Scream - Staffel 3 ist so schlecht, dass nicht mal Netflix sie zeigen will

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19.07.2019 - 11:00 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Nach 3 Jahren ist Scream mit einer neuen Staffel zurück, die selbst Netflix nicht freiwillig gesendet hätte. Staffel 3 ist der kreative Todesstoß für das Slasher-Franchise.

Es scheint fast eine Ewigkeit her, dass das MTV-Serienreboot Scream hierzulande bei Netflix lief. Knapp 3 Jahre nach dem Ende ist die Horrorserie nun zurück und wurde unter dem dem Titel Scream: Resurrection mit einem Reboot neu belebt. Trotz vielversprechender Zutaten ist Scream Staffel 3 eine Vollkatastrophe. Die Serie hätte lieber tot bleiben sollen.

Warum läuft Scream Staffel 3 nicht bei Netflix?

Viele Fans fragen sich sicherlich, warum die 3. Staffel nicht bei Netflix erschienen ist. Die Antwort ist etwas komplizierter, aber hier die vereinfachte Kurzfassung. Im Rahmen des Weinstein-Skandals landete die Marke Scream und damit auch die bereits produzierte 3. Staffel im Frühjahr 2018 im Rechte-Limbo.

Schließlich kündigte Netflix den bestehenden Vertrag zur Ausstrahlung von Scream, wegen der unsicheren Rechtelage, die es Netflix nicht möglich machte, Staffel 3 zu veröffentlichen. Nun wurde Scream auf dem MTV-Schwester-Sender VH-1 versendet, der eigentlich für seine Realityprogramme bekannt ist. Das sagt schon alles über die Qualität der 3. Staffel aus.

Die 3. Staffel von Scream versucht, alles besser zu machen

Fans der ersten 2 Staffeln werden niemals eine Auflösung um den Killer Brandon James erfahren, denn Staffel 3 ist ein kompletter Reboot, der allerdings auf dem Papier äußerst vielversprechend klingt. Denn in der neuen Staffel ist erstmals die beliebte Ghostfacemaske in der Serie zu sehen. Und sogar die ikonische Originalstimme von Roger Jackson ist zurück.

Ghostface ist zurück

Und gleich in der ersten der sechs kurzen Episoden wird klar, dass Staffel 3 eine ganz andere Serie als zuvor ist. Diesmal steht der Jugendliche Deion im Fokus, dessen Zwillingsbruder Marcus vor 8 Jahren von dem berüchtigten Hakenmann (Tony Todd!!) ermordet wurde. Ein mysteriöser Killer mit Ghostfacemaske trachtet nun plötzlich Deion und einer bunt gemischten Truppe an Mitschülern nach dem Leben.

Staffel 3 weiß nicht, was Scream überhaupt ausmacht

Ich muss es leider aussprechen: Wes Craven würde sich im Grabe umdrehen. Dabei fängt die 3. Staffel von Scream wirklich vielversprechend an. Ghostface ist zurück und tötet äußerst blutig. Und der vorwiegend diverse Cast verspricht den Metahumor der Reihe auf eine neue Ära des Horrorgenres zu übertragen.

In den ersten 2 Folgen wurde ich tatsächlich noch gut unterhalten. Das Horror-Gothgirl Beth (Giorgia Whigham) übernimmt den Randy-Part aus dem Original und verweist ständig auf die Regeln des Horrors und kommentiert das blutige Geschehen humorvoll und selbstreferenziell. Und auch Keke Palmer sorgt dank ihrer Scream Queens-Erfahrung als flippige Aktivistin für einige Lacher.

Keke Palmer: Einziger Lichtblick in Scream - Staffel 3

Doch dann fangen die Probleme an, denn die Autoren scheinen nicht zu wissen, was Scream überhaupt ausmacht. Es reicht nicht, wenn die Charaktere gefühlt 20 Mal wiederholen, dass sie sich in einem Horrorfilm befinden. Dass die Gruppe der Opfer komplett aus Horror-Stereotypen besteht, die normalerweise als erste draufgehen, hat auch keinerlei Bedeutung. Denn die Figuren sind gänzlich in ihren Stereotypen gefangen.

