Zum 50. Geburtstag

McG - Vom Musikvideo-Regisseur zum kontroversen Filmemacher

McG
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09.08.2018 - 08:50 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Bei vielen Filmfans steht McG nicht allzu hoch im Kurs. Zu seinem 50. Geburtstag blicken wir auf die bisherige Karriere des Regisseurs zurück, die einige vielschichtige Facetten offenbart.

In den Augen zahlreicher Filmfans ist Joseph McGinty Nichol, der den meisten besser unter seinem Spitznamen McG bekannt ist, ein Regisseur, auf den die Filmindustrie gut und gerne verzichten könnte. Zu den Streifen, die ihm bis heute besonders negativ angelastet werden, gehören unter anderem das Kino-Remake 3 Engel für Charlie der gleichnamigen Fernsehserie, die noch unbeliebtere Fortsetzung 3 Engel für Charlie - Volle Power sowie das Terminator-Sequel Terminator: Die Erlösung mit Christian Bale, der am Set einen denkwürdigen Wutausbruch  erlitt. Anlässlich seines heutigen 50. Geburtstags verzichten wir allerdings auf Spott und Häme für den Regisseur, denn ein Blick auf die bisherige Karriere von McG bringt einige durchaus interessante Facetten zum Vorschein. Dabei lohnt sich vor allem eine Betrachtung der Anfänge des umstrittenen Filmemachers und Serienproduzenten.

Die Anfänge von McG als Musikvideo-Regisseur und Musikproduzent

Seinen Spitznamen McG erhielt Joseph McGinty Nichol bereits während seiner Kindheit in Newport Beach, Kalifornien, da sein Onkel und Großvater auch Joe genannt wurden und deshalb Verwechslungen zwischen den beiden vermieden werden sollten. McG besuchte die Corona del Mar High School, wo er Mark McGrath traf, den späteren Lead-Sänger der amerikanischen Rockband Sugar Ray. Zunächst war es jedoch McG, der Leadsänger einer Band werden wollte, die er mit zusammen mit McGrath gründete. Da er als Frontmann aber schnell scheiterte, überredete er McGrath, seine Position zu übernehmen. Stattdessen arbeitete McG hinter den Kulissen als Produzent und Vermarkter für die Band, bis er 22 Jahre alt war. Sugar Ray gelangten schließlich an einen Plattenvertrag, brachten mehrere Hit-Singles auf den Markt und gingen auf Tour.

Got The Life-Musikvideo von Korn

McG fasste derweil ebenfalls erfolgreich Fuß im Musikgeschäft, indem er anfangs für verschiedene Bands als Fotograf arbeitete, um anschließend Musikvideos für populäre Bands der 1990er-Jahre wie Korn, Smash Mouth, Barenaked Ladies und The Offspring zu drehen. Dabei behauptete sich der Regisseur mit Musikvideos wie One Week  von Barenaked Ladies, Got The Life  von Korn oder Pretty Fly (For A White Guy)  von The Offspring neben Hip-Hop-Video-Größen wie Hype Williams als einer der einflussreichsten Musikvideo-Regisseure innerhalb der Industrie. Wer eines dieser Videos gesehen hat oder alt genug ist, um sich jetzt mit nostalgischer Wehmut an seine frühe Jugend zu erinnern, wird sicherlich verstehen oder zustimmen, dass McG aufgrund der knallig-poppigen Farben, den auffällig gesetzten Schnitten und Licht-Akzenten sowie ausgefallenen Stunts oder Tanz-Performances den typischen Videoclip-Stil der MTV-Ära bedeutend mitgeprägt hat.

McGs Weg vom Musikvideo zum Kinofilm

McG wuchs als leidenschaftlicher Film- und Musik-Liebhaber in Orange County auf, wo er sich im Interview mit Billboard  rückblickend vor allem als Träumer bezeichnet. In diesem Bezirk Kaliforniens, der für den Regisseur damals hauptsächlich aus spröden Reihenhaussiedlungen, Gated Communities und einer deprimierenden Scheidungskultur bestand, suchte McG in erster Linie einen Ausweg aus seinem Alltag, den er sich mit seinen exzessiv-überbordenden Musikvideos verwirklichte. Erfolgreich wurde er dadurch außerdem als Werbeclip-Regisseur, wobei er unter anderem Spots für Coca-Cola drehte. Unbemerkt blieben seine Musikvideos auch bei größeren Schauspielstars nicht und so wurde McG von einer begeisterten Drew Barrymore gefragt, ob er nicht mit 3 Engel für Charlie einen Kinofilm drehen wolle.

3 Engel für Charlie

Nachdem das Studio den Vorschlag des Regisseurs nach längerem Zögern akzeptierte und dieser für seine erste Film-Regiearbeit 350.000 Dollar gezahlt bekam, wurde 3 Engel für Charlie nach seinem Erscheinen im Jahr 2000 zu einem gigantischen Erfolg. Über 250 Millionen Dollar spielte der Streifen weltweit ein, obwohl das Studio anfangs starke Bedenken hatte, einen Actionfilm zu finanzieren, in dem drei Frauen die Hauptrollen als schlagkräftige, starke Heldinnen hatten und an den von Anfang an nur McG so richtig zu glauben schien. Trotzdem war 3 Engel für Charlie der schlagartige Durchbruch für McG als Filmregisseur und der Beginn einer Karriere, in der er sich an Actionfilmen, Dramen und Komödien ausprobieren wollte. Es folgten Filme wie das Sequel 3 Engel für Charlie - Volle Power, das Sport-Drama Sie waren Helden, der Science-Fiction-Actionfilm Terminator: Die Erlösung, die romantische Action-Komödie Das gibt Ärger und das Thriller-Drama 3 Days to Kill.

Die Laufbahn von McG als Serienproduzent hin zu Netflix

Neben seiner umstrittenen Karriere als Filmregisseur, die bei Kritikern und dem Publikum regelmäßig auf viel Ablehnung stößt, ist McG nebenbei auch als TV-Produzent erfolgreich. So war er als ausführender Produzent unter anderem an O.C., California, Supernatural, Chuck und Shadowhunters: The Mortal Instruments beteiligt und ist seit 2016 Teil des Produktionsteams der Lethal Weapon-Serie. Außerdem besitzt der Regisseur eine eigene Produktionsfirma namens Wonderland Sound and Vision, mit der er Fernsehformate und Filme entwickelt. Von seiner Berufung als Filmemacher scheint sich McG aber trotzdem niemals vollständig trennen zu wollen.

The Babysitter

Für Netflix drehte er 2017 die überdrehte Horror-Komödie The Babysitter. Auch wenn der Film ebenfalls wieder auf viel Ablehnung stieß, markiert er für McG gewissermaßen eine Rückkehr zu dessen Wurzeln als Musikvideo-Regisseur. Durch die grelle Inszenierung mitsamt ausgefallener Kameraeinstellungen, flotter Montagen, prägnanter Songs sowie hipper Oberflächenreize entfaltet der Film als überdrehte Genre-Parodie, die ebenso als Hommage an den Slasherfilm der 1980er-Jahre gedacht ist, ein bonbonbuntes Flair voller schwarzhumoriger Splatter-Explosionen und debil-unterhaltsamen Dialogen. Es scheint so, als hätte der jugendliche Träumer von damals mit den orangefarbenen Dreadlocks aus Orange County das Träumen noch nicht verlernt, ganz egal, was ihm andere einreden wollen. Zu seinem 50. Geburtstag wünschen wir McG alles Gute.

Was sagt ihr zur bisherigen Karriere von McG?

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