Wonder Woman und das Warten auf Gal Gadot

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Hält sich jung mit Coming-of-Age-Filmen.

Die Wonder Woman-Regisseurin Patty Jenkins konnte mit der Darstellerin, die Warner Bros. ihr vor die Nase gesetzt hatte, wenig anfangen. Das war, wir mögen es kaum glauben, vor einer kleinen Ewigkeit im Dezember 2013 und Patty Jenkins bewertete das Gal Gadot-Casting damals noch aus der Perspektive eines Fans, sie hatte als Mädchen Wonder Woman-Comics gelesen. Das Herz sei ihr in die Hose gerutscht, als sie aus den Nachrichten von der Gadot-Besetzung erfuhr, Jenkins erwog deshalb gar, die letztlich geglückten Verhandlungen um den Regie-Posten abzubrechen, verriet sie im Vorfeld der Wonder Woman-US-Premiere dem Playboy. Das sind Sätze, die man jetzt und in dieser Härte nur mit dem Wissen formulieren kann, dass letztlich alles besser gekommen ist als erwartet. Denn heute sagt Patty Jenkins über Gal Gadot auch Dinge wie: "Die Tatsache, dass sie Gal gefunden haben, ist ein magisches Geschenk." Gal Gadot selber wusste gar nicht, dass sie für Wonder Woman vorsprach, während sie für Wonder Woman vorsprach. Sie wollte die Rolle erst, als sie sie hatte. Und das Publikum wollte Gal Gadot erst als Wonder Woman sehen, als sie es schon längst war. Es war wie bei Harry Potter, nur andersherum: Die Rolle suchte sich den Zauberstab aus, nicht der Zauberstab die Rolle.

Vor Wonder Woman war Gal Gadot eine von vielen Schauspielerinnen, die sich mit durchaus passablem Erfolg in Hollywood versuchten, die sich aber, wenn sich der nachhaltige Filmstar-Durchbruch nicht zwischen den Lebensjahren 25 bis 30 eingestellt hat, ernsthafte Fragen zur beruflichen Zukunft stellen müssen. Gal Gadot hatte vor Wonder Woman eine recht lückenhafte Filmkarriere vorzuweisen, die größte Station war ihre Ensemble-Rolle im aufblühenden Fast & Furious-Franchise. Dann erfasste sie die Superheldenwelle, die jetzt nach längerer Pause mal wieder die Marktverträglichkeit weiblicher (und schwarzer) Helden in Hauptrollen testen will.

Es ist dem Geistesblitz eines kühlen Casting-Prozesses, wie sie Tentpole-Produktionen eben pflegen, zu verdanken, dass Gal Gadot als Wonder Woman jetzt derart warme Sympathien entgegen wehen. Das kannten wir eigentlich nur von Robert Downey Jr.s Einführung ins MCU mit seinem ersten Iron Man-Auftritt. Dass es auch mit Gal Gadot so kommen würde, schien lange ausgeschlossen. Wie Patty Jenkins hat kaum jemand Gal Gadot diese Rolle vom ersten Moment an zugetraut. Die Wonder Woman-Fans hätten wie Jenkins eher ein All-American-Girl in der Rolle gesehen. Ihr Gesicht war vielen zu weich und zu süß, anderen war sie zu wenig amerikanisch, hatte zu wenig Busen und zu dünne Arme, befanden Kritiker und Fans ganz sachlich. Um trotzdem zu einer geliebten Wonder Woman zu werden und der Superheldin, auf die alle gewartet haben, musste Gal Gadot nichts davon widerlegen.

