Küss mich, Dummkopf - Kritik

Kiss Me, Stupid

US · 1964 · Laufzeit 125 Minuten · FSK 6 · Komödie · Kinostart
Du
  • 6 .5

    Es ist nicht Billy Wilders bester Film, aber er steht immer noch turmhoch über dem Durchschnitt amerikanischer Komödien. Manches wirkt heute etwas übertrieben affig. Wilder spielt hier mit der Heuchelei der verklemmten Spießer der 60er Jahre. Und für die war der Plot schon provokant genug: Partnertausch!?
    Es geht um den Rummel, den ein Star Dino (Dean Martin) verursacht, wenn er in einer gottverlassenen Gegend (Climax sic!) hängen bleibt.
    Eifersüchtiger Ehemann Orville (Ray Walston) wittert Geschäft, schickt seine Frau Zelda (Felicia Farr) in die Wüste und holt Pistolen-Polly (Kim Novak) aus der Bar ‘Belly Button‘ als Morgengabe für Dino in sein Haus. Bedeutungsvoll wenn Polly und Dino ihren Brilli suchen, den sie beim Niesen aus dem Bauchnabel gekickt hatte.
    Im Stil einer waschechten Verwechslungskomödie hat Orville einen One-Night-Stand mit Polly und Zelda mit Dino. Das bedeutete 1964, dass der Film ab 18 Jahren freigegeben war. Was da genau passierte, wird nur durch die besagte Blume angedeutet, nicht gezeigt. Polly und Zelda sehen sich auffallend ähnlich. Mit Zeldas Eltern ist Wilder in einer Szene ein echter Hit gelungen. Die sind eine herrliche Karikatur ihrer selbst.
    Auffälliges Product Placement, viele berühmte Namen aus dem Showgeschäft neben netten Wilder-Jokes (Volltanken eines Benzinfeuerzeugs) bis am Ende alles wieder F.F.E. ist. Die Songs sind gewöhnungsbedürftig und keine Ohrwürmer. Bleibt am Ende ein geklauter Song und Zelda hat mit dem Titel das letzte Wort.

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    • 3
      speedy208 24.07.2014, 22:24 Geändert 17.01.2015, 10:30

      So dümmlich der Titel, so dämlich der Film – leider. Dabei hätte der Film alles für einen Hit: ein Staraufgebot – allen voran Dean Martin und Kim Novak -, einen Star-Regisseur/Drehbuchautor (Billy Wilder), die Musik von den Gershwins ein gutes Thema – nur leider falsch in Szene gesetzt (für mich zumindest).
      Das Ganze basiert auf einer italienischen Vorlage der Autorin Anna Bonacci – stammt also nicht ganz von Billy Wilder; der hat’s nur adaptiert. Statt „Kiss Me Stupid“ hiess das europäische Original „Ora della Fantasia“ (Zeit für Fantasie) und war offensichtlich in Europa ein Hit. Kaum zu glauben, wenn man die amerikanische Adaption sieht! Wäre ich damals ins Kino gegangen, ich hätte wahrscheinlich gar nicht die Pause abgewartet, sondern wäre gleich rausgegangen…. So enttäuschend wirkt das Ganze auf mich. Kein Vergleich zu „Sabrina“, kein Vergleich zu „Irma la Douce“ oder „Some like it Hot“! Woran’s liegt, weiss ich nicht. Auch die Kritiker waren sich ja nicht einig damals…. Einige Szenen wurden sogar parallel gedreht („entschärfte“, züchtigere für den US-Markt, „scharfe“ für Europa“). Welche ich nun gesehen habe, weiss ich nicht mehr genau – ich habe fast alle Filme von Dean Martin im Original auf DVD -, aber ob nun „scharf“ oder „zensiert“, das macht den Film auch nicht sehenswerter. Ich als Hobby-Autorin hätte mehr aus der Handlung gemacht.
      Der Film soll eine Persiflage auf das Showbiz sein, und Dean Martin seinen Charakter „Dino“ überspielen. Das geht aber gänzlich in die Hose, denn Dean als „Dino“ im Film kommt unsympathisch daher. Da hilft ihm weder sein wohltönender Bariton noch sein Charme. Irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass ein kleiner Blick auf seinen Star genügt, und dieser dann getrost wieder abrauschen kann. Diesen künstlich aufzuhalten, nur damit man (der kleinkarierte Möchtegern-Komponist Ray Walston, der später mit „mein Onkel vom Mars“ seine Karriere reanimierte) seine Songs an den Mann bzw. Markt (Martin) bringt, scheint mir einfach unnötig. Kann aber gut sein, dass ich solche überzeichneten Komödien einfach nicht mag und irgendwie bei diesem Film auch den „Helden“ vermisse. Das einzige was mir davon geblieben ist, ist der Papagei, der die ganze Zeit Western guckt und diese ständig zitiert „Bang, bang“. Das persönlich finde ich eine Schlüsselszene, aber sonst… Nein, mir diesen Film mehrmals anzuschauen, das tue ich mir nicht an, und empfehle es auch nicht.
      Ich bin zwar Dean Martin-Fan, seit mich mein Vater im Alter von zarten 11 damit ansteckte. Ich liebe seine Musik, seine Shows und Western – allen voran „Rio Bravo“, meinen Lieblingswestern. Mit Dean Martin konnte ich mich immer gut identifizieren, denn der Mann hinter dem Entertainer ist mir sehr sympathisch und ähnlich. Aber dieser Film schiesst eindeutig am Ziel vorbei. Treffend nur – Zufall oder nicht -, dass Kim Novak das Amüsiermädchen „Pistolen-Polly“ spielt. Die Handlung ist lahm, der Film also gähnend langweilig. Soweit ich mich erinnern kann, lief der Film stets gegen Mitternacht. Vielleicht auch Zufall, vielleicht Absicht, aus Angst, Kinder bzw. Minderjährige könnten ihn versehentlich sehen… Hmmm ja, diese Zeiten sind glaube ich aber passé. Was ist heute im Google-Zeitalter schon sicher vor den Kids?
      Die Rolle des Amüsiermädchens hätte eigentlich Marilyn Monroe spielen sollen; leider war die dann schon tot. Und deren Ersatz Jayne Maynesfield war schwanger; ging also auch nicht. Da blieb nur noch die „nette“ Kim Novak übrig, die eigentlich sehr prüde und erzkatholisch war....

