Sensationsserie bei Netflix: Wer Sport mag, wird The Last Dance lieben

The Last Dance - Teaser Trailer (English) HD
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The Last Dance bei Netflix
24.05.2020 - 09:00 UhrVor 11 Monaten aktualisiert
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Das Sportjahr wurde durch die Corona-Pandemie ausgebremst. Bei Netflix gibt es Entschädigung. Die Dramatik von The Last Dance kann eine ganze Bundesliga-Saison ersetzen.

Als die ersten zwei Folgen The Last Dance bei Netflix landeten, waren die meisten Sportligen gerade für einen Monat unterbrochen. Der Sport ist jetzt teilweise wieder da, aber er füllt sich an wie ohne Salz gekochtes Essen. Der ausgehungerte Sportfan muss sich das ein bisschen schön reden.

Wem die abgespeckten Versionen seines Lieblingssports gerade nicht reichen, der sollte mal bei The Last Dance reinschauen, das die Reize eines Profi-Liga-Wettbewerbs in einem Drama göttlichen Ausmaßes abbildet. Basketball als Arena-Show. Die Niederkunft und Reise eines Gottes am Ball auf der Erde. Und der Kapitalismus entdeckt den Sport. Jordans Erfolg verkauft Schuhe *.

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Die Serie über Michael Jordan ist seit diesem Montag vollständig mit ihren 10 Folgen bei Netflix verfüg- und in ihrer gesamten Wucht erlebbar. Auf zwei Zeitebenen erzählt die Dokumentation die Entstehungsgeschichte und den abrupten Zerfall der Chicago Bulls, die als bestes Teams der NBA-Geschichte gelten. Bei Moviepilot erreicht The Last Dance damit eine Wertung von 8.9.

The Last Dance: Ein Sportereignis, nicht nur für Basketball-Fans

Es mag sein, dass The Last Dance vor allem für Zuschauer gemacht wurde, die die ganzen Bulls-Geschichten sowieso schon kennen. Aber wäre das so, hätten nicht allein in den USA durchschnittlich 5.9 Millionen Menschen Scottie Pippen jede Woche beim Dunken im körnigen NBC-Archivmaterial zugeschaut und The Last Dance zur erfolgreichsten Doku bei ESPN  gemacht, woran sicher auch der allgemeine Sportentzug seinen Anteil trägt.

Wer mit Basketball eigentlich nichts am Hut hat, wird sich von The Last Dance ebenso mitreißen lassen. Eine lose Faszination für (Mannschafts)Sport genügt völlig. Ich habe zwar eine Zeit lang Basketball gespielt, aber die Profi-Wettkämpfe nur sporadisch verfolgt. In den 90ern, also jener Zeit, in der die Bulls 6 Titel in 8 Jahren gewannen, existierte Basketball für mich praktisch nicht.

Dass Michael Jordan seine Basketball-Karriere für einen Abstecher in den Profi-Baseball  unterbrach, hielt ich bis vor wenigen Wochen für eine kuriose Erfindung von Space Jam. Denn wer würde (könnte) so etwas tun.

Aber ich interessiere mich für die Sportbegeisterung der USA, die sensible Statik einer Mannschaft und die Persönlichkeiten von Profisportlern, die im Basketball noch etwas größer sind als im Fußball, weil die Teams kleiner sind und die Einzelaktion größeres Gewicht bei Sieg oder Niederlage hat.

Die Dramatik in The Last Dance

So wurde The Last Dance zu meiner Rettung in der Corona-Zeit, denn in der Doku von Jason Hehir geht es um das Zusammenspiel dieser drei Faktoren, die am Team zerren und es leicht zum Einsturz bringen können - oder den Erfolg begünstigen. Wer The Last Dance geschaut hat, wird Sportmannschaften künftig wie Jenga-Türme betrachten, die auf Treibsand gebaut sind.

Die Bulls in The Last Dance

Dann soll Dennis Rodman halt das Training sausen lassen für einen Wrestling-Auftritt mit Hulk Hogan in Las Vegas. Solange er dann auf dem Court wieder abliefert und Ball um Ball vom Brett kratzt.

Dann wirft Jordan eben aus reiner Eitelkeit 30 Punkte in einer Hälfte und zerstört damit den gegnerischen Rivalen, der es gewagt hatte, ihn in Frage zu stellen.

Dann legt eine verdorbene Pizza  eben den Organismus des Genies lahm, für die entscheidenden Körbe und Pässe reicht es trotzdem.

The Last Dance legt den unmenschlichen Ehrgeiz von Michael Jordan offen

Dann legt das Genie seine eigenen unerreichbaren Maßstäbe als Standard für die überforderten Teamkollegen an, was häufig an Mobbing grenzte. In einem der eindringlichsten Monologe, die der für die Serie interviewte Jordan hält, spricht er über diese Methode des unnachgiebigen Antreibens:

Erfolg hat einen Preis. Führung hat einen Preis. Ich zog Leute mit, die nicht mitgezogen werden wollten. Ich forderte Leute heraus, die das nicht wollten. [...] Für mein Team galt der Standard, den ich spielte.
Weniger akzeptierte ich nicht. Wenn man das sieht, denkt man, er 'war vielleicht nicht nett, er war vielleicht ein Tyrann'. So bin ich, so spiele ich das Spiel. Wenn du nicht so spielen willst, dann lass es [...].

Der beinharte Siegeswille Jordans trieb das Bulls-Franchise in wechselnder Besetzung über die Jahre zu diesen unfassbar konstanten Erfolgen innerhalb der engen Wettkampfdichte der NBA. Und er machte Jordan anfällig für Spielsucht. Im Mannschaftsbus zockte er mit Kollegen um Geld.

Der Auszug aus der Mentalitätsphilosophie Jordans oben ist auch deshalb so spannend, da Jordan die Worte zwar mit Inbrunst und Überzeugung vorträgt, im Laufe der Rede aber selbst nicht mehr dran zu glauben scheint.

Warum bricht er das Interview ab? Ist es die Rührung über die eigenen Worte oder der Zweifel an ihrer Bedeutung? Vielleicht auch das Bedauern über die Vergeblichkeit eines solchen Ethos nach dem Karriereende.

2020 sollte ein großes Sportjahr werden, wie es alle 4 Jahre stattfindet, wenn im selben Jahr die Olympischen Spiele, die Fußball-Europameisterschaft und viele weitere Turniere ausgetragen werden, von den regulären nationalen Ligen ganz zu schweigen. Das Sportereignis des Jahres 2020 ist jetzt schon The Last Dance.

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