ein Beleg dafür. Es könnte sich heutzutage kein Film der Welt mehr leisten, so langsam und ausufernd in den Film zu starten. Storytechnisch passiert die erste Stunde einfach mal gar nichts. In "Heavens Gate", dem anschließenden Karrieretod von Michael Cimino, hat er es ganz ähnlich gemacht und eine lange Anfangsszene zu einer Abschlussparty gedreht.
                                          Die Kamera beobachtet sehr genau, zeigt die Umgebung, die USA zu ihrer industriellen Blütezeit und schwenkt immer wieder durch die Hochzeitsgesellschaft und deren zunehmend betrunkener werdenden Gäste.

                                          Das Tempo ist also extrem langsam, dafür sind die wenigen Kriegsszenen umso erbarmungsloser. Mütter mit Kinder werden ohne mit der Wimper zu zucken, von Kugeln durchsiebt oder mit Granaten zerfetzt. Die berühmte Russisch Roulette- Szene in der Gefangenschaft ist unglaublich packend und hoffnungslos inszeniert. Hier kommt die Wahllosigkeit und Brutalität des Krieges voll zur Geltung.

                                          Kaum hat man sich an die Kriegsatmosphäre gewöhnt, wendet sich der Film schon wieder der schwierigen Heimkehr zu.
                                          Die durch die Hölle gehen ist kein Anti-Kriegsfilm bei denen man viel Action und Gräuel zu sehen kriegt. Vieles steckt zwischen den Zeilen und ergibt sich aus den Handlungen. Das macht ihn aus meiner Sicht zu einem guten Anti-Kriegsfilm. Ich würde Apocalypse Now zwar jederzeit den Vorzug geben, jedoch hat Ciminos Werk ebenfalls starke Vorzüge. Schade, dass es solche Filme nicht mehr gibt.

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                                          • 5

                                            Eher Charakter-Studie denn Anti-Kriegsfilm. Leider sind sowohl Handlung als Figuren dazu etwas zu einseitig und banal gehalten, um den Plot über die gesamte doch recht lange Laufzeit interessant zu halten. Zwar nicht unbedingt so schlecht, wie es die Punktzahl widerspiegelt, in Anbetracht der Genre-Konkurrenz aber schon ein gutes Stück im Hintertreffen. Hat mich einfach nicht wirklich beeindruckt, so werden drei Stunden Laufzeit unterm Strich ziemlich lang und zäh

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                                            • 9 .5
                                              drahdinedum 28.08.2015, 08:56 Geändert 28.08.2015, 09:19

                                              Ein Film den ich erstmal sacken lassen musste !Ich versuche meine Gefühle und Gedanken mal halbwegs zu sortieren!

                                              Ein überragender Streifen!

                                              Gerade, dass Er sich nicht nur mit dem Wahnsinn im Krieg. .. sondern auch mit dem Wahnsinn nach dem Krieg auseinandersetzt macht Ihn für mich zu einem ganz besonderen Werk, von dem es zu wenige gibt!
                                              Die äußeren Wunden können heilen oder sind sichtbar! Doch die seelischen Qualen, die ein Krieg auslösen kann, bleiben oft verborgen und lassen sich vermutlich niemals heilen! Dieser Film zeigt auf überzeugende Weise eben diesen Aspekt! Und dieser steht dem Part in Vietnam in nichts nach! Außergewöhnlich!

                                              Ein großer Antikriegsfilm und nebenher noch ein Film über Freundschaft!

                                              "Ich liebe dieses Kaff einfach!Wenn mir da drüben irgendetwas passiert, sorg dafür, dass ich wieder hier lande"

                                              Oder

                                              "Hättest Du gedacht, dass das Leben einmal so sein würde? "

                                              Sind Leitsätze die bei mir hängen geblieben sind und durch den überragenden Cast (Walken, de Niro...) getragen zu einem Meisterwerk beitragen...

                                              Das mich noch lange beschäftigen wird!

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                                              • 8

                                                Krieg ist etwas Schreckliches.
                                                Viele Antikriegsfilme versuchen, diese These argumentativ zu belegen, indem sie die physischen Grausamkeiten des Krieges zeigen.
                                                Es wird dargestellt, wie viele Menschen ihr Leben lassen und wie sinnlos das Ganze ist.
                                                Darüber hinaus wird meist versucht, der Geschichte Spannung einzuhauchen, indem Actionszenen eingeblendet werden.
                                                Hier lag eine andere Intention zu Grunde, hier entschied man sich bewusst für eine Dreiteilung.
                                                Der Plot lässt sich in "Das Leben vor dem Krieg", "Das Leben während des Krieges" und "Das Leben nach dem Krieg" differenzieren, dabei wird von vorne hinein ein Kontrast gezeichnet, wir betrachten, in was für einem Umfeld sich die Protagonisten befinden, der Kontrast entsteht an jener Stelle, in der uns klar wird, was die Charaktere Schreckliches durchmachen müssen.
                                                Das Faszinierende daran ist, wie ich finde, dass sich der Streifen psychischen und physischen Konsequenzen widmet und diese so intensiv an die Charaktere bindet und somit über die Protagonisten und Nebencharaktere handelt, so dass man sich selbst ein wenig unbehaglich fühlt.
                                                Durch diese sehr ausführliche Dreiteilung ist der Film natürlich sehr langatmig, jedoch nie langweilig, wie ich finde, da er es schafft dauerhaft mit den Gefühlen und Intentionen einzelner Charaktere zu arbeiten.
                                                Interessant finde ich dabei auch den Gedanken, die Action in den Hintergrund rücken zu lassen, um den Zuschauer gar nicht in eine Position zu versetzen, in der er Spaß an den Gewalttaten haben kann, stattdessen erhält er dauerhaft den Eindruck, welche Leben doch durch Krieg zerstört werden und welche Folgen das Ganze auch für die Überlebenden hat, diese haben nämlich häufig mit einem intensiven Trauma zu kämpfen und auch körperliche Schäden bzw. Schmerzen zu beklagen, diese Konsequenzen halten über Jahre und meist auch bis zum Lebensende an und haben auch weitere Gewalttaten zur Folge. Darüber hinaus werden auch Familien zerstört, Menschen getrennt und ein tiefer Schweif aus Leid und Tränen hinterlassen.
                                                All das wird klar, wenn man sich Die durch die Hölle gehen ansieht, man sieht hier mehr als "nur" die Opfer in der Gegenwart des Krieges, man sieht auch die Opfer, die gar nicht in den Krieg ziehen oder jene, die erst nach dem Krieg zu leiden haben.

