Zombies, Vampire & Co.

Deutsches Genrekino auf dem Vormarsch

Zombiefilm aus Deutschland: Rammbock
© EastWest Distribution
Zombiefilm aus Deutschland: Rammbock

Das Genrekino hat vor allem in den USA eine große Tradition. Ob Drama, Komödie, Western, Thriller, Horror- oder Kriminalfilm – jeder klassische Genrefilm folgt allgemeingültigen Regeln, die beim sogenannten Genrepublikum bestens bekannt sind. Natürlich ist die amerikanische Kinolandschaft auch durchflutet von sogenannten Genresynkretismen, also von Filmen, die die Merkmale mehrerer Genres in sich vereinen. Trotzdem finden sich zahlreiche Filmemacher, die mit Ihren Filmen fast ausschließlich das klassische Genrekino bedienen, wie beispielsweise die Horror-Ikonen Wes Craven oder George A. Romero.

In Deutschland hat sich bis auf wenige Ausnahmen ein vergleichbares Genrekino nie herausbilden können. Die deutsche Filmlandschaft wird seit jeher von klassischen Dramen und typisch deutschen Komödien beherrscht, die sich von den vergleichbaren amerikanischen Genrefilmen in vielen Punkten abheben. Dennoch lässt sich der deutschen Filmindustrie das Genrebewusstsein nicht gänzlich absprechen. Vor allem der klassische Kriminalfilm fand sich über die Jahre in zahlreichen Fernsehproduktionen wieder, während im Kino in erster Linie Genresynkretismen vorherrschten.

Seit Beginn des neuen Jahrtausends lässt sich allerdings beobachten, dass deutsche Filmemacher vermehrt amerikanisch geprägte Genres bedienen, allen voran das des Thrillers. Filme wie Anatomie, Anatomie 2, und Das Experiment orientierten sich an amerikanischen Vorbildern und wussten an den Kinokassen neben den internationalen Produktionen durchaus zu überzeugen. Das blieb auch den amerikanischen Produzenten nicht verborgen: Oliver Hirschbiegel, der Regisseur von Das Experiment, folgte nach dem Erfolg von Der Untergang dem Ruf aus den USA und realisierte dort den Sci-Fi-Thriller Invasion mit Nicole Kidman und Daniel Craig.

Diesen Weg gingen auch eine ganze Reihe weiterer deutscher Filmemacher: Robert Schwentke orientierte sich bei seinem Serienkiller-Thriller Tattoo an Genrevorbildern wie Das Schweigen der Lämmer und Sieben, was beim deutschen Kinopublikum für gemischte Reaktionen sorgte. Den Amerikanern gefiel die hartgesottene Genrekost dagegen, so dass der Stuttgarter mit R.E.D. – Älter, härter, besser dieses Jahr seinen mittlerweile dritten amerikanischen Spielfilm abliefert. Auch Christian Alvart schlug mit Antikörper in eine ähnliche Schiene und wagte danach den Sprung über den großen Teich. Das gleiche gilt für Mennan Yapo, der nach seinem hierzulande eher durchwachsenen Erfolg mit dem Auftragskiller-Thriller Lautlos ebenfalls in die USA abwanderte und mit Sandra Bullock den Mystery-Thriller Die Vorahnung inszenierte.

Was steckt hinter dem Phänomen, dass deutsche Regisseure, nachdem sie hierzulande einen klassischen Genrefilm abgeliefert haben, sofort dem Ruf der amerikanischen Produzenten folgen? Zum einen spielen sicherlich die Zuschauer eine Rolle: In Deutschland finden ihre Filme lediglich ein eher geringes Nischenpublikum, während in den USA eine genrevertraute Masse auf sie wartet. Zum anderen erwarten die Filmemacher in Hollywood ein erheblich größeres Budget und eine völlig andere Erwartungshaltung: Die US-Produzenten bauen auf handwerklich solide Genrekost, die nicht immer die ganz großen Einspielergebnisse erzielen muss. Der Leidtragende bei dieser Situation ist wieder mal das deutsche Genrekino, denn erstens taugt das deutsche Publikum anscheinend nicht für klassische Genrekost, und zweitens verabschieden sich die geeigneten Filmemacher nach ihren ersten Filmen aus der hiesigen Filmlandschaft gen USA.

Die jüngste Vergangenheit macht allerdings Hoffnung auf einen neuen Versuch, ein deutsches Genrekino zu etablieren. Im letzten Jahr bescherte uns Anno Saul mit Die Tür einen klassischen Mystery-Thriller, Bettina Oberli hauchte mit der Romanverfilmung Tannöd dem Kriminalfilm neues Leben ein und Matthias Glasner sorgte mit seinem Kinodebüt This Is Love für einen dramatischen Thriller, der an klassische amerikanische Genrekost erinnert. Dieses Jahr macht umso mehr Mut, denn wir dürfen uns mit Wir sind die Nacht auf einen Vampirfilm und mit Rammbock auf einen Zombiefilm aus deutschen Landen freuen, die zwei hierzulande lange Zeit brach liegende Genres für die Kinoleinwand und ein hoffentlich zahlreiches Massenpublikum wiederbeleben. In dieser Woche kommt mit Das letzte Schweigen ein moderner Film noir in unsere Kinos, der schon einige Vorschußlorbeeren erhalten hat.

Ob diese jüngsten Beispiele beim deutschen Publikum ankommen werden und sich tatsächlich ein klassisches Genrekino in Deutschland etablieren lässt, oder ob es sich wiederum nur um einen vorübergehenden Trend handelt, wird sich in naher Zukunft zeigen. Es ist auf alle Fälle erfreulich zu beobachten, dass die deutschen Filmemacher neue Wege bestreiten und sich an gewisse Genres heranwagen, die vorher nur wenig Beachtung in Deutschland fanden. Die weitere Entwicklung gilt es jedoch abzuwarten.

Und nun seid Ihr dran. Was haltet Ihr von der typischen Genrekost aus Deutschland? Glaubt Ihr, dass sich hierzulande ein Genrekino herausbilden kann, wie es in den USA schon seit jeher üblich ist?

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