Staffel 3 ist eine Bankrotterklärung für die Scream-Reihe

Ab der 3. Folge beginnt Scream zunehmend schlechter zu werden und erreicht zur Hälfte den Höhepunkt der Langeweile. Plötzlich herrscht kreativer Stillstand und der Plot schreitet fast gar nicht mehr voran. Viel zu schnell beginnt die Serie nur noch zu nerven, denn die (meisten) Charaktere verhalten sich nicht nur dumm und unlogisch, sondern rattern ihre Dialoge ohne Emotionen oder Feingefühl herunter.

Der Cast von Scream Staffel 3

Die meiste Zeit scheinen die Charaktere völlig unberührt vom Tod ihrer Freunde zu sein, wodurch nie das Gefühl aufkommt, das wirklich etwas auf dem Spiel steht - obwohl jede Folge eine Hauptfigur stirbt. Besonders störend ist aber der krampfhafte Versuch, von Folge zu Folge bestimmte Figuren verdächtig wirken zu lassen, was meist von unangebrachten Kommentaren und überzeichneten finsteren Blicken dargestellt wird.

Achtung, im nächsten Abschnitt spreche ich über die Ghostface-Auflösung im Finale. Es folgen massive Spoiler.

Der Killer von Scream: Resurrection ist eine Beleidigung

Ich habe all meine Hoffnung auf das Finale von Scream: Ressurrection gesetzt, denn die möglichst überraschende Auflösung des Killers gehört in der Scream-Reihe zu den Highlights. Aber auch hier enttäuscht Staffel 3 maßlos und begeht den größten Fauxpas: es ist eine anmaßende Beleidigung für jeden Horrorfan.

Jamal ist Killer Nr. 1

Fangen wir bei dem ersten Twist an. Es stellt sich heraus, dass Deion eigentlich Marcus ist und die Identität seine Bruders nach dessen Tod annahm - die Eltern konnten wohl nicht ihre eigenen Kinder voneinander unterscheiden. Dann folgt schließlich die Enthüllung des ersten (!) Killers, Deions Halbbruder Jamal, dessen Motivation direkt und dreist aus Scream 3 kopiert wurde.

Begleitet wird die Killer-Enthüllung von Rückblenden zu vorangegangen Toden. Aber müssen wir wirklich mehrfach hintereinander sehen, wie er sich die Maske von Gesicht abnimmt? Nur wenige Szenen später folgt erneut diese Montage, um uns Horrorfan Beth als wahres krankes Mastermind zu präsentieren.

Scream - Staffel 3 macht sich über die eigenen Fans lustig

Die Enthüllung ist überraschend, doch Beths Monolog über ihre Motivation ist eine bodenlose Frechheit. Denn Beth stellt tatsächlich Horrorfans und Soziopathen gleich. Jeden Horrorfan als potenziellen Psychopathen darzustellen, der sofort losmordet, sobald ihm Filme nicht mehr brutal genug sind, ist eine grob fahrlässige Aussage und ein Schlag ins Gesicht eines jeden Fans.

Scream-Killer: Beth

Im Rückblick auf die gesamte Staffel ist der Ghostface-Killer trotz originaler Maske und Stimme eine herbe Enttäuschung. Denn obwohl sich hinter der Maske ein wandelndes Filmlexikon versteckt, fehlen der Staffel die ikonischen Terroranrufe und todbringenden Triviafragen.

Stattdessen beschränkt sich der Killer hier auf forsche Textnachrichten, die mehr an Pretty Little Liars erinnern als an Scream. Wenn ihr also Scream-Fan seit, solltet ihr die Existenz dieser Staffel besser leugnen, denn das hat überhaupt nichts mehr mit Scream zu tun.

Habt ihr die 3. Staffel von Scream schon gesehen?

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