                                                Unterm Strich betrachtet ist für mich Die durch die Hölle gehen ein ausgezeichnetes Antikriegs-Drama, welches sehr ruhig und langatmig daherkommt, aber sich genau deswegen die Zeit und den Raum nimmt, über seine Charaktere zu arbeiten und somit auch Einzelschicksale dem Zuschauer näher bringt, wodurch dieser eine noch intensivere Einstellung gegenüber dem Thema Krieg einnehmen kann.

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                                                  Deusfantasy 24.08.2015, 12:31 Geändert 13.02.2016, 22:05

                                                  Die gewählte Herangehensweise von "Die durch die Hölle gehen" ist erstmal sehr spannend. Wir lernen drei Männer vor dem Krieg kennen, sehen welch Grauenhafte Dinge sie im Krieg erleben und schließlich wie die Erlebnisse sich auf ihrer Psyche niederschlagen und sie sich danach wieder im normalen Leben zurechtfinden müssen. Als einer der Besten (Anti)-Kriegsfilme aller Zeiten lobgepriesen, scheitert der Film für mich bereits in seiner ersten Episode an diesem Anspruch. Zwar werden die Männer einem in diesen knapp 70 Minuten nahe gebracht und man baut auch durchaus eine Bindung zu ihnen auf, aber ich hätte sie gerne noch viel näher kennengelernt. Stattdessen verliert sich der Film in einer unglaublich ausufernden und wirklich super langweiligen Hochzeitsfeier, die gefühlt 100 Minuten dauert und fast komplett belanglos ist. Mehr als die Hälfte des ersten Abschnitts ist nicht von Nöten.
                                                  Der Sprung in die zweite Episode kam dann wiederum viel zu abrupt. Plötzlich sind die Jungs nicht nur im Krieg, nein, sie sind sofort gefangen. Es wurde merklich auf enorm viele Einzelheiten verzichtet, was ich sehr bedauernswert finde. Vielmehr wirkt es fast so, als sei das mal eben nebensächlich eingeschoben worden. Zumindest ist das hier gezeigte wirklich so verstörend, das es irgendwo ausreicht, um das Leid der Männer nachzuvollziehen, aber es kommt trotzdem etwas zu kurz. Der Regisseur hätte viel mehr Zeit in diese Episode reinstecken müssen. Zeit die er wiederum locker vom Anfang hätte entbehren können, ja fast müssen. Das der Vietcong hier nebenbei als das fast ultimative Böse dargestellt wird, kann man ebenfalls durchaus kritisieren. Das nehme ich dem Film an dieser Stelle aber nicht krumm, weil die Szenen mit dem Russischen-Roulette sonst wohl nicht ihre volle Wirkung entfaltet hätten.
                                                  Der letzte und eigentlich interessanteste Abschnitt konzentriert sich dann größtenteils auf nur noch eine der Hauptfiguren. Wieder ein Umstand, den ich zutiefst bedauere. Gerade deshalb, weil die anderen beiden Figuren viel interessanter sind, viel mehr gebrochen wurden als De Niro. Das einer der Drei dabei scheinbar als professioneller Russisch-Roulette Spieler tausend Schutzengel hatte, geschenkt.
                                                  Der Film ist Schauspielerisch ganz stark, hat mit seiner bedächtigen Erzählweise genau den richtigen Ton getroffen und bietet ein zufriedenstellendes Ende. Leider krankt er an einer viel zu langen Laufzeit bzw. hätte diese anders verteilt werden müssen. Allemal sehenswert, aber ganz sicher kein Meilenstein des (Anti)-Kriegsfilms.

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                                                  • 9 .5
                                                    smartbo 17.07.2015, 19:10 Geändert 25.08.2015, 11:25

                                                    Einer der besten Antikriegsfilme überhaupt.

                                                    Dramaturgisch exzellent gemacht. Genial ist die Szene in dem Gefangenencamp der Vietkong, als es beim russichen Roulette (Robert de Niro ist u.a. dabei) um's Leben oder Tod ging. Klasse. Gehört zu Filmgeschichte.
                                                    Ein Film, der von Anfang an emotional berührt. Atmosphärisch sehr dicht, spannend, fesselnd und mit exzellenter schauspielerischer Besetzung.

                                                    Ein Film der Kategorie Champions League.

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