Achtung, es folgen Spoiler zum Stranger Things-Finale (Staffel 5, Folge 8).
Das Ende von Netflix' Hitserie Stranger Things ist am 1. Januar 2026 veröffentlicht worden und hat im Publikum sehr gemischte Reaktionen hervorgerufen. Als Joyce in der letzten Folge 8 von Staffel 5 Vecnas Kopf nach 70 Minuten von seinem Körper trennt und Elf nach 80 Minuten von ihren Lieben Abschied nimmt, gönne ich Hawkins' Heldenteam natürlich seinen Sieg. Doch die Erleichterung bleibt aus. Hundertprozentig gepackt, haben mich der Spinnenkampf und das Serienfinale, das keine Risiken eingeht, leider nicht.
Als ich beim Blick auf die Uhr feststelle, dass an diesem Punkt noch 40 Minuten für den Epilog von Stranger Things verbleiben, bin ich skeptisch, was jetzt noch passieren soll. Doch ausgerechnet der auf den ersten Blick überlange Nachklapp der Netflix-Serie, schafft den Abschluss, der mir dann doch noch ein zufriedenes Abschiednehmen erlaubt.
Stranger Things' Finale hat erstaunlich viel mit dem Ende von Der Herr der Ringe gemeinsam
Als langjähriger Fan von Peter Jacksons Herr der Ringe-Trilogie finde ich überhaupt nicht, dass Die Rückkehr des Königs zu viele Enden hat. Sauron mag mit seinem Schicksalsberg lange vor dem Abspann des Fantasyfilms passé sein, aber während andere über das "Ende nach dem Ende nach dem Ende" lachen, brauche ich die restlichen Minuten samt Aragorns Krönung, der Heimkehr der Hobbits ins Auenland und Frodos Abschied dringend, um die geliebte Welt behutsam loslassen zu können. Wer will schon unsanft in die Realität zurückgeschleudert werden, wenn die Reise in die Fiktion so viele Stunden Abenteuer und Freude bereitgehalten hat?
Das ist bei Stranger Things nicht anders: Nach dem Actionspektakel treffen die Duffer-Brüder in ihrer Serie die einzige richtige Entscheidung: Sich noch einmal richtig Zeit für ihre Figuren zu nehmen. (Zumal die Kritik, dass viele Charaktere am Ende nichts mehr zu tun hatten, durchaus berechtigt ist.) Genau wie in Mittelerde, wäre die Geschichte in Hawkins ohne ihr heißgeliebtes Personal längst nicht so eingängig gewesen. Sie haben also mehr verdient, als mit einer Ende-gut-alles-gut-Texttafel abgefrühstückt zu werden.
Ich will nach dem Vorstoß nach Mordor bzw. in den mindestens genauso vegetationslosen Abyss von Stranger Things die Zusicherung, dass es meinen fünf Staffeln lang begleiteten Held:innen auch in Zukunft gut geht. Ich will wissen, dass Joyce und Hopper heiraten, dass Jonathan, Nancy, Robin und Steve sich nicht aus den Augen verlieren und dass die D&D-Truppe von Mike, Lucas, Dustin und Will (plus Max) auch in ruhigeren Zeiten fortbesteht. Selbst, wenn ihre Leben im Erwachsenenalter unterschiedliche Richtungen einschlagen.
Wenn Elf (wie Frodo) die von ihr gerettete Welt verlässt, während die anderen Hobbits/Freunde sich glücklich zur Ruhe setzen können, und wenn Mike (wie Frodo und Sam) am Ende seine Geschichte aufschreibt, stellen sich endlich die Emotionen und glücklichen Tränen ein, die der vorige Teil des Finales vermissen ließ. (In einem Interview mit Deadline gaben die Serienschöpfer sogar zu, sich bei der Länge des Epilogs und ihrem bebilderten Abspann am dritten Herr der Ringe-Film orientiert zu haben.)
Zum Glück besinnt sich Stranger Things am Ende auf seine größte Stärke
Nach dem Steigerungswahn von Staffel zu Staffel, in denen Stranger Things immer größere, bösere und blockbusterige Endgegner auffuhr, haben Ross und Matt Duffer offenbar doch verstanden, dass der Kern ihrer Geschichte die hinreißenden Figuren sind. Eigentlich war mir nie so wichtig, welche neue Militärfraktion gerade Jagd auf Elf machte und wer jetzt schon wieder ein Portal zum Upside Down geöffnet hatte, solange ich dabei nur an der Seite von Steve und Dustin (Joe Keery und Gaten Matarazzo) ihrer unwahrscheinlichen Freundschaft beiwohnen durfte.
Insofern gibt mir das Versprechen gemeinsamer zukünftiger Roadtrips der zwei sehr viel mehr als Nancys bewaffnete Sarah Connor-Momente im Kampf gegen den Mind Flayer. Sogar der letzte große Verlust von Eddie (Joseph Quinn) in Staffel 4 bekommt nochmal einen ergreifenden Stinkefinger-Gruß. Und erst wenn Steve so viele kleine Hobbit-Nuggets wie Samweis Gamdschie sein Eigen nennen kann, bin ich zufrieden. Die 18-Monate-später-Sequenz ist das für das Serienpublikum, was die Abschlussfeier für die Hauptfiguren ist: ein Erwachsenwerden und Freilassen – ein wenig wehmütig, ordentlich nostalgisch und doch mit stolzgeschwellter Brust.
Mit diesem würdigen Epilog kann ich die Serie wie Max (Sadie Sink) ihr D&D-Buch mit feuchten Augen, aber glücklich ins Netflix-Regal zurückstellen. Bei so vielen positiven Gefühlen, kann ich sogar gnädig über die letzten ungeklärten Fragen im Stranger Things-Finale hinwegsehen. Denn wie bei Lost zählt nicht, jedes Mystery-Detail zu beantworten, sondern in meinem Inneren einen berührenden Endpunkt zu finden. Damit ich jetzt nach 10 Jahren sagen kann: Es ist okay, dass Stranger Things endet. Wir hatten eine tolle Zeit zusammen.
Das Stranger Things-Finale im Podcast: Wie war das Ende des Netflix-Hits?
Nach 5 Staffeln ist Netflix’ Erfolgsserie Stranger Things vorbei. Ob den Duffer-Brüdern in den letzten Folgen ein würdiger Abschluss gelungen ist, diskutieren wir im Podcast im Detail. Außerdem erklären wir euch die letzten Story-Wendungen.
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Während uns vor allem der 40-minütige Epilog überzeugt hat, haben wir aber auch einige Kritikpunkte. Beim Blick voraus fragen wir zudem: Wie geht es jetzt mit der Welt von Stranger Things in neuen Netflix-Serien weiter?
