Warum Studio Ghibli die besten Animationsfilme macht

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Endlich weht wieder ein Hauch von Ghibli durch die deutschen Kinosäle. Diese Woche startet Die rote Schildkröte und damit ein Film, bei dem die renommierte japanische Animeschmiede zumindest in Ko-Produktion beteiligt war. Es ist der erste Langfilm von Michael Dudok de Wit, der zuvor durch seinen oscarprämierten Kurzfilm Vater und Tochter für Aufsehen sorgte. Zwar steht die Handschrift des niederländischen Animationskünstlers deutlich im Vordergrund, doch wenn kleine Krabben über den Strand tollen wie einst die Rußmännchen in Chihiros Reise ins Zauberland, wird deutlich, dass auch der Geist Ghiblis im Sand der einsamen Insel seine Spuren hinterließ.

Es sind diese kleinen, unscheinbaren Momente, die mich unmittelbar zurückführen in die fantastischen, weitläufigen und bedeutungsschwangeren Welten vom Studio Ghibli. Die Krabben als Katalysator eines Flusses an Erinnerungen, der vor meinem inneren Auge vorbeiläuft und in einer Träne mündet. Es gibt nicht viele fiktive Werke, die schon beim bloßen Gedanken an sie einen solchen Sturm der Emotionen in mir auslösen. Was dort so langsam meine Wange hinunterkullert, ist die Quintessenz all jener Gefühle, die Ghibli über die Jahre in mir einpflanzte. Erinnerungen an all die Abenteuer, die ich mit Chihiro, Mononoke und Co. erlebte. Es ist mir daher eine große Ehre, euch zu erklären, warum das Studio Ghibli die besten Animationsfilme macht, auch wenn ich sicherlich nicht auf alle Punkte eingehen kann, die mir am Herzen liegen.

Eintauchen in eine fantastische Welt

Zum besseren Verständnis gehe ich kurz auf den Ursprung meiner Ghibli-Leidenschaft ein. Dieser liegt erstaunlicherweise gar nicht so lange in der Vergangenheit. Als Kind hatte ich nur wenig Kontakt mit deren Filmen. Bis auf eine flüchtige Erinnerung an Prinzessin Mononoke kann ich nur erzählen, dass ich damals Angst vor dem Ohngesicht aus Chihiros Reise ins Zauberland hatte und mich deshalb nicht getraut hatte, den Anime anzusehen. Viele Jahre später, ich dürfte so 17 oder 18 gewesen sein, sah ich mir erneut Prinzessin Mononoke an. Ich hörte, dass der Film ein Meisterwerk sei und da ich mich erinnerte, ihn teilweise gesehen zu haben, wollte ich ihn nun als etwas reifere Person nachholen.

Was mich mit diesem Film erwartete, verkörperte bereits all das, was mich an Ghibli heute so fasziniert, war aber nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Es war für mich eine völlig neue Art Animationsfilm, die mich mit tiefgründigen, komplexen Charakteren und der Thematisierung des Kampfes Mensch gegen Natur begeisterte. Doch allen voran schaffte es Prinzessin Mononoke, dass ich mich für zwei Stunden in einer völlig fremden, aber irgendwie doch vertrauten Welt verlor, einen Zustand intensivster Immersion erreichte, trotz Anwesenheit magischer und teils grotesker Wesen.

Fantastischer Realismus

Dieses Gefühl, sich in einer fantastischen Welt wiederzufinden, die einem trotzdem so bodenständig und real vorkommt, ist einer der Hauptgründe für meine Ghibli-Leidenschaft. Natürlich hinterfrage ich es, wenn ein Kaminfeuer in Das wandelnde Schloss plötzlich zu sprechen anfängt, und auch die Existenz eines Katzenbusses in Mein Nachbar Totoro macht es überaus deutlich, dass wir uns nicht in der echten Welt befinden. Doch in den entscheidenden Punkten sind die Filme real, und zwar in ihren Figuren. Ihre Emotionen fühlen sich echt an, ihre Beweggründe ergeben Sinn und ihre Probleme kommen uns bekannt vor, auch wenn sie sicher hinter der Fassade einer mystischen Metapher befinden. Selten bekommen wir Schwarz-Weiß-Schemata vorgelegt, auch die Antagonisten haben ihre guten Seiten, ebenso wie die Helden auch nicht immer reine Wohltäter sind.

Diese Harmonie zweier Gegensätze, Fantasie und Realität, ist vor allem in den Werken von Hayao Miyazaki zu sehen und ich muss zugeben, dass ich Ghibli vor allem wegen dessen kreativem Genie so verehre. Doch auch andere Filmemacher aus dem Studio, vor allem Isao Takahata, legen Wert auf nachvollziehbare Motivationen und ausdrucksstarke Charaktere und erzählen Geschichten, die mich tief berühren. Die letzten Glühwürmchen zum Beispiel ist einer tieftraurigsten Filme, die ich je gesehen habe, aber auch ein Erlebnis, welches ich nicht missen möchte.

Nachhaltige Emotionen

Einerseits sind Ghibli-Filme unglaublich gut geeignet, der Realität zu entfliehen und die Welt um sich herum während der gesamten Laufzeit auszublenden. Andererseits geht die Wirkung der Geschichten über den Abspann hinaus. Es sind die kleinen Momente, verbunden mit großen Emotionen, die sich einprägen. Das Klackern der Waldgeister in Prinzessin Mononoke, die stille Zugfahrt von Chihiro mit dem Ohngesicht oder die liebevolle Fürsorge eines Jungen für seine kleine Schwester in Die letzten Glühwürmchen. Auch Die rote Schildkröte hat diese Intimität, die uns nah an die Figuren heranführt, so dass wir ihre Emotionen auch nach dem Film noch in uns tragen. Emotionen, die uns noch lange danach begleiten.

Diese Wirkung erzielen nicht viele Filme bei mir und deshalb kann ich mit vollster Überzeugung sagen, dass Ghibli das beste Animationsstudio ist. Natürlich habe ich auch Verständnis dafür, wenn jemand Pixar lieber mag. Auch ich bin großer Fan von Toy Story, Wall-E und den vielen anderen großartigen Produktionen, die über ihre eigenen, unschlagbaren Qualitäten verfügen. Aber: Wenn Animationsstudios Menschen wären, wäre Pixar mein bester Freund aus Kindheitstagen, mit dem ich aufgewachsen bin, die tollsten Abenteuer erlebte und dem ich auch heute noch gerne über den Weg laufe. Doch wenn ich einen Ghibli-Film sehe, berührt mich das auf einer ganz anderen Ebene. In diesem zugegebenermaßen etwas ungewöhnlichen Gleichnis wäre Ghibli die Liebe meines Lebens.

Wie ist eure Beziehung zu Studio Ghibli?

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