Brimstone - Kritik

Brimstone

NL/FR/BE/DE/SE/GB · 2016 · Laufzeit 148 Minuten · FSK 16 · Western, Thriller, Drama · Kinostart
Du
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    Im Film geht es hauptsächlich darum die Kirche schlecht zu machen. Furchtbar!

    • [...] Wer den Essay „Das Leiden anderer betrachten“ von Susan Sontag gelesen hat, versteht vielleicht meine Einstellung dem Film gegenüber. Es ist nicht die Menge oder „Qualität“ von grausamen Bildern, die die Menschen gegenüber Gewalt abstumpfen lässt, sondern die eigene Passivität, gegen dieses Leiden etwas zu unternehmen. Und Kino ist eben sehr passiv, außer man verlässt den Saal. BRIMSTONE verändert jeden Zuschauer, ob zum Positiven oder Negativen vermag ich nicht zu sagen. [...]

      • 9

        Ein Beinahe-Meisterwerk...

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          Schmerzhaft...

          Der deutsche Titelzusatz lautet ganz passend: Erlöse uns von dem Bösen...

          Diese Erlösung kann es aber erst geben, wenn die Erde vom Menschen erlöst wurde.

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            Ein diabolisches Meisterwerk 10 von 10 Punkten !

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              hallidalli 03.10.2018, 21:16 Geändert 03.10.2018, 21:32

              Zäher Durschnitt. Wirklich schlimm fand ich aber die Arbeit der FSK BEHÖRDE das sie sowas durchlässt.. wirklich wíderliche Arbeit von Euch !!! !!! !!! Selbst wenn der Film FSK18 hätte... WIDERLICH !! ! !
              Mir ist da echt was aufgestossen!!!
              Da wird rumgeschi**en wegen ein paar Blutspritzern oder Ti**is aber sowas wäre dann Inordnung. ALLES KLAR IHR FSK´ler... !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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              • 8

                Bis zur letzten Sekunde habe ich vor Abscheu und Grauen den Atem angehalten. Fasziniert von dem immer schlimmer werden des Schreckens. Gedacht: Nein, das darf jetzt einfach nicht sein..., zumindest kann es jetzt nicht mehr grauenvoller werden. Doch weit gefehlt...
                Auch gut fand ich die Aufmachung der Geschichte, sodass man den Film eigentlich erst am Ende versteht und sich zumindest bis zur Hälfte fragt, warum dieser Charakter jetzt doch wieder auftaucht.

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                  moviereporter 02.10.2018, 22:47 Geändert 02.10.2018, 23:08

                  Unfassbar dramatischer, aufwühlender, aber auch äußerst niederschmetternder Western. Ich glaube, ein wenig mehr 'Unterhaltungswert' hatte ich mir dann doch erwartet. Es ist ein wenig, als träfe die explizite Gewalt eines Quentin Tarantino auf die aussichtslose Depression eines Lars von Trier.

                  Der Film ist sehr gut - auch was Schauspieler und Handwerk betrifft. Doch an sich ist das schon ganz harter, deprimierender Tobak. Für mich kein Film zum mehrmals schauen.

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                  • 9 .5
                    Jolly1980 01.10.2018, 10:10 Geändert 01.10.2018, 10:15

                    Ein diabolisches, wahnsinniges und herausragend inszeniertes, düsteres Brett von einem Dramathriller im Gewand des wilden Westens. Es ist lange her, dass mich ein Film derart angeekelt, verstört und gleichzeitig total in seinen Bann gezogen hat.

                    Es geht um Tabuthemen wie Kindesmissbrauch, Folter, Mord und Inzest und einen teuflischen Priester der diese Verbrechen unter dem Deckmantel der Kirche begeht.
                    Die Performance, die Guy Pearce hier abliefert ist der absolute Wahnsinn und ich habe schon lange nicht mehr solch einen krassen und bitterbösen Antagonisten in einem Film gesehen. Das Geschehene und Gesehene wirkt sehr lange nach und haben mich doch teilweise ein Wenig verstört und nachhaltig beschäftigt.

                    Verpackt ist das ganze in vier Akte, die nicht chronologisch geordnet sind und den Leidensweg und die Beweggründe der jungen Liz (auch hervorragend Dakota Fannig) nach und nach beleuchten. Tolle aber auch sehr karge Landschaftsaufnahmen, mit einer gewissen Trostlosigkeit, ein sehr düsterer und unheilschwangerer Sound und Musikuntermalung runden das Ganze sehr atmosphärisch und stimmig auf.

