Die erste neue Star Trek-Serie seit 4 Jahren macht alles anders: Wie gut ist Starfleet Academy?

08.01.2026 - 09:00 UhrVor 10 Tagen aktualisiert
Star Trek: Starfleet Academy
Paramount+
Star Trek: Starfleet Academy
0
2
In wenigen Tagen startet die neue Star Trek-Serie Starfleet Academy bei Paramount+. Das Sci-Fi-Abenteuer macht einiges anders. Aber ist es auch gut?

Erstmals seit dem Start von Strange New Worlds gibt es wieder eine komplett neue Star Trek-Serie zu sehen. Am 15. Januar führt Star Trek: Starfleet Academy das Sci-Fi-Universum bei Paramount+ in eine völlig neue und unerwartete Richtung: als Young-Adult-Serie.

Als erste Star Trek-Realserie stellt Starfleet Academy junge Erwachsene und deren Ausbildung für die Sternenflotte ins Zentrum der Geschichte. Der Mix aus Coming-of-Age-Elementen, Sci-Fi-Action und Star Trek-Setting mag manche erstmal abschrecken. Doch nach einem holprigen Beginn wird die Serie von Folge zu Folge besser.

Star Trek: Starfleet Academy beginnt eine neue Ära

Vergesst alles, was ihr über die Sternenflottenakademie, die renommierte Ausbildungsstätte zukünftiger Lieutenants und Captains der Sternenflotte, wusstet. Denn: Wir befinden uns im 32. Jahrhundert, rund 800 Jahre nach den Abenteuern von Picard, Janeway und Co. – und 100 Jahre nach einer galaxieweiten Katastrophe namens Brand, welche die utopische Föderation in der Mutterserie Star Trek: Discovery an den Rande des Kollaps brachte. Die Föderation und die Sternenflotte befinden sich mittlerweile im Wiederaufbau, womit erstmals seit 120 Jahren neue Kadetten die heiligen Hallen der Akademie in San Francisco und deren neues Übungsschiff USS Athena betreten.

Hier könnt ihr den Trailer zu Starfleet Academy schauen:

Star Trek: Starfleet Academy - S01 Trailer (Deutsch) HD
Abspielen

Hierhin verschlägt es auch den verwilderten Caleb Mir (Sandro Rosta), durch dessen Augen wir zu Beginn die Welt der Akademie kennenlernen. Vor 15 Jahren ließ Captain Nahla Ake (Holly Hunter) Calebs Mutter für ihre Mitschuld an Verbrechen des Weltraumpiraten Nus Braka (Paul Giamatti) verhaften, woraufhin er sich auf der Straße und im Gefängnis durchschlagen musste. Nach all den Jahren der Suche kann die frisch ernannte Akademie-Kanzlerin Ake ihn endlich aufspüren und bietet ihm einen Platz an der Sternenflottenakademie an. Zwischen neuen Freundschaften, Liebe und Rivalitäten soll er lernen, über sich hinauszuwachsen.

Star Trek als Teenieserie? Starfleet Academy beginnt chaotisch

Starfleet Academy ist für Star Trek, was Gen V für The Boys war. Die Serie versucht, eine neue und jüngere Zielgruppe für ein Serienuniversum zu erschließen und zeitgleich mit bekannten Elementen bestehende Fans abzuholen. Nur leider scheinen die Showrunner Alex Kurtzman und Noga Landau zu Beginn selbst nicht zu wissen, was für eine Serie Starfleet Academy sein soll.

Vor allem der Young Adult-Teil ist anfangs befremdlich wie nervig. Gen Z wird hier zur Star Trek-Jugend des 32. Jahrhunderts, die sich aus Teeniedrama-Stereotypen wie einem Wildfang mit Autoritätsproblemen, einer hibbeligen Außenseiterin oder einem feindseligen Overachiever zusammensetzt – quasi ein chaotischer College-Campus voller vorlauter Wesley Crushers. Sechs junge Hauptfiguren, reichlich Lehrpersonal und eine aufkeimende Rivalität zum Nachbarcampus des War College: Das ist alles erst mal viel Neues, überfordernd und weit entfernt vom bekannten Star Trek.

Einerseits will Starfleet Academy eine moderne Star Trek-Serie sein, die visuell auf einer Linie mit dem Blockbuster-Look von Strange New Worlds und Discovery ist. Doch die Coming-of-Age-Aspekte und der teilweise alberne Humor wollen in den frühen Folgen nicht ganz zusammenpassen. Genau wie die jungen Charaktere wird somit auch das Publikum zu Beginn der Ausbildung von Vorurteilen und einem Gefühl von Isolation begleitet. Doch mit jeder voranschreitenden Folge wachsen die Figuren und die scheinbar widersprüchlichen Serienelemente zusammen.

