Sind die Star Wars-Filme verflucht? Eine Chronik des Scheiterns

Star Wars: Ranking aller Lichtschwertkämpfe
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18.11.2021 - 16:50 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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In den vergangenen Jahren ging kaum ein Star Wars-Film ohne Probleme über die Bühne. Am Anfang klingt jedes Projekt extrem spannend. Die meisten kommen nicht einmal in die heiße Phase.

Seit dem Kauf von Lucasfilm durch Disney haben wir mehr Star Wars-Geschichten bekommen als je zuvor. Star Wars 7: Das Erwachen der Macht löste eine nie gesehene Welle an neuen Projekten aus. Ein Blick auf Disney+ verrät ebenfalls: Der größte Content-Sturm steht erst noch bevor. Im Serienbereich floriert Star Wars. Doch im Kino hat die Sternensaga gewaltige Probleme.

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Von den fünf Filmen, die seit 2015 auf der großen Leinwand erschienen sind, hat es gerade einmal einer ohne eine mittelgroße bis große Katastrophe durch die Produktion geschafft: Star Wars 8: Die letzten Jedi. Ansonsten türmen sich Berichte über kreative Differenzen, Personalwechsel und kurzfristige Änderungen. Wir geben euch einen Überblick über alle neuen Star Wars-Projekte, deren Entstehung (mehr als) holprig war.

  • Zur Einordnung: Bei den nachfolgenden Star Wars-Filmen geht es nicht um unvorhergesehene Zwischenfälle beim Dreh (etwa die Verletzung eines Schauspielenden oder schwierige Wetterverhältnisse), sondern die Fälle, wo Uneinigkeit bei der Vision und Ausrichtung der Projekte herrschte.

Von Problemen geplagte Star Wars-Filme existieren nicht erst sei dem Aufkauf durch Disney. Die Turbulenzen, die George Lucas schon bei Krieg der Sterne und seinen Nachfolgern sowie den später entstandenen Prequels durchstehen musste, sind gut dokumentiert. Dass die große Rückkehr der Sternensaga zu Beginn ebenfalls über Drehbuchschwierigkeiten stolperte, zeugt fast von einer poetischen Ironie.

Star Wars 7: Das Erwachen der Macht

Von Problemen geplagtes Star Wars-Projekt: Star Wars 7: Das Erwachen der Macht

Ursprünglich sollte Toy Story 3-Autor Michael Arndt das Drehbuch zu Star Wars 7: Das Erwachen der Macht schreiben. Im Oktober 2013 verließ er allerdings den Film, woraufhin Regisseur J.J. Abrams und Star Wars-Veteran Laurence Kasdan die knifflige Aufgabe übernahmen. Arndts Arbeit ist nicht komplett vergessen: Im Abspann des Films wird er zusammen mit Abrams und Kasdan als Drehbuchautor aufgeführt.

Von Problemen geplagtes Star Wars-Projekt: Rogue One: A Star Wars Story

Im Gegensatz zu Rogue One: A Star Wars Story dürften die kreativen Differenzen hinter den Kulissen von Episode 7 kaum der Rede wert sein. Gareth Edwards Anthologiefilm wurde im Zuge nachträglicher Dreharbeiten massiv umgestaltet. An sich sind sogenannte Reshoots nicht unüblich bei Blockbustern. Sie sind sogar fest im Produktionsplan verankert. Das Ausmaß bei Rogue One scheint dennoch größer gewesen zu sein.

Rogue One: A Star Wars Story

Tony Gilroy, der die Reshoots übernahm, bezeichnete den Film bei seiner Ankunft als großes Durcheinander. Im Podcast The Moment with Brian Koppelmann  sprach er von "schrecklichen, schrecklichen Schwierigkeiten" und davon, dass man "die Lage einfach nur verbessern konnte." Verändert wurde vor allem das letzte Drittel des Films, sodass einige Aufnahmen aus dem ersten Trailer in der finalen Version fehlen.