                    Ein sehr verstörender Film, mit hervorragenden Schauspielern und einigen Situationen und Bildern die man nicht so leicht vergisst. Berührend und absolut mitreisendes, sehr schwer zu ertragendes, durch und durch böses Drama über die dunkelsten Abgründe der menschlichen Seele.

                    Spoiler:

                    Ich war zwischendurch teilweise sauer und verärgert und im letzten Kapitel kommt endlich die Erlösung auch wenn diese noch einen fiesen und sehr traurigen Beigeschmack hat!

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                    • 9

                      Wer hier einen Western vermutet liegt ziemlich daneben. Lediglich das Setting spielt zu der Zeit, aber der Film ist in Wahrheit eher Drama/Thriller und als solcher funktioniert er richtig gut und wartet mit einigen, sagen wir mal boshaften Wendungen in seinen vier Akten auf. Was sich am Anfang noch als mysteriös darstellt, wird der Folge zu einer Spirale aus Gewalt, Fanatismus und Flucht, anachronisch erzählt. Ein ziemlich starker Film mit einem hervorragenden Cast. Das "Western"-Genre wurde um eine kleine Perle erweitert.

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                        smartbo 22.09.2018, 15:09 Geändert 22.09.2018, 18:43

                        Brimstone erzählt die Geschichte von Liz Brundy (gespielt von Dakota Fanning), einer jungen Frau, die gut hören, aber nicht sprechen kann und darum kämpft, in der Pionierzeit Amerikas im 19ten Jahrhundert zu überleben. Sie lebt mit ihrer Familie in einer calvinistischen Gemeinde in den USA. Das Leben der Familie ist friedlich und harmonisch. Bis ein mysteriöser Pastor (Guy Pearce) die Gemeinde besucht, der sich als religiöser Fanatiker entpuppt und der es offenbar auf Liz abgesehen hat ..........

                        Brimstone ist kein typischer Western, wie es vielleicht die Genrezuordnung suggeriert, sondern vielmehr ein Mix aus Drama und Thriller. In vier Kapiteln enthüllt der Film das Leben der Protagonistin Liz, in dem Unterdrückung der Frauen und Gewalt im Mittelpunkt stehen. Die „nicht chronologische“ Reihenfolge dieser Kapitel ist etwas verwirrend, jedoch geschickt konzipiert und schafft eine geheimnisvolle Atmosphäre. Deshalb wird man als Zuschauer von Anfang an mit vielen Fragen konfrontiert. Warum verfolgt der Pastor Liz? Und wieso kann sie nicht sprechen? . . .

                        Langsam, sehr langsam fügen sich die Puzzleteile im weiteren Filmverlauf zusammen. Meines Erachtens aber zu langsam. Und das ist mein Hauptkritikpunkt, nämlich das zu langsame Erzähltempo. Ein etwas flotterer Handlungsverlauf würde dem Film gut tun und zu einer Kürzung der Filmdauer verhelfen, womit wir bei dem weiteren Kritikpunkt wären, nämlich dass der Film zu lang ist. Was allerdings in diesem Kontext positiv zu bewerten ist, ist dass der langsame Erzählstil keineswegs die auffallend intensive Atmosphäre schmälert, die durchgehend eine enorm starke düstere und fesselnde Wirkung ausstrahlt. Neben dieser beeindruckenden Atmosphäre weiß auch das Setting zu gefallen. So spielt die Handlung meist an abgelegenen Orten und die schönen Naturaufnahmen, die dem Film den Hauch eines Western-Filmes verleihen, bereichern die wuchtige Atmosphäre zusätzlich.

                        Wenn ich den Film mit einem einzigen Adjektiv umschreiben müsste, würde ich „explizit“ sagen. Das bezieht sich auf die Handlung, die keine Implikationen, keine Suggestionen und keine Andeutungen enthält, bei denen der Zuschauer den Verlauf erst erahnen muss, sondern direkt zur Sache kommt. Das gilt vor allem für die Gewalt, die offen und explizit präsentiert wird, so dass der Film zurecht als brutal und partiell grausam bezeichnet werden kann. So ging er mir schon in einigen Filmpassagen ordentlich ans Gemüt. Auf einige Szenen könnte der Film meiner Meinung nach ohne Qualitätsverlust verzichten. Zum Beispiel als ..... mit dem eigenen Darm an einen Zaun angebunden wird. Dennoch bewerte ich diese manchmal zu übertriebene Gewaltdarstellung nicht negativ. Warum? Weil die Gewalt im Film nicht im Mittelpunkt steht, sondern vielmehr in die Handlung eingebettet und ein notwendiger Bestandteil der Story ist. Im Wilden Westen ging es so brutal zu, deshalb ist die ungeschönte Gewaltdarstellung ein Muss und unterstreicht nur die Glaubwürdigkeit des Filmes.

