Prison Break - Der Pilot-Check zum Serien-Revival

Prison Break mit Rockmond Dunbar und Dominic Purcell
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Einem Revival wohnt immer der Wunsch nach einer unerfüllbaren Ewigkeit inne. Mit der Wiederbelebung von eigentlich Totem wehren wir uns gegen unsere eigene unabwendbare Endlichkeit. Nur für einen Moment freilich hält diese Revitalisierung vor, vielleicht für die Länge von ein paar Episoden oder drei Filmen, bis die dann auch wieder alt sind und die Serie/der Film wieder tot, und irgendwo flüsterts: War es das wert? "Die Toten sprechen, wenn du zuhörst", spricht das Prison Break-Revival-Revival (dt.: Wiederbelebung) zunächst zu uns in seinen ersten Sekunden, aus denen die Bedeutung einer 80 Episoden und einen TV-Film zurückreichenden Seriengeschichte dampft.

Prison Break war tot, sieben Jahre weilte das große Bruder-Epos der Nullerjahre zusammen mit Michael Scofield (Wentworth Miller) im TV-Himmel, legte die Beine hoch und genoss die Ruhe einer Serie, die wahrlich ihren Unterhaltungsdienst abgeleistet hat. Aber Prison Break wollte nicht ruhen, gab sich mit dem Platz auf dem Thron ehrwürdiger Serienklassiker, für die sogar Songs gedichtet wurden, nicht zufrieden. Prison Break will weiterleben, am Limit, möglichst. Im Piloten wird geflüchtet, es werden mit rauchenden Köpfen Pläne geschmiedet, es wird sich geprügelt, sprich all das getan, was den Prison Break-Fan und Zuschauer zum Nägelkauen verleitet und zum Wiedereinschalten bei dieser Serie, deren erste Folge nur wenige Tage nach der US-Premiere auch beim deutschen Free-TV-Sender RTL II zu sehen ist.

Von 2005 bis 2010 war Prison Break die Actionthriller-Familienserie der kurzweiligen und nicht eben einfältigen Werktagsunterhaltung. Die zwei hinters Licht geführten Brüder, die sich gegen eine übermächtige Organisation mit knurriger Entschlossenheit die Freiheit erstritten und deren Ausbruchspläne so kompliziert waren wie ein NASA-Raumfährenstart, aber doch nicht so recht funktionieren mochten, fanden schnell ein treues Publikum. Auch wenn oder gerade weil so eine Prison Break-Staffel sich mit ihren über 20 Folgen meist ein wenig in die Länge zog. Aber Zeit, vor allem gefüllt mit unzähligen Niederlagen und einem schweren Verschwörungsplot, schmiedet Verbindungen fast so zäh wie die zwischen zwei Brüdern. Wer damals dabei war, schaut heute wahrscheinlich auch zu.

Das Revival aber passt sich den Sendestrukturen der Gegenwart an. Über 9 Episoden nur streckt sich der erneute Coup der Brüder Michael und Lincoln. Wie ein eingerosteter Häftling kehrt Prison Break nun in eine Welt zurück, die sich in ihrer Abwesenheit weiterbewegt hat. Hashtags werden jetzt für sie bestückt (#prisonbreakreturns). Aber Prison Break bleibt Prison Break. Autos hetzen Lincoln (Dominic Purcell) durch Straßenschluchten, an deren Ende wie der Igel vor dem Hasen schon T-Bag (Robert Knepper) wartet, der immer noch ein Drecksack ist, aber auch immer noch gut in Form, wie er seinem Spiegelbild bei der Haftentlassung bewundernd zuzwinkert[1]. Theodore "T-Bag" Bagwell hat einen Brief mit einem Foto dabei, welches beweist: Der (defintiv!) tote Michael Scofield ist am Leben. Das ist unter den Prison Break-Schauern ja kein Geheimnis mehr, sondern eher Voraussetzung zur Wiederaufnahme des Prison Break-Projektes. Aber Bildern ist nicht mehr zu trauen: Ein Foto dient genauso wenig als wasserdichter Beweis, wie ein Serientod endgültig ist. Hinter dem schattigen Michael-Porträt vermutet die wieder im sicheren Familienhafen eingefahrene Sara (Sarah Wayne Callies) Photoshop-Manipulationen.

Einen Großteil der Episode bringt Prison Break damit zu, das Wiederaufleben Michaels irgendwie zu plausibilieren. Die Serie ringt dabei intensiv mit sich selbst, hat aber das Pathos auf ihrer Seite, das den Weg zur Rückkehr Michael Scofields schmiert. Dass allein die Idee Wahnsinn, Wunschdenken ist, darüber sind sich auch die Figuren im Klaren. Aber Glaube versetzt Berge, lässt Brüder wiederauferstehen und durchbricht nicht zuletzt auch Gefängnismauern.

Grüße aus dem US-Strafvollzugssystem, Bitches

Lincolns Reise, die ihn zunächst nur durch die USA führt, erfüllt die zweite logistische Pflicht dieses Piloten: Sie trommelt den alten Cast zusammen. Dieses liebenswert grobe und entwaffnend sentimentale Serien-Stück holt viele seiner alten Charaktere zurück, etwa den guten Sucre (Amaury Nolasco), der viel erzählt in seinen zwei Szenen, dann aber doch nicht mitkommen darf in den Jemen, wo angeblich Michael in einer Zelle festsitzt. Stattdessen ist es Rockmond Dunbar als Benjamin Miles "C-Note" Franklin, der Lincoln begleitet. C-Note kann Arabisch sprechen und unterhält im Jemen "Kontakte mit Kontakten", was hilfreich sein könnte bei einem Gefängnisausbruch in Übersee. Dort kommen auch schnell die gefängnisgeschärften Prügel-Skills des Duos zum Einsatz und auch schließlich der Moment, wo ein Bruder dem anderen durch Gitterstäbe zerschnitten zunickt und "Ich hol dich hier raus" sagt. Nur dass aus der kraftvollen Überzeugung kurz darauf ein verzweifeltes Flehen wird. Es ist doch nicht alles wie immer. Der Sturz ins Nichts hat Narben und Löcher hinterlassen. Aber Prison Break lebt weiter, wenigstens noch für acht Episoden.

[1]Dem einen fehlt die Hand, dem anderen der Bruder. T-Bag holt sich einen mechanischen Ersatz. T-Bag, das ist so ein Typ, der die Hand beißt, die ihn füttert, und mit Händen ausstattet, in diesem Fall ein Typ, der die neue mechanische Hand gegen deren Konstrukteur erhebt, der sie ihm soeben angeschraubt hatte. Schlimm sowas.

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