Vergnüglicher Serienkiller-Thriller mit Glen Powell: How to Make a Killing geht für ein Erbe über Leichen – und macht uns mitschuldig

07.04.2026 - 08:59 UhrVor 5 Tagen aktualisiert
How to Make a Killing
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Der neue Thriller How to Make a Killing wirft Nebensächliches wie Moral über Bord. Stattdessen mordet Glen Powell sich fleißig durch die Familie. Wie sonst soll er an sein Erbe kommen?

Darf man sich auf die Seite eines Serienkillers stellen? Das lotet die schwarze Komödie How to Make a Killing: Todsicheres Erbe aus, wenn sie Glen Powell auf seine adelige Verwandtschaft loslässt. Der neue Kinofilm startet am 9. April 2026. Doch lohnt sich der bitterböse Thriller?

Erbe dank Serienmord: How to Make a Killing ist rücksichtslos unterhaltsam

Becket Redfellow (Glen Powell) hat es nicht leicht. Noch vor seiner Geburt wurde seine Mutter aus ihrem wohlhabenden Clan verstoßen. Nun bleibt dem Sohn vom Reichtum der Familie nichts als der vergoldete Nachname. Theoretisch zählt Becket immer noch zur Erbfolge. Damit der immense Reichtum der Redfellows in seinen Schoß fällt, müssten vorher allerdings eine Menge Verwandte sterben.

Was er in seiner Kindheit eher im Scherz mit Freundin Julia (Margaret Qualley) diskutiert, nimmt im Erwachsenenalter zunehmend die Gestalt eines Plans an. Während Becket schuftet, ruhen sich die unbekannten Onkels und Cousins auf ihrem Wohlstand aus. Warum dem eigenen Glück also nicht etwas nachhelfen?

Schaut hier den Trailer zu How to Make a Killing:

How to Make a Killing: Todsicheres Erbe - Trailer (Deutsch) HD
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How to Make a Killing wurde lose von Roy Hornimans Buch Israel Rank: Die Autobiografie eines Verbrechers  aus dem Jahr 1907 inspiriert. Darauf basiert Robert Hamers Komödienklassiker Adel verpflichtet aus dem Jahr 1949. Weitere 77 Jahre später hat die Jagd nach Reichtum aber immer noch nichts an Aktualität verloren.

How to Make a Killing lehnt sich genüsslich in seinen doppeldeutigen Titel, der sowohl das schnelle Geld als auch das schnelle Töten suggeriert. Auch wenn Schiffsanker und Gift nicht die originellsten Mordinstrumente sind: Bei einem 18 Milliarden US-Dollar schweren Erbe verblassen Bedenken. Erst recht, wenn der straff erzählte Film einen so leichtfüßig mit auf seine moralische Odyssee nimmt.

How to Make a Killing kitzelt Glen Powells düstere Seite heraus

Schon in der Vergangenheit machten Formate wie Dexter und You - Du wirst mich lieben uns zu Mitverschwörer:innen von Serienmördern. Die Erzählerstimme des gewissenlosen Protagonisten stellt uns auch in How to Make a Killing ganz automatisch auf die Seite des Killers. Zumal Becket zu Beginn noch ganz sanftmütig daherkommt. Der hart schuftende Schuhladenmitarbeiter rutscht fast unfreiwillig auf die schiefe Bahn, die zunehmend in einen Abgrund übergeht.

Beckets erster Mord ist eher ein Unfall. Der nächste fällt ihm schon leichter. Schließlich stutzt er reuelos links und rechts lästige Äste seines Stammbaums. Die Bestattungen werden zum Ort fürs Networking mit Verwandten, die er vorher nie treffen durfte. Dass die anderen Anwärter:innen auf das Erbe sich aus Kinderhassern und verwöhnten Künstlern zusammensetzen, befeuert die Empathie. Topher Graces Rockstar/Prediger hasst man nach wenigen Sekunden mit Inbrunst. Lediglich Bill Camps wohlwollender Onkel verdient etwas Mitgefühl. Doch der kapitalismuskritische "Eat the Rich"-Ansatz, der Filme wie Saltburn, Triangle of Sadness oder Knives Out durchzieht, stellt uns auch im Klassenkampf von How to Make a Killing auf die Seite des Underdogs. Selbst wenn der mordet.

Hauptdarsteller Glen Powell hat sich in den letzten Jahren seine Hollywood-Karriere (in Top Gun: Maverick, Twisters und The Running Man) hart erarbeitet. Der größte Vorwurf, den man Powell bei seinem Aufstieg anlasten könnte, ist, dass er etwas zu perfekt und kantenlos auftritt. Doch How to Make a Killing macht sich seine glatte Oberfläche zunutze. Das Bild seines fleißigen Unterschichtlers verkehrt sich unmerklich ins Unheimliche, je näher der Geldsegen rückt. Das fröhliche Lächeln auf Powells ausgezehrtem Gesicht verkommt zur Grimasse. Er passt perfekt in die Rolle des "sympathischen" Mörders.

Hat How to Make a Killing zu viel Spaß beim Morden?

Erst wenn neben Margaret Qualleys berechnendem Love Interest Julia unerwartet noch die warmherzige Ruth (Jessica Henwick) auf der Bildfläche erscheint, erkennen wir uns als stille Mitläufer:innen des moralischen Verfalls. Sie stellt uns als einzige wirklich liebenswerte Person die Frage: Sind wir im unterhaltungssüchtigen Publikum unbemerkt den Verlockungen vergnüglicher Morde erlegen? Die zwei Frauen in Beckets Leben symbolisieren den Scheideweg, der auch vor uns liegt.

Natürlich will eine schwarze Komödie wie How to Make a Killing keine hochtrabenden Moralfragen stellen. Der Mordsspaß steht im Vordergrund und liefert die meiste Zeit gut ab. Da es nie blutig wird, bremst kein Schockmoment die rasante Fahrt. Dass der Thriller sich rücksichtslos der schwarzhumorigen Unterhaltung verschreibt, bewirkt aber auch, dass er seine potenzielle Tiefe als Charakterstudie verspielt. Er bleibt zu oberflächlich, um wirklich Eindruck zu hinterlassen.

Nachdem Parasite seine Arm-Reich-Schere trotz Humor bis ins Schmerzhafte trieb und The Menu uns im abgehobenen Ambiente einer liebenswerten Hauptfigur anvertraute, bleibt How to Make A Killing etwas blass. Eine Dekade harrte der Film von John Patton Ford auf der "Black List" von Hollywoods beliebtesten unverfilmten Drehbüchern aus. Die menschliche Gier ist bekanntlich zeitlos. Wie sie dargestellt wird, hätte bei allen kurzweiligen Eskapaden noch innovativer ausfallen können.

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