                        Auch der religiöse Ansatz der Handlung ist meinem Empfinden nach ein Pluspunkt des Filmes. So lauten die Titel der vier Kapitel: Offenbarung, Exodus, Genesis und Vergeltung. Die von der Religion akzentuierte Story zeigt auf, wie auffallend ambivalent der Priester in seinem Charakter und Verhalten ist. So beruft er sich ständig auf die Bibel und Gott, ist aber selbst weit davon entfernt, gottesfürchtiges Leben zu führen. Deshalb funktioniert der religiöse Ansatz im Film gut und bereichert ihn, weil die Motive des Priesters unklar blieben, was dem Film eine weitere mysteriöse Note verleiht.

                        Dakota Fanning spielt die Hauptrolle, die sich im Wesentlichen auf Gesten und Mimik beschränkt. Authentisch stellt sie exzellent eine starke Frau dar, die sich im Wilden Westen in einer von Männern dominierten Umwelt behaupten muss. Aber auch Guy Pearce, der den teuflischen Priester spielt, liefert im Film eine ebenfalls brillante Leistung. Das gleiche gilt für den übrigen Cast: Top besetzt. Da gibt es nichts zu meckern.

                        Fazit: Brimstone ist ein düsterer Thriller mit nachhaltiger Wirkung, der unter die Haut geht. Ein echter Geheimtipp, der viel zu unbekannt ist. Von meiner Seite aus eine glasklare Empfehlung. TOP.

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                          derblonde 22.09.2018, 09:12 Geändert 22.09.2018, 09:36

                          Was ist das denn für eine skurrile, wirre und teils falsche Inhaltsangabe hier auf MP!

                          Achtung: Der folgende Text enthält Spoiler.

                          Brimstone ist ein verstörender, feministischer, mitunter gewalttätiger und nihilistischer Western (er könnte auch in einem anderen Umfeld spielen), der den Zuschauer, sobald das Böse die Bühne betritt, nicht mehr loslässt.

                          Die meisten Männer kommen hier nicht wirklich gut weg und die Frauen sind oft Opfer, aber nicht alle lassen sich unterkriegen.

                          Darstellerisch weiß der Film ebenfalls zu überzeugen, allen voran Guy Pearce, als pädophiler, sadistischer, Frauen verachtender Reverend, der vor nichts zurückschreckt und seine Taten unter dem Deckmantel des "christlichen Glaubens" verübt. Auch Dakota Fanning als stumme Mutter sowie Emilia Jones als Joanna (große, gewollte Ähnlichkeit mit Dakota Fanning) trumphen auf. Einzig Kit Haringtons Frisur passt nicht in die damalige Zeit.

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                            Ich hasse es, wenn Menschen anderen sinnloses Leid zufügen und dies dann auch noch anhand der Bibel rechtfertigen wollen und sich als gottesfürchtig darstellen. Das hat allerdings nichts mit Gott zu tun und widerspricht viel mehr seinem Wesen. Das merkt man dann schnell, wenn Verse aus dem Kontext gerissen werden oder falsch zitiert wird und sich letztendlich mit Gott gleichgesetzt wird. Traurigerweise gibt es solche Menschen auch im realen Leben und verbreiten ein falsches Bild vom christlichen Glauben.
                            Es ist sicher gut, dass in Brimstone gezeigt wird, dass es solch kranke Menschen gibt. Wenn aber nicht ein Ausweg gezeigt wird, kann ich einen Film, der solch verstörende Ereignisse schildert, letztendlich nicht wirklich genießen.
                            Brimstone ist an sich ein sehr guter Film. Er hat gute Schauspieler und tolle Bilder und vor allem die eher selten genutzte Erzählweise, die die Geschichte langsam aufschlüsselt, macht die Entwicklung noch spannender. Der Gegenspieler ist allerdings leider einfach nur böse und wird von Szene zu Szene noch krasser und macht vor ganz nichts mehr Halt. Das Ende hätte dann auch nicht mehr sein müssen, es wirkt so, als ob man hier partout kein "happy" end wollte.
                            Brimstone ist eine Empfehlung, ich tue mich allerdings wie gesagt schwer mit auswegloser Ungerechtigkeit.

