Unfassbar erfolgreich und wahnsinnig verstörend: Ich habe immer noch Albträume vom bisher besten Horrorfilm 2026

25.06.2026 - 12:00 Uhr
Obsession
Universal Pictures / Focus Features
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In den USA schrieb der Horrorfilm Obsession bereits eine wahnsinnige Erfolgsgeschichte. Jetzt läuft das Phänomen endlich auch in den deutschen Kinos.

Wer sich in den vergangenen Wochen im Internet bewegt hat, wird dem Hype um die beiden Horrorfilme Backrooms und Obsession - Du sollst mich lieben wohl kaum entkommen sein. Während der Debütfilm des (mittlerweile 21 Jahre alten) Kane Parsons bereits seit letzter Woche deutsche Horror-Fans mit gelben Tapeten gruselt, läuft seit dem heutigen 25. Juni endlich auch Curry Barkers Wunsch-Albtraum in den hiesigen Kinos.

Obsession hat schon jetzt eine wahnsinnige Erfolgsgeschichte zu verzeichnen. Diese bitterböse Horror-Liebesgeschichte sollten sich Genre-Fans auf der großen Leinwand keinesfalls entgehen lassen. Warum? Das verrate ich euch in diesem Artikel.

Sei vorsichtig, was du dir wünschst: Obsession ist ein Liebes-Albtraum

Inspiriert von einer Simpsons-Parodie der Kurzgeschichte Die Affenpfote, erzählt Obsession vom klassischen Horrordilemma eines Wunsches, der rückblickend betrachtet vielleicht doch etwas besser formuliert worden wäre. Leidtragender des diabolisch verformten Wunsches ist der introvertierte Bear (Michael Johnston), der unsterblich in seine Kollegin und Freundin Nikki (Inde Navarrette) verknallt ist. Nur leider hat er panische Angst, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

In einem Moment der Verzweiflung zerbricht Bear den eigentlich als Geschenk angedachten "One Wish Willow" – ein Gimmick aus einem Esoterikgeschäft – und spricht sein innerstes Begehren aus: Nikki soll ihn mehr lieben als alles andere auf der Welt.

Hier könnt ihr den Trailer zu Obsession schauen:

Obsession - Trailer (Deutsch) HD
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Leider erfüllt sich dieser Wunsch tatsächlich – mit schrecklichen Konsequenzen. Nikki ist wie ausgewechselt und beginnt Bear nicht mehr von der Seite zu weichen. Doch ist dieses liebestolle Wesen überhaupt noch Nikki? Oder hat längst eine dämonische Macht von ihr Besitz ergriffen?

Obsession schreibt eine beispiellose Erfolgsgeschichte

Hinter Obsession steckt der 26-jährige YouTuber Curry Barker, der nach seinem Debütspielfilm Milk & Serial nun sein zweites Werk präsentiert. Gerade mal 750.000 Dollar soll die Low-Budget-Produktion gekostet haben, die ohne Mitwirkung eines Hollywood-Studios entstand. Nach euphorischen Kritiken auf verschiedenen Filmfestivals wurde Obsession nach seinem US-Start im Mai zu einem phänomenalen Erfolg.

Bisher konnte Obsession laut Box Office Mojo  beachtliche 334 Millionen Dollar international an den Kinokassen einspielen, also das 445-fache seines Budgets. Damit zählt der Wunsch-Schocker nicht nur zu den erfolgreichsten Horrorfilmen überhaupt, sondern auch zu den profitabelsten Low-Budget-Filmen aller Zeiten. Ein weiterer Meilenstein dieser Erfolgsgeschichte: In den ersten drei Wochen nach dem US-Start konnte Obsession sein Einspiel stetig erhöhen, und auch danach riss der Hype um den Film kaum ab.