Eigenwillige Star Trek-Serie, die immer besser wird

Nach einigen Folgen rastet der tonale Mix ein. Wie zuletzt Strange New Worlds setzt nämlich auch Starfleet Academy (bis auf wenige serielle Elemente) auf episodische Standalone-Abenteuer, die unterschiedliche Szenarien und Stimmungen präsentieren und dabei jeweils andere Kadetten ins Zentrum rücken, deren Ängste und Sorgen, aber auch Stärken wir so besser kennen und verstehen lernen.

So besteht Starfleet Academy längst nicht nur aus Comedy-Momenten, sondern auch vielen ernsten, wenn eine diplomatische Debatte über die Zukunft eines entfremdeten Volks entscheidet. Sorgen gerade noch quatschige Kadetten-Pranks für Augenrollen, begeistert die nächste Folge direkt mit einem spannenden Klingonen-Dilemma. Die kreative Verspieltheit des Fall-der-Woche-Formats bringt ebenso eine die vierte Wand durchbrechende Teeniekomödie hervor, wie auch eine fesselnde Weltraum-Trainingsmission, bei der plötzlich echte Leben auf dem Spiel stehen.

Egal ob Klingone, Mensch, Betazoid oder photonische Hologrammlebensform: In den Hallen der Sternenflottenakademie tummeln sich etliche Spezies aus so gut wie allen Star Trek-Ablegern und erschaffen ein Ensemble, das nicht nur durch Vielfalt, sondern auch reale Diversität beeindruckt. Wie schon Star Trek: Discovery zuvor schreckt auch Starfleet Academy nicht davor zurück, Queerness als Teil dieser Zukunftsvision zu präsentieren.

Abseits der jungen Auszubildenden verzückt Starfleet Academy mit sehr unterhaltsamem Lehrpersonal. Während Voyager-Legende Robert Picardo als Hologramm-Doktor mit Weisheiten und Operneinlagen (!) verzückt, sorgt die ewig wütende und schreiende Jem'Hadar-Klingonin Lura Thok (Gina Yashere) für reichlich witzige Momente, genauso wie die trocken-humorige Discovery-Mechanikerin Jett Reno (Tig Notaro).

Und wer sich mit dem Humor der Serie anfreunden kann, wird reichlich Freude mit Holly Hunters kompetenter, empathischer, aber auch dezent schrulliger Star Trek-Captain Nahla Ake haben, die vornehmlich barfuß durchs gewaltige Atrium der Akademie stolziert und sich auf jedes Sitzmöbel hinfläzt, als wäre Gemütlichkeit ihre oberste Direktive.

Für wen lohnt sich Starfleet Academy?

Wer bisher wenige bis keine Berührungspunkte mit dem Star Trek-Universum hatte, braucht keine Angst vor unverständlichem Kanon-Ballast haben. Ihr müsst weder das Trek der 90er kennen, noch das chronologisch vorangegangene Star Trek: Discovery geschaut haben, um in die Galaxie des 32. Jahrhunderts eintauchen zu können. Vorwissen ist nicht erforderlich – trotz zahlreicher nostalgischer Easter-Eggs.

Old School-Trekkies, die ihre Sternenflottenakademie als strikte, militärische Ausbildungsstätte mit Disziplin und Strenge sehen wollen, werden von dieser Version eines poppigen Sci-Fi-Colleges sicher abgeschreckt sein. Obwohl es auch ernstere Momente gibt, überwiegen Leichtigkeit und Humor, wodurch sich Starfleet Academy eher mit Star Trek: Lower Decks oder der Sci-Fi-Hommage The Orville vergleichen lässt.

Trotz der zentralen Young Adult-Themen ist Starfleet Academy im Herzen immer noch eine Star Trek-Serie, die ihre Figuren mit Werten wie Kameradschaft und Empathie zusammenschweißt und diplomatische Problemlösungen stets der Gewalthandlung vorzieht. Die Zukunft des 32. Jahrhunderts zeigt uns das Sci-Fi-Universum von einer ganz neuen Seite, ohne dabei auf Nostalgieüberraschungen (besonders für Deep Space Nine-Fans!) zu verzichten.

Auch wenn der Humor manchmal über die Stränge schlägt, zollt Starfleet Academy dem eigenen Franchise-Vermächtnis den nötigen Respekt und wird mit jeder weiteren Episode selbstsicherer und zu einer fantastischen Star Trek-Erweiterung, die einiges anders macht und dabei mit ans Herz wachsenden Figuren zu begeistern weiß. Da lässt sich auch der Young Adult-Pathos verschmerzen.

Die 1. Staffel von Star Trek: Starfleet Academy startet am 15. Januar 2026 bei Paramount+. Nach zwei Folgen zum Auftakt wird die Serie wöchentlich veröffentlicht. Dieser Serien-Check basiert auf den ersten sechs Episoden.

Das könnte dich auch interessieren

Angebote zum Thema

Kommentare

Aktuelle News