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                              Filmfreund2015: MovicFreakz 17.09.2018, 12:57 Geändert 17.09.2018, 12:57

                              Ich habe schon lange keinen so unglaublich überragenden Film mehr sehen dürfen und bin immernoch mehr als sprachlos. Der hat mich emotional dermaßen durch die Mangel genommen, dass ich in gewissen Szenen kurz pausieren musste, weil mir das Gezeigte bei Weitem zu nahe ging. Guy Pearce kommt hier mit einer Performance des Jahrhunderts daher und spielt sich damit nach ganz oben in die Riege der authentischsten und beängstigendsten Filmbösewichte. Welch ein abgründiges Schauspiel.

                              Die Atmosphäre ist zu jeder Zeit greifbar, vielleicht mitunter sogar zu greifbar und authentisch. Mir wurde erst mit einiger Verspätung bewusst, dass mir bereits die Tränen kullerten, mir der Atem stockte und sich Gänsehaut breitmachte.

                              "Ich erinnere mich gut an sie. Sie war eine Kriegerin. Ich habe mich oft gefragt, was sie auf dem weg nach unten gedacht hat, ich glaube sie hat an mich gedacht. Ich glaube sie hat gewusst, dass ich eine starke Frau werden würde. Ich erinnere mich gut an sie. Es ist als sei sie immer bei mir gewesen, als hätte sie auf mich aufgepasst und mich beschützt.“

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                                RolfMuller 13.09.2018, 13:40 Geändert 13.09.2018, 13:42

                                Schaut man Guy Pearce hier in die Augen schaut man in einen Abgrund, in einen Schlund der Hölle. In verklärte, aber unbeugsame Tore zu einem Hort des Bösen. Ein Prediger des Guten, der die Guten schlächtet und sich am Leid derer weidet. Der gewaltsam wie ein bluthungriger Wolf physisch und psychisch eindringt in die Lämmer. Alles mit der Unterstützung von Gott. Berufen zu besitzen, zu brechen, zu zerstören. Mit einer unheimlichen, zutiefst erschreckenden Präsenz zieht uns Guy Pearce in seinen Bann und lässt uns nicht los...

                                Episodenartig und zunächst rückwärts erzählt entblättert sich nach und nach die ganze schreckliche Geschichte, in der sich alles verändert, nur das Böse nicht. Regisseur Martin Koolhoven lässt sich Zeit, viel Zeit und baut dadurch eine ungemeine Spannung auf. Der diabolische Blick des Priesters, der ruhig und quälend lang haften bleibt. Die knarzenden Dielen. Das sickernde Blut im Schnee. Endlose Schläge mit dem Gürtel.

                                Das Erleben von „Brimstone“ gestaltet sich selbst zum Martyrium. Ungemein unbequem gestalten sich die 2,5 Stunden. Er packt dich dabei aber so fest und zieht einen dermaßen rein, dass sich abwenden einfach unmöglich ist. „Brimstone“ ist ein von allen Beteiligten verdammt gut gespieltes, packendes, äußerst atmosphärisches und intensives Reißnagelbrett von einem Film, was verdammt weh tut.

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                                  “Dämonen, weiß ich, wird man schwerlich los”

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                                  Das Western-Genre spuckte im neuen Jahrtausend immer wieder fleißig neue Bastarde mit tief hängenden Revolvern und nervösen Zeigefingern auf die staubigen Straßen und Prärien längst vergangener gesetzloser Tage. Dabei blieb es nicht nur beim klassischen Vertreter, sondern Drama, Action, Horror und sogar Science-Fiction wurden immer öfter mit in die gegerbten Satteltaschen gepackt. Auch griffen immer mehr Frauen zu Colt und Winchester, und ließen sich nicht mehr von ihrem gewalttätigen Umfeld ungesühnt verprügeln oder mißbrauchen. Besonders schön finde ich, dass etliche dieser neueren Perlen nicht mal mehr aus den USA kommen, sondern auch andere Länder fantastische Perlen abliefern können. THE SALVATION (Dänemark), DAS FINSTERE TAL (Deutschland/Österreich), SLOW WEST (Neuseeland) und THE PROPOSITION (England/Australien) seien hier mal als gute Beispiele genannt.

                                  Martin Koolhoven reiht sich als Autor und Regisseur nun mit seinem BRIMSTONE (u. a. Niederlande) ebenfalls in die Aufzählungen großartiger nicht US-Western der letzten 20 Jahre ein. Wer hier allerdings mit Wild-West-Romantik und wärmenden Sonnenuntergängen rechnet, wird mit dem Geruch von Schwefel in der Nase hastig aus 2 Salzstangen ein Kruzifix basteln. Aufgeteilt in vier nicht chronologisch platzierte Kapitel erzählt Koolhoven in extrem unbequemen und intensiven zweieinhalb Stunden von Misshandlung, Inzest, Pädophilie, christlichen Fundamentalismus, Selbstbestimmung und Rache.

