Community
Mein Herz für Serie

Death Note - Der Wunsch nach einer perfekten Welt

Death Note - S01 Trailer (English)
1:54
Light Yagami, Todesengel Ryuk & Gegenspieler LAbspielen
© Shonen Jump
Light Yagami, Todesengel Ryuk & Gegenspieler L
09.04.2015 - 08:50 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
47
22
Es ist schade, dass nur wenige und vor allem kindliche Animes sich in Europa durchsetzen. Death Note spricht allerdings Erwachsene an. Warum sich die Serie nicht nur für Anime-Fans eignet und ich Death Note jedem vom ganzen Herzen wärmstens empfehlen kann, lest ihr hier:

Als Takeshi Obata 2003 anfing, Death Note zu zeichnen, hatte er sicherlich nicht erwartet, dass die darauffolgende Anime-Serie von Tetsuro Araki (Attack on Titan) solch eine große Bedeutung bekommen sollte. Denn als Death Note 2006 zum ersten Mal über die Bildschirme flimmerte, dauerte es nicht lange, ehe sich nicht nur die Serie, sondern auch der Manga außerhalb Japans einer großen Beliebtheit erfreute. Doch was ist es genau, was diese Geschichte zu mehr als einer weiteren düsteren Detektiv-Serie macht? Fangen wir mit der Prämisse an.

Regel 1.1. Der Mensch, dessen Name in dieses Heft geschrieben wird, stirbt.

Hauptprotagonist Light Yagami ist ein hochintelligenter, von der Welt enttäuschter Junge. Um die Welt zu einem besseren Ort zu machen und Gerechtigkeit zu verbreiten, studiert er Jura. Als er in der Uni völlig unterfordert und dadurch gelangweilt aus dem Fenster schaut, entdeckt er ein Buch, das vom Himmel fällt - das Death Note. Es sieht aus wie ein Notizbuch, ist aber viel mehr als das. So gibt es jedem, der dieses Buch einmal in den Händen hatte, die Möglichkeit, Menschen zu töten. Wie das funktioniert, erfährt er im Buch selbst. Laut der Regeln müsse man einfach den Namen der Person ins Death Note schreiben und sich währenddessen das Gesicht vorstellen. Noch dazu kann man die Todesursache und den Todeszeitpunkt festlegen. Lights Wunsch nach Gerechtigkeit bringt ihn auf die Idee, jegliche Kriminellen auf diese Weise zu töten, um so potenzielle Gesetzesbrecher zu verschrecken und eine perfekte Welt zu schaffen. Was Light erst in seinem Zimmer erfährt: Das Death Note gehört Ryuk, einem Todesgott (auch Shinigami genannt), der das Buch ausschließlich aus Langeweile in die Menschenwelt warf. Nur Menschen, die das Death Note des Besitzers, sprich des Todesgottes, einmal berührt haben, können diese sehen. Aus reiner Bespaßung begibt Ryuk sich in die Welt der Menschen, um Light Yagami zu begleiten und ihm zuzusehen, was er mit seinem neuen Fundstück vorhat und welche Konsequenzen es auf sich zieht. Klar, dass Light, der sich schützend in den Medien als Kira (dt.: Killer) gibt, nicht ungestört bleibt. Automatisch erwacht eine Gegenseite - die Polizei. Weil auch die ratlos ist, schaltet sich ein gewisser Detektiv L zu Wort, der der Öffentlichkeit ebenfalls unbekannt ist. Und so beginnt ein psychologischer Krieg der beiden, der vor Spannung kaum zu ertragen ist.

Wer ist intelligenter und seinem Gegner stets voraus?

Im Prinzip ist das die grundlegende Frage der Serie. Beide kennen die wahre Identität ihres Kontrahenten nicht. Dadurch entsteht ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen L, der herausfinden muss, welche Tötungsmethode Kira bei all den Morden benutzt, und Light Yagami, der erfahren muss, welches Gesicht hinter L steckt, um ihn mithilfe des Death Notes aus dem Weg zu schaffen. Gehirnschach entsteht: Wer ist dem anderen psychologisch überlegen und wer kann nicht nur einen, sondern gleich mehrere Schritte des Kontrahenten voraussehen, um sich zu behaupten?