Wie auch Kane Parsons aka Kane Pixels (Backrooms), Mark Fischbach aka Markiplier (Iron Lung) oder die Brüder Danny und Michael Philippou aka RackaRacka (Talk to Me) zählt Curry Barker zu einer neuen Welle an YouTube-Creators, die das Horrorgenre im Kino aufmischen. Doch wird Obsession dem eigenen Hype überhaupt gerecht?

Ja, Obsession ist der bisher beste Horrorfilm des Jahres

Seit mehr als 20 Jahren gibt es für mich keine bessere Kinoerfahrung, als einen Horrorfilm zu schauen, der in mir maximales Unwohlsein auslösen kann, mein Herz zum Rasen bringt und mir mit Schockmomenten den Atem raubt. Leider ist dieser Thrill mit der Zeit immer schwieriger hervorzurufen. Doch Obsession hat es geschafft: Ich habe mich endlich mal wieder richtig gegruselt – und ab einem bestimmten Moment mit offenem Mund fassungslos die Leinwand angestarrt.

Das Konzept eines Wunsches, der bittere Konsequenzen nach sich zieht, ist gewiss nichts Neues im Horrorgenre. Curry Barker schafft es allerdings, eine simple Idee konsequent und mit exponentiell ansteigendem Unbehagen bis zu ihrem tragischen Ende durchzuexerzieren. Dabei setzt der junge Regisseur und Drehbuchautor auf einen interessanten Mix aus Horror und einem aus der irrsinnigen Reaktion der Charaktere gespeistem Humor, wie ihn zuletzt auch Zach Cregger in seinen Filmen Barbarian und Weapons - Die Stunde des Verschwindens zum Einsatz brachte. Und wenn Nikki das Objekt ihrer Begierde nachts aus den Schatten heraus beobachtet, werden Erinnerungen an Ari Asters Hereditary - Das Vermächtnis wach.

Emotional unbeholfen und völlig überfordert versucht Bear, mit dem zunehmend aufdringlichen und durchgeknallten Verhalten seiner neuen "Freundin" zurechtzukommen, was für zahlreiche schwarzhumorige Momente sorgt, die einem das Lachen auch gerne mal im Halse stecken lassen. Aber versteht mich nicht falsch: Obsession ist keinesfalls ein Horrorfilm über einen hoffnungslosen Romantiker und seine der Hysterie verfallene Angebetete.

Obsession ist ein unterhaltsamer, aber auch zutiefst verstörender Blick auf die toxischste Seite einer Beziehung, die in psychische Co-Abhängigkeit abdriftet. Dieser geht vielleicht nicht buchstäblich unter die Haut wie in Together - Unzertrennlich, ist aber ungemein pointiert in der Verhandlung von Themen wie emotionalem Missbrauch, dem Verlust der eigenen Autonomie und den Gefahren männlicher Einsamkeit.

Seit ich den Film im Rahmen der Fantasy Filmfest Night im vergangenen April gesehen habe, geht mir vor allem eines nicht mehr aus dem Kopf: die unerschrockene Spielfreude und unberechenbare Performance von Hauptdarstellerin Inde Navarrette. Nikkis plötzliche und radikale Stimmungswechsel sind mal köstlich überdreht, mal schockierend und dann wieder gänsehauterregend unheimlich oder auch herzzerreißend tragisch.

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Sowohl Nikkis Wunsch-Wahnsinn als auch die Stimmung des Films schaukeln sich beständig in immer weirdere und bedrohlichere Gefilde hoch, ehe sie sich in einem unfassbar verstörenden Schockmoment entladen, auf den ich aus Spoilergründen natürlich nicht näher eingehe. Ihr werdet diesen zwar meilenweit kommen sehen, doch die schonungslose Härte wird trotzdem noch lange nachhallen.

Und eines steht fest: Wer Horrorfilme mit Happy End sehen möchte oder Katzen liebt, ist bei Obsession an der falschen Adresse.

Obsession läuft seit dem 25. Juni 2026 in den deutschen Kinos.

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