                                  Koolhoven drehte in Österreich, Deutschland, Ungarn und Spanien ein wirkliches Monster, welches von Anfang an unheilvoll um einen herum schleicht, während man häppchenweise mit Informationen gefüttert wird und die mögliche Geschichte und Vergangenheit der Personen zusammen setzt. Dabei nimmt sich Koolhoven für die Charaktere reichlich Zeit, ohne dass der Film auch nur eine Minute langweilig wird. Die Hauptrolle der jugendlichen und erwachsenen Liz, die durch die Hölle ging und von ihr nicht losgelassen wird, teilen sich Emilia Jones und Dakota Fanning, die hier beide sehr starke Leistungen abliefern. Ein Ausrufezeichen setzt hier jedoch Guy Pearce, der hier als despotischer Pfarrer übelst von der Leine gelassen wird. Extrem diabolisch und wirklich beängstigend, denn die Gewaltszenen sind alles andere als angenehm, manchmal aber so drüber, dass sie schon ein wenig selbstgefällig wirken.

                                  Um die Rechte am Final Cut zu behalten und seine unverwässerte Version des Films auf die Leinwand zu bringen, lehnte Koohlhoven die Angebote der amerikanischen Studios ab und finanzierte seinen Film mit den finanziellen Mitteln europäischer Geldgeber.

                                  BRIMSTONE schleppt man auch nach dem Abspann noch einige Tage mit sich rum, so schnell lässt dieses Psycho-Western-Drama einen nicht gehen, denn es hält nach einem Schnitt durch die Kehle auch noch einen doppelten Boden bereit, auf dem man tanzen oder einbrechen kann. Sofern man als Gerechtigkeits-Fanatiker nicht schon längst am ranzigen Strick der Ungerechtigkeiten baumelt. Abgründig . . .

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                                    Kenduskeag 06.09.2018, 11:51 Geändert 06.09.2018, 11:57

                                    Mit "Brimstone" ist Regisseur Martin Koolhoven ein ebenso hartes wie packendes Westerndrama gelungen. Unterteilt in vier etwa gleichlange Akte, die sich an biblischen Begriffen orientieren, entwirft er ein verschachteltes Epos, das sich irgendwo zwischen der Bildsprache eines Sergio Leone und der Erzählkunst Tarantinos bewegt. Durch seine offen feministische Botschaft hebt sich Koolhovens Film jedoch erkennbar von seinen Vorbildern ab.

                                    Die junge Liz (Dakota Fanning) ist stumm und kann sich folglich nur mittels der Gebärdensprache mit ihren Mitmenschen verständigen. Als Hebamme, die mit einem älteren Witwer verheiratet ist, führt sie ein arbeitsreiches, aber friedliches Leben. Das Auftauchen eines geheimnisvollen Priesters (Guy Pearce) in ihrer Gemeinde setzt jedoch schon bald eine Spirale der Gewalt in Gang, der auch Liz und ihre Familie nicht entkommen können...

                                    "Brimstone" fühlt sich an wie ein brutaler Schlag in die Magengrube, der auch nach Tagen noch schmerzt. Die humorlose wie raue Erzählung vermag durchgängig zu fesseln, visuell reicht die Bandbreite von schäbigen Wüstenkaffs bis hin zu eindrucksvollen Schneelandschaften. Die vier Akte weisen einige Unterschiede auf und fügen sich dennoch letztlich zu einer stimmigen Gesamtgeschichte. Trotz seines großen Dramaanteils bietet der Film dabei auch eine gute Portion westerntypischer Action. Die Charaktere sind stark ausgearbeitet, die Musik ist unaufdringlich, aber passend. Die wendungsreiche Geschichte gepaart mit der grimmigen Atmosphäre erreicht schon bald einen enormen Sog, einige Suspense Momente kostet Koolhoven gar bis kurz vorm Nervenzerfetzen aus.

                                    Der Cast von "Brimstone" weiß durchweg zu überzeugen. Dakota Fanning meistert die Herausforderung, aufgrund der fehlenden Stimme ihrer Figur größtenteils auf ihre Mimik angewiesen zu sein, mit Bravour. Auch die weiteren Darsteller um Kit Harington, Carice van Houten und Emilia Jones liefern rundum souveräne Leistungen. Das größte Lob gebührt allerdings Guy Pearce - was er als grausamer Reverend, der längst vom rechten Pfad abgekommen ist, hier abliefert, ist überragend. Er allein trägt schon dazu bei, dass permanent eine diabolische Aura auf den Geschehnissen lastet.

