Mit dem großen Erfolg von Greenland hätte wohl niemand so wirklich gerechnet. Der Sci-Fi-Katastrophenfilm mit Gerard Butler musste 2020 vor der Pandemie aus den Kinos flüchten und kam in den USA gar nicht erst auf die Leinwand. Trotzdem rentierte sich das Spektakel im Kino und Stream so sehr, dass nach fünf Jahren jetzt das Sequel Greenland 2 angelaufen ist.
Die Fortsetzung fesselt mit einigen Stärken, die schon ihr Vorgänger besaß: Einer guten, effizienten Action-Inszenierung und einem Trommelfeuer katastrophaler Wendungen, die im Sekundentakt auf das Publikum einprasseln. Aber mehr als zuvor geraten dabei die Figuren unter die Räder – oder zur Lachnummer.
Gerard Butler läutet 2026 mit einem Sci-Fi-Blockbuster ein: Darum geht's in Greenland 2
Greenland 2 setzt fünf Jahre nach den Geschehnissen des ersten Teils ein: John Garrity (Butler), seine Frau Allison (Morena Baccarin) und Sohn Nathan (neu besetzt mit Roman Griffin Davis) leben in der relativen Sicherheit des Grönland-Bunkers. Die Oberfläche wird nicht nur von neuen Meteoriteneinschlägen, Erdbeben und Flutwellen heimgesucht, sondern ist zudem radioaktiv verstrahlt.
Schaut hier den Trailer zu Greenland 2:
Wissenschaftler wie Dr. Amina (Amber Rose Revah) glauben, dass ein Krater in Südfrankreich ein Leben ohne Strahlung und Katastrophen ermöglicht. Die graue Theorie gerät schnell zur furchteinflößenden Realität, als ein Erdbeben den Bunker zerstört und Familie Garrity per Rettungsboot aufs offene Meer zwingt – den britischen Inseln und Europa entgegen.
Greenland erzählt rasend schnell – und garantiert so permanente Spannung
Schon in Teil 1 stolperten die Garritys mit hoher Frequenz von einer brenzligen Situation in die nächste. Die Fortsetzung tritt jetzt erst recht aufs Gaspedal: Allein in den ersten 30 Minuten folgen auf riesige Schiffswracks radioaktive Stürme, Flutwellen auf Erdbeben, kaltblütige Soldaten auf den drohenden Hungertod und ein freudiges Wiedersehen auf einen mörderischen Meteoritenschauer.
Bei einer solchen Taktung kann kaum Langeweile aufkommen. Die Unterhaltung garantiert aber nicht die Geschwindigkeit allein: Regisseur Ric Roman Waugh (Angel Has Fallen, Kandahar) und Kameramann Martin Ahlgren (3 Body Problem) liefern gut inszenierte Action und überraschend schön fotografierte Landschaften, die durch die vielen praktischen Effekte noch an Authentizität gewinnen.
In einer Szene durchquert die Familie etwa einen Schützengraben, während sich zwei verfeindete Armeen beschießen. Explosionen und Mündungsfeuer, spritzender Dreck, wilde Schreie und ein chaotisches Gewirr von Stacheldraht und Unterständen sorgen für dichte Stimmung. Das leider eher durchschnittliche CGI kommt nur in wenigen Szenen zum Einsatz.
Die Geschwindigkeit schadet den Figuren – die Folge sind oft Lacher und Enttäuschung
Aber die hohe Taktzahl hat auch ihre Kehrseite: Wenn alle 30 Sekunden eine Wendung die Geschichte antreibt, bleibt für die Figurenentwicklung keine Zeit. Zeitweise geht Waugh mit diesem Dilemma gut um und belässt zwischenmenschliche Momente bei einem Minimum: John und Allison wechseln einige Worte, die nicht stören, sondern unter der ständigen Bedrohung glaubhaft hastig gewechselt werden.
An anderer Stelle aber sind Entwicklungen an große Emotionen gekoppelt, die in der Kürze der Zeit zwangsläufig zur Karikatur verkommen müssen: Als ein Vater (William Abadie) in kurzer Folge die Garritys bedroht, ihnen Asyl bietet und sie schließlich unter Tränen bittet, seine Tochter auf ihre Reise mitzunehmen, wirken seine Gefühle auf komische Weise künstlich und ihr Einsatz im Drehbuch erzwungen.
Ähnlich verhält es sich im letzten Viertel des Films mit diversen Hürden, durch die die Protagonisten hastig durchgewunken werden – was zwar die Geschwindigkeit erhält, aber der geerdeten Survival-Stimmung schadet.
Der Film läuft schließlich auf einen Moment zu, dessen Inszenierung viele Fans mit extremen Reaktionen quittieren werden. Verraten wird er an dieser Stelle nicht. Im Kinosaal brachen einige Zuschauer:innen in schallendes Gelächter aus. Aber das muss nicht nur negativ sein.
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Denn wenn Greenland 2 eines ist, dann unterhaltsam: Manchmal, weil Waugh effizient inszeniert, Ahlgren poetische Bilder wählt und Butler eine perfekt sitzende Rolle gut verkörpert. Und manchmal, weil einen die unfreiwillig komischen, durchs Tempo völlig unplausiblen Entwicklungen zum Lachen bringen. Langweilen wird sich hier jedenfalls niemand.
Greenland 2 läuft seit dem 8. Januar 2025 in den deutschen Kinos.