Seit Mitte Mai ist die Filmwelt Amerikas Wonder Woman und Gal Gadot verfallen. Das Publikum und die Kritiker lieben ihre Zugänglichkeit. Es liebt, dass Gal Gadot in Interviews vor Chris Pine dahin schmilzt, dass sie Mutter ist und dass Kindergartenkinder Gal Gadot lieben. Es liebt, dass in ihrem Stirnrunzeln die Güte einer Göttin liegt, die über die Menschen (und Männer) mit Milde richtet. Es liebt, wie Gal Gadot als Wonder Woman allein mit dem Heben ihrer rechten Augenbraue Strenge und Belustigung über ihren Schützling Steve Trevor (Chris Pine) und die ganze Männerwelt ausdrückt. Es liebt, wie Gal Gadot ihre Wonder Woman mit der Neugier einer schnüffelnden Katze die (von Männern beherrschte) Welt erkunden lässt und ihre Verärgerung über die Frechheiten des Patriarchats von Verständnislosigkeit aufgeplustert artikuliert. Es liebt den humorvollen Eifer, mit dem Gal Gadot ein über siebzig Jahre altes feministisches Symbol ins moderne Blockbusterkino einführt. Es liebt ihre Inbrunst in den atemberaubenden Actionszenen und ihre aufrichtige Lust am Ausdruck der Vielschichtigkeit einer mythischen Comic-Figur.

Aus der ganzen positiven Kritik spricht dabei eine seufzende Erleichterung. Wonder Woman selbst ist ein Superhelden-Film, der sich wie eine Befreiung anfühlt - für Frauen in Superheldenfilmen und Superheldenfilme im Allgemeinen (viele würden sagen DC-Filme im Speziellen). Die eingelösten Hoffnungen betrafen aber auch die Figur selbst, deren Verkörperung Gal Gadot pflichtschuldig antrat wie ein öffentliches Amt.

Denn Wonder Woman ist nicht irgendeine DC-Figur, sie ist ein Drittel des großen DC-Dreiecks, das gemeinsam mit Batman und Superman die Comic-Krise in den 1950ern überstand. An Wonder Woman sind Erwartungen geknüpft, auch körperliche, und so musste sich Gal Gadot nach ihrem Casting unangenehme Fragen gefallen lassen ("Wonder Woman hat Kurven, wirst du sie auch kriegen, und was ist mit deinen Brüsten?"). Gal Gadot trainierte, baute ihre ohnehin vorhandene Athletik und ihre Kampffertigkeiten aus, die sie aus ihrer Zeit bei der israelischen Armee bezieht. Und sie behielt ihre Brüste, denn, wenn es die Kritiker ganz genau nehmen würden, müsste sie sich ja eine Brust amputieren lassen, wie bei Amazonen üblich, sagt Gal Gadot.

Mit dieser klugen Gelassenheit bestritt Gal Gadot die lange Zeit vom Dezember 2013 bis heute. Die Skepsis im Publikum wich Akzeptanz und wurde bald darauf zu uneingeschränkter Zuneigung. Aus einer zufälligen Zweck-Gemeinschaft wurde in den dreieinhalb Jahren seit dem Casting eine magische Symbiose. Schon seit ihrem Auftritt in Batman v Superman rumorte es, Gal Gadots Wonder Woman sei das Beste an dem Film. Damals klang das noch so, als wollten Fans wie Kritiker mit der Großzügigkeit, mit der man einem Außenseiter begegnet, den Underdog pushen, auch um die hart gelandeten Batman und Superman abzuwerten, was zumindest Ben Affleck so richtig traf.

Seither ist sie noch weiter in die Rolle reingewachsen und auch in der Öffentlichkeit mit ihr verschmolzen. Jetzt startet Wonder Woman in Deutschland und Gal Gadot hat mit der hinreißenden Interpretation ihrer Figur eine Akzeptanz erreicht, die ihr viele Möglichkeiten eröffnet. Sie könnte mit der Rolle der Wonder Woman verwachsen, wie es Hugh Jackman mit Wolverine geschah und Christopher Reeve mit Superman. Und das Genre braucht sie so dringend. Noch viel wichtiger ist aber, dass Gal Gadots Wonder Woman so beliebt ist, dass sie mit ihr sogar mal scheitern dürfte. Auch das Scheitern muss heldenhaften Frauen im Kino erlaubt sein. Dieser Probe muss sich aber weniger Wonder Woman unterziehen als das Mainstream-Kino. Gal Gadot wird ihre Wonder Woman mit Schild, Charme und Schwert (und Lasso) verteidigen.

Was haltet ihr von Gal Gadot und ihrer Wonder Women-Interpretation?

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