                                    "Brimstone" ist ein schnörkel- und kompromissloser Abstieg in die Tiefen der Hölle. Ein intensives wie bildgewaltiges Epos über Selbstbestimmung und Ungleichbehandlung, religiösen Fanatismus und blanken Rachedurst, Auflehnung und Erlösung.

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                                      "Das war vielleicht nicht die Beste Wahl für einen gemütlichen Sonntagnachmittag..."
                                      (-meine Freundin nach dem Film)

                                      Stimmt, trotzdem ein großartiger Nierenschlag von Film mit einem herrlich verabscheuungswürdigen Guy Pearce.

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                                        Andron 02.09.2018, 22:23 Geändert 02.09.2018, 23:31

                                        Intensives, düsteres Drama in vier Akten im ausgehenden 19. Jahrhundert des amerikanischen Westens, ohne aber ein (typischer) Western zu sein.

                                        Für Leute welche auch z.B. Streifen wie "There will be Blood" gut fanden, auch wenn er dessen Qualität nicht ganz erreicht.

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                                            EudoraFletcher68 25.08.2018, 23:55 Geändert 26.08.2018, 11:11

                                            Das war ein ganz fieser und gemeiner Trick, mich mit Louisiana zu diesem Film hin zu locken, der einem so brutal unter die Haut geht und der noch dazu gar nicht in Louisiana stattfindet. Ich denke nicht, dass dort auch nur eine einzige Szene gedreht wurde! Schneien tut es da mit Sicherheit so gut wie nie. Grummel.
                                            Obwohl es sicherlich viele Filme gibt, die viel mehr explizite Gewalt zeigen habe ich gelesen, dass „Brimstone“ für die Gewaltdarstellungen kritisiert wurde, das kann ich nicht nachvollziehen. Heutzutage hat man doch viel mehr Exzesse gesehen.
                                            Ansonsten ist das sowohl ein Film über Resilienz und Stärke einer jungen Frau, die ziemlich viel durchmachen muss, als auch....


                                            Anfang Handlungsspoiler (hier sollte man nicht weiter lesen, wenn man den Film noch ansehen will)

                                            .... über Täter-Opfer-Dynamiken und den Prozess der Identifikation mit dem bzw. der Introjektion des Aggressor/s. Dass die Hauptprotagonistin es dem Täter nach der Ermordung ihres Mannes ermöglicht, auch noch ihren Stiefsohn und ihren Schwiegervater abzumurksen verstehe ich als Ausdruck der verinnerlichten Destruktion. Will sagen, sie hat die langjährigen Misshandlungen und Grenzüberschreitungen verinnerlicht und kommt aus der Dynamik nicht mehr raus, obwohl sie es unbedingt möchte. Mein tägliches Geschäft mit Opfern innerfamiliärer Gewalt ist es, daran zu arbeiten, den Betreffenden bewusst zu machen, an welchen Stellen, sie mit dem Täter identifiziert sind und sich entweder selbst erneut zum Opfer machen oder eben andere – ohne dass sie das bewusst natürlich wollen. Interessant auch, dass es der Protagonisten nicht gelingt, den Täter zu zerstören, in den Momenten, in denen es den Anschein hat, als ob sie eine Chance gegen ihn hätte. Als es ihr schließlich gelingt, ihn zu vernichten, wirkte es so auf mich, als hätte er da nur noch in ihrer Fantasie existiert (weil er sich völlig widerstandslos verbrennen lässt), was bedeuten würde, dass die ganze Geschichte ab dem Zeitpunkt, als er sie in ihrem neuen Leben als Ehefrau heimsucht, sich möglicherweise nur in ihrer Fantasie abgespielt hat. Entsprechende hatte ich mich schon eine ganze Weile zuvor gefragt, warum er nicht von ihr ablassen will. Klar kann man sagen, weil er sonst schon alles in sich und um sich herum zerstört hat, aber man könnte auch sagen, weil er eben in ihr ist und überall dort wo sie ist, ist er deshalb auch. Eine Weile ist es ihr vielleicht gelungen, ihn beiseite zu schieben, so gelingt es Missbrauchsopfern auch in der Realität, aber der verinnerlichte Täter ist immer ganz nah bei Ihnen. Das würde bedeuten, dass sie dann letztlich selbst ihre neues Leben zerstört hat (weil sie noch nicht von ihrem alten getrennt war). Und das würde auch erklären, warum der Täter so ein fieses Schwein ist, das man hassen muss (Heckenritter) - so sieht es in der inneren Welt der Opfer aus, man nennt es Spaltung (es gibt nur noch "nur böse" oder "nur gut").
                                            Die Beziehungsdynamik zwischen Täter und Opfer insgesamt finde ich schlüssig dargestellt.
                                            Ausgezeichnet auch, wie hier gezeigt wird, dass man seiner Geschichte nicht entkommen kann, dass diese einen auf die ein oder andere Art einholt. Auch das mein täglich Brot mit Patienten, die ihre Therapie abbrechen wollen, in der Hoffnung, dass sie so ihre vermeintlich unerträglichen Gefühle loswerden könnten. Es gibt ja Menschen, die soweit gehen ihre Eltern umzubringen, in der Hoffnung sie dann endlich los zu sein, was aber gar nicht hilft, da in der Regel die Eltern von heute nicht dasProblem sind, sondern die Eltern von damals. Und manche bringen sich auch selbst um, entweder direkt oder indirekt indem sie gesundheitsschädigende Stoffe zu sich nehmen, sich fett fressen, sich gewalttätige Partner aussuchen oder sich halt sonstwie gefährden.