      • 8 .5

        Leider ein völlig unterschätzter Wilder Film. Ray Walston war zwar nur dritte Wahl, spielt aber göttlich den scheinbar gehörnten Ehemann. Erinnert an Tom Ewell in SEVEN YEAR ITCH. Auch der Rest (Kim Novak,Dean Martin,etc.) sprüht nur so vor Spiellaune
        "Wie heisst das Lied? Ich bin gar nichts wert! Ok, Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung"

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        • 8 .5

          Billy Wilder wusste einfach, wie man Komödien macht.
          Von Anfang bis Ende ist "Kiss Me, Stupid" unterhaltsam, die Dialoge sind genial und voller Zweideutigkeiten und das Ende ist perfekt. Dean Martin zeigt sich hier von seiner selbstironischen Seite, auch wenn Dino über weite Strecken eher eine Nebenfigur ist. Das ist aber aufgrund von Ray Walstons und Kim Novaks herrlich witzigem Spiel kein Problem.
          Witzig, perfekt konstruiert und anspielungsreich - so sieht eine runde Komödie aus.

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          • 8

            Alle Dean Martin Szenen sind anbetungswürdig weil er sich einfach selbst spielt ;-) ... Und die Anprangerung der US Doppelmoral ist wirklich grandios bissig... Sehr gewagt noch zu dieser Zeit... Deshalb damals ein Flop... Aber Ray Walston ist leider merklicherweise nur Drittbesetzung... Mit Jack Lemmon wärs genial gewesen...

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            • 6 .5

              Dean Martin und Ray Walston sind herrlich anzusehen, der erste wegen seiner ironischen Selbstdarstellung eines Weiberhelden der seine Berühmtheit für jenen Zweck einsetzt, der zweite für die übertriebene Art des eifersüchtigen Ehemanns - selbst wenn es die falsche Frau ist. Der Zynismus dieses Film ist zwar herrlich, doch über die zwei Stunden trägt er nicht. Im Gegensatz zu anderen Wilder-Komödien fehlt manchmal die Spritzigkeit und es haben sich Längen eingeschlichen.

              • 5 .5

                Naja... für mich eine der dann doch eher schwächeren Filme von Wilder.
                Die merkwürdige Story wird durch die Stars von einst zwar arg aufgepeppt, aber es reicht dann eben doch nicht, die Mittelmäßigkeit zu verlassen.
                Und Dean Martin beweist einmal mehr, dass er besser singen als schauspielern kann und geht neben den beiden anderen Hauptakteuren völlig unter.
                Fazit: nettes Wilder Filmchen für zwischendurch, aber sicherlich kein Muss

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                • 8

                  Typisch Wilder! Ein kleiner Handlungskreis, turbulentes Spiel und ein simples Happy End.
                  Auf den ersten Blick leicht verdauliche Kost, vielleicht eine Spur zu süß, aber nicht ohne die Spur Zynismus und Ironie, die Billy Wilder im prüden Amerika dieser Zeit (jeder Zeit?) schon mehrfach Ärger brachte und die hier den eigentlichen Charakter des Filmes ausmacht. Entlarvend und auf bissige Weise sehr lustig, dazu schön gespielt und mit einem Dean Martin, der sogar mit dem eigenen Wagen vorfährt.
                  Zudem ist Kim Novak als "Pistolen Polly" einfach herrlich.

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                  • 3 .5

                    Die ironische Selbstdarstellung von Dean Martin ist zwar beeindruckend, ansonsten ist die Billy Wilder-Verfilmung gemessen - auch am damaligen Standard eher seicht.

                    • 7 .5

                      Ich mochte schon immer Wilders Hang zur Turbulenz in der Komödie. hier kommt noch seine zynistische Abrechnung mit dem Starkult hinzu. Genial und lustig!

                      • 8

                        Dean Martin braucht nicht schauspielern: Der hurende und saufende Casanova in Bestform!

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