Von Problemen geplagtes Star Wars-Projekt: Solo: A Star Wars Story

Nachdem Episode 8 erstaunlich problemlos über die Bühne ging, brachte Solo: A Star Wars Story, der zweite Anthologiefilm, das Rogue One-Trauma zurück. Mit Phil Lord und Chris Miller, dem eingespielten Team hinter 21 Jump Street und The Lego Movie, wurden zwei vielversprechende Regisseure engagiert, um die Geschichte des jungen Han Solo ins Kino zu bringen. Kurz vor Abschluss der Dreharbeiten wurden sie jedoch gefeuert.

Solo: A Star Wars Story

Lords und Millers Vision kollidierte mit der von Drehbuchautor Laurence Kasdan. Die beiden setzten auf Humor und Improvisation. Zudem entsprach ihre Arbeitsweise nicht den Erwartungen von Lucasfilm, wie Variety  herausfand. Sie drehten ihre Szenen nur aus wenigen Perspektiven, was die Möglichkeiten im Schneideraum limitierte. Als Ersatz wurde daraufhin der routinierte Handwerker Ron Howard engagiert.

Von Problemen geplagtes Star Wars-Projekt: Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers

Auch Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers hat seinen ursprünglichen Regisseur verloren. Im Gegensatz zu Lord und Miller, die erst im letztmöglichen Moment entlassen wurden, leitete Lucasfilm-Präsidentin Kathleen Kennedy beim Finale der Skywalker-Saga den Wechsel vor Beginn der Dreharbeiten ein. An die Stelle von Jurassic World-Regisseur Colin Trevorrow trat J.J. Abrams, der zuvor Episode 7 inszeniert hatte.

Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers

Damit einhergehend wurde auch das Drehbuch von Trevorrow und Derek Connolly verworfen. Die neue Version stammt von Abrams und Chris Terrio und unterscheidet sich maßgeblich von der vorherigen Geschichte. Duel of the Fates, so der Titel von Trevorrows Episode 9, hätte zum Beispiel mehr Rose und Luke gehabt. Palpatine wäre nicht zurückgekehrt. Dafür hätten wir den Planet Coruscant wiedergesehen.

Gescheitertes Star Wars-Projekt: Der Boba Fett-Film von Josh Trank/James Mangold

Nachdem Solo an den Kinokassen floppte, verabschiedete sich Lucasfilm vom Konzept der Anthologiefilme. Wie wir allerdings wissen, war mindestens ein weiterer Beitrag aus der von der Skywalker-Saga losgelösten Reihe geplant: Fantastic Four-Regisseur Josh Trank sollte den legendären Kopfgeldjäger Boba Fett auf die Leinwand zurückbringen. Genau wie Trevorrow hat er nie seinen ersten Tag am Set erlebt.

Boba Fett in The Mandalorian

"Ich habe gekündigt, weil ich wusste, dass ich gefeuert werde, sollte ich es nicht selbst tun", verriet Trank gegenüber Polygon . Später wurde Logan-Regisseur James Mangold mit dem Projekt in Verbindung gebracht. Gefruchtet hat auch diese Kombination nicht. Ein Kinofilm mit Boba Fett kam nie zustande. Stattdessen kehrte der Kopfgeldjäger in The Mandalorian zurück und erhält sein eigenes Spin-off: Das Buch von Boba Fett.

Gescheitertes Star Wars-Projekt: Der Obi-Wan Kenobi-Film von Stephen Daldry

Die Gerüchte zu einen Obi-Wan Kenobi-Film reichen weit zurück. Offiziell angekündigt wurde dieser aber nie. Drehbuchautor Hossein Amini, der später die Obi-Wan Kenobi-Serie auf den Weg bringen sollte, bestätigt im Interview mit Discussing Film , dass er das Projekt von Regisseur Stephen Daldry übernommen hat, der an einer Kinoversion mit Ewan McGregor arbeitete, ehe das Projekt zu Disney+ überschwappte.