                                            ENDE Handlungsspoiler

                                            Wahrscheinlich bin ich die einzige, die den Film auf diese Weise interpretiert....

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                                            • 7 .5
                                              Heckenritter 25.08.2018, 00:02 Geändert 25.08.2018, 00:59

                                              Unbestreitbar gehört Brimstone zu den intensivsten Erlebnissen,
                                              das man sich zur Zeit unter den neuen Releases antun kann. Nach
                                              dem ersten der vierten Akte fühlte ich mich bereits völlig
                                              ausgewrungen und zutiefst mitgenommen. Im Spiegel blickte mich
                                              das Gesicht eines Trauerkloß an. Dabei nimmt das Martyrium Dakota
                                              Fannings in der cleveren Erzählstruktur erst seinen Anfang. Unbestreitbar
                                              ist ebenfalls die Notwendigkeit einer fatalistischen Ader für dieses
                                              Westerndrama, vom Regen in die Traufe würde bestenfalls den Anfang
                                              umschreiben dieser Flucht vor der gruseligsten Rolle in Guy Pearce
                                              Karriere. Erstaunlich ist Martin Koolhovens nahezu makellose Versiertheit
                                              mit dem Geld aus fünf europäischen Filmproduktionen Hollywoods
                                              Qualitätsvorsprung schmelzen zu lassen, wie frisch gefallener Schnee.
                                              Vom Händchen für die Darsteller bis zu den Kulissen ist in allen Belangen
                                              von einem "Holland-Western" nichts zu spüren. Geradezu genial erhellen
                                              die Akte in der Vergangenheit die Handlung, die Figuren, ihre Motive und
                                              den spannenden Leidensweg, von dem ich erst gar nicht fassen konnte,
                                              was ihm noch für eine fürchterliche Vorgeschichte zu Grunde liegt im
                                              Patriarchat des Wilden Westens. Selten ist es mir passiert, eine Filmfigur
                                              tatsächlich zu hassen wie den Bibelfaschisten-Reverend, der sich für
                                              den Vollstrecker biblischer Gerechtigkeit hält, und eine Rolle so sehr
                                              zu bemitleiden wie die stumme Geburtshelferin Liz. Der Knackpunkt
                                              ist einzig und allein die Auskostung gewisser Szenen, für die ich zum
                                              großen Teil Verständnis aufbringen kann, auch wenn weniger
                                              das gleiche Ergebnis erzielt hätte. Wer an diesen expliziten Szenen
                                              ernsthaft seinen Spaß hat, sollte besser den Medienkonsum in den
                                              nächsten zehn Jahren um 90 Prozent reduzieren.