Um die Spannung beizubehalten, bedient die Serie sich allerlei künstlerischer Mittel. Vielleicht ist es auch das, was die Serie dem Manga voraus hat: Sie kann durch Musik und Optik eine einzigartige Atmosphäre erzeugen. So werden wichtige Szenen mit großen Chören und lauten Orgeln untermalt und das psychologische Duell in schwarz-weißen Sequenzen aufgezeigt. Dabei sind die Gedankengänge der beiden Gegenspieler im Off zu hören, während sich Light, in rot gehalten, und L, in blau gehalten, gegenüberstehen. Anime-typisch wird sowas gerne auch mal überzogen (Stichwort Chipspackung), aber nie so, dass es unnötig wirkt und der Serie schadet. Während der Sequenzen ist dem Zuschauer außerdem nicht immer klar, wer dabei auf der guten und wer auf der bösen Seite steht.

Light Yagami vs. L

Gut gegen Böse

Während das wohl in den meisten Filmen die grundlegende Prämisse ist, ist bei Death Note nie sicher, wer auf welcher Seite steht. Die Serie nutzt das aus und wirft einem moralische Fragen vor. Auf der einen Seite ist Light Yagami einfach ein cooler Charakter, den man schnell sympathisch findet, auf der anderen Seite verübt er all die schrecklichen Morde und wird zu dem, was er anfangs so sehr verachtet: einem Mörder. Kann und darf Mord wirklich die Grundlage für die Erschaffung einer "neuen Welt" sein? Light tötet im Laufe der Handlung sogar Menschen, die ihm helfen wollen und lässt sich von keinem etwas sagen. Weder sein Vater, der auch noch Polizei-Offizier ist und somit ebenso auf der falschen Seite steht, noch seine spätere Freundin Misa Amane können ihn von seiner Wahnvorstellung, der neue Gott der Welt zu sein, abbringen. Selbst Todesgott Ryuk, der das alles in die Wege leitete, kann ihn irgendwann nicht mehr stoppen.

Ich bin ein Gott, der die Schwachen vor den Bösen schützt und ein Paradies erschaffen wird.

Death Note hat unglaublich interessante Charaktere, vielschichtige Dialoge mit Wortwitz und die grandiosen Zweikämpfe auf Geistesebene. Ihr müsst euch zwar erst einmal auf den komplexen Plot einlassen, aber wenn ihr es tut, dann fesselt die Serie von Anfang bis Ende. Ich jedenfalls konnte mich alles andere als leicht aus dem Sog der Serie befreien. Weder plumpe Action noch oberflächliche Liebesgeschichten oder sonstige oft vorgeworfene Anime-Attribute sind Bestandteil von Death Note. Vielmehr ist die Anime-Serie geprägt von Intelligenz und setzt voraus, dass ihr gefesselt der Handlung folgt und euch mit der Frage nach moralischen Werten auseinandersetzt.
Wer Lust auf anspruchsvolle Anime-Kost hat und Death Note noch nicht kennt, sollte das unbedingt nachholen. Nach der Serie hat die Geschichte auch noch so viel zu bieten, dass bereits 3 Realfilme  mit leicht abgeänderter Handlung erschienen sind, die der Serie in Nichts nachstehen. Und auch wenn die zweite Hälfte des Animes vielleicht etwas schwächer ist, als die erste, bleibt auch dort die essenzielle Frage: Gibt es die perfekte Welt? Wenn ja, wie sieht sie aus und was müsste geschehen, um sie zu erschaffen?

Was haltet ihr von Death Note?

Das könnte dich auch interessieren

Angebote zum Thema

Kommentare

Aktuelle News