Obi-Wan Kenobi in Die Rache der Sith

Ähnlich wie bei Boba Fett wurden die Pläne für einen Kinofilm verworfen, um die Rückkehr der beliebten Star Wars-Figur im Kontext des Streaming-Diensts neu zu denken. Allzu geschmeidig lief die Entstehung der Serie allerdings nicht. Amini verließ das Projekt, bevor es in die heiße Phase ging. Als Ersatzautor wurde Joby Harold engagiert. Deborah Chow, die Regisseurin, blieb dafür von Anfang bis Ende dabei.

Gescheitertes Star Wars-Projekt: Die Jedi-Trilogie der Game of Thrones-Macher

Wann wagt sich Star Wars endlich über die vertrauten Grenzen der weit entfernten Galaxis hinaus? Die geplante Trilogie von Benioff und D.B. Weiss über die Entstehung der Jedi hätte eine völlig neue Ecke der weit entfernten Galaxis erforschen können, wurde jedoch schneller eingestampft, als sie an Form annahmen konnte. Kreative Differenzen und toxische Fans führt der Hollywood Reporter  als die Gründe für den Ausstieg der Game of Thrones-Macher auf.

Star Wars 8: Die letzten Jedi

Gescheitertes Star Wars-Projekt: Die Trilogie von Episode 8-Regisseur Rian Johnson

Noch vor dem Kinostart von Episode 8 kündigte Lucasfilm voller Vertrauen in Rian Johnson eine neue Star Wars-Trilogie an, die sich ebenfalls weit abseits der gewohnten Skywalker-Pfade bewegen sollte. Einen nennenswerten Fortschritt hat sie seitdem aber nicht gemacht. Obwohl Johnson in der Vergangenheit mehrmals betonte, dass die Trilogie noch nicht vom Tisch ist, legt ein Bericht vom ehemaligen Hollywood Reporter-Redakteur Matthew Belloni bei Puck  das Gegenteil nahe.

Gescheitertes Star Wars-Projekt: Rogue Squadron von Wonder Woman-Regisseurin Patty Jenkins

Rogue Squadron sollte das erste große Star Wars-Abenteuer nach dem Abschluss der Skywalker-Saga werden. Der Film von Wonder Woman-Regisseurin Patty Jenkins befand sich auf dem besten Weg, eine neue Ära an Star Wars-Kinofilmen einzuleiten, ehe er überraschend auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Laut dem Hollywood Reporter  ist dafür angeblich Jenkins' voller Terminkalender verantwortlich. Der zuvor erwähnte Puck-Bericht spricht jedoch von kreativen Differenzen.

Rogue One: A Star Wars Story

Kreative Differenzen: Star Wars mangelt es nicht an Talenten, aber an Vertrauen in deren Vision

Wenn wir uns die vergangenen Star Wars-Projekte anschauen, wird ein klares Muster deutlich: Lucasfilm engagiert spannende Filmemacher:innen, vertraut allerdings nicht in deren Vision. Dass ausgerechnet Rian Johnsons Episode 8, der mutigste der neuen Star Wars-Filme, ohne größere Probleme durch die Produktion gekommen ist, gleicht einem Wunder. Oder: Die Ausnahme bestätigt die Regel.

Obwohl Lucasfilm bisher nie Probleme hatte, sich große Namen zu sichern, ist die Bilanz für Filmschaffende mittlerweile eher entmutigend. Mikromanagement, also übertriebene Detailorientiertheit, und von oben diktierte Plotpunkte tauchen auf, wenn man nach den Problemen bei Lucasfilm sucht. Das größte Franchise in Hollywood erweist sich für Regisseur:innen immer weniger als Ort ein Ort des Entdeckens.

Sind die Probleme exklusiv den Kinofilmen vorbehalten? Nein, definitiv nicht. Obi-Wan Kenobi ist das beste Beispiel dafür. Dazu gesellt sich Andor. Das Rogue One-Spin-off um den von Diego Luna verkörperten Cassian Andor wartete zuerst mit dem erfahrenen Stephen Schiff von The Americans als Showrunner auf. Kurz vor Produktionsbeginn wurde er durch ein altbekanntes Gesicht ausgetauscht: Tony Gilroy.

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Welches abgesagte Star Wars-Projekt wünscht ihr euch zurück?

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