                                              Stellt sich jetzt die Frage, inwieweit mit Holländern tatsächlich etwas
                                              nicht stimmt und was einen hervorragenden Film auszeichnet. Es geht
                                              nicht um Härte oder Brutalität, Koolhoven erspart einem die Sicht
                                              seiner Protagonisten nicht und kostet z.B. einen Mord mit dem
                                              Bowiemesser ebenso aus, wie er alles in der Ruhe und Beharrlichkeit
                                              auskostet, die Figuren zu beobachten. Jemanden mit dem Strick
                                              nur durch die Kraft der Arme zu erdrosseln, ist harte Arbeit und dauert
                                              eine Weile. Der Reverend ist ein Sadist, der sich zudem noch im Recht
                                              fühlt und ich musste unweigerlich an Paul Verhoevens klugen Film
                                              "Black Book" denken. "Ja, das verstehe ich." ist schnell gesagt und geht
                                              meistens an der Realität vorbei, weil die Menschen es dazu nachfühlen
                                              müssten. In Brimstone geht es um ganz kurze Abschnitte etwas
                                              mitzuerleben, das einige quälende Sekunden zu lange dauert. Da wird
                                              man genau an diesem Punkt erwischt, an dem man wirklich beginnt
                                              zu verstehen und nachzufühlen, Koolhoven meint es ernst damit.
                                              Erniedrigung, Ausgrenzung, Strafe, Trauer, Gewalt. In der Summe
                                              gibt es bei zweieinhalb Stunden davon zuviel, insofern ist es leicht
                                              nachvollziehbar, warum Brimstone als lächerlich wahrgenommen
                                              werden kann. Mich hat am schwersten getroffen, Dakota Fanning
                                              in ihrem Rüschenkleid mit einem Maulkorb aus Metall anzusehen,
                                              der krasseste Arschtritt des maskulinen Glory-Westerns den man
                                              sich vorstellen kann. Da schämt man sich glatt für das eigene
                                              Geschlecht, denn der Reverend ist nur der Schlimmste in einem
                                              Jahrhundert, in der eine Frau nur als kämpferische und aufopferungs-
                                              willige Natur optimistisch in die Zukunft blicken kann. In einer
                                              Erzählung für das Kino geht es um hören, sehen, fühlen, erleben,
                                              in der Hinsicht zeigt sich Brimstone geradezu meisterlich, Liz
                                              Martyrium bis zum Innenleben der fast belanglosen Rolle ihres
                                              Stiefsohnes zu übertragen. Intensives mitfühlen wird erst leichtgemacht
                                              und später eingefordert, lösen kann man sich von der sehr starken
                                              Regiearbeit dann nur noch schwerlichst.
                                              Zu Black Book gingen die Kritiker auf die Barrikaden, weil Carice van
                                              Houten sich im Kot wälzen musste, durch Nazis gedemütigt. Wie
                                              will man denn begreifen, was die Unterdrückung vor der eigentlichen
                                              Gewalt der Nazis denn bedeutete, wenn man diese Sekunden nicht
                                              aushalten kann?! Man sagt zwar, das man sowas versteht, in diesem
                                              Moment merkt man aber erst, das man es doch nicht verstanden hat.
                                              Brimstone hat keine Botschaft zu vermitteln, die bei 50 Minuten
                                              weniger Laufzeit oder weniger schwer erträglichen Szenen genauso
                                              funktionieren würden. Insofern ist die Odyssee stellvertretend für
                                              alle Frauen übertrieben. Die Wirkung ist beeindruckend und lässt
                                              einen getroffen zurück, genau das sollte ein herausstechendes
                                              Drama auch schaffen, einen richtig mitnehmen und zum Abspann
                                              betroffen ausspucken. Das nächste mal vielleicht die holländische
                                              Art der provokanten Auswalzung bei der Wahl des Stoffes links
                                              liegen lassen, dann klappt es auch mit der äußerst wählerischen
                                              Mia Wasikowska für die Hauptrolle. Mit 50 Regisseuren eines
                                              Schlages von Martin Koolhoven würde ich zwangsläufig auf viele
                                              amerikanische Filme verzichten. Auch das ist unbestreitbar.

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                                              • 8
                                                Realizator 22.08.2018, 17:55 Geändert 22.08.2018, 19:12

                                                Harter, guter Western. Über zwei Stunden lang und interessant vom Anfang bis Ende

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                                                  Guter Film, fieser Bösewicht.

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                                                    1. Großartiger Look des Films.
                                                    2. Mir gefiel die Erzählweise. War teilweise aufgebaut wie eine Geschichte aus einem Buch.
                                                    3. Schauspielerisch auf ganz hohen Niveau. Wirklich tolle Cast.
                                                    4. Einige Szenen waren wirklich brutal. Trotz der niedrigeren Alterseinstufung.
                                                    5. Von Szene zur Szene wird es immer heftiger.
                                                    6. Mann fühlt wirklich mit und entwickelt einen riesen Haß gegen den Reverend.
                                                    7. Über das Ende lässt es sich streiten. Aber der Film überzeugt bis zum Ende mit einer krassen Story. Daher....
                                                    8. Es kommt keine Langeweile auf.
                                                    9. Tolles Western-Drama mit einigen blutigen Elementen.

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