The Collection - Modische Familiensaga mit Richard Coyle im Pilot-Check

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Update, 12.06.2017: Unseren Pilot-Check zu The Collection haben wir bereits im vergangenen Jahr anlässlich der internationalen Premiere auf Amazon UK geschrieben. Nun ist die Dramaserie auch in Deutschland auf RTL Crime angelaufen.

Am Anfang stand der Tod. Die erste Eigenproduktion des britischen Amazon, die Familiensaga The Collection, führt ihre Geschichte in ihrem am vergangenen Freitag veröffentlichten Pilot The Deal mit einer Leiche ein und bleibt ihrer früh etablierten Ausgangslage gleich in mehrfacher Hinsicht treu.

Die Handlung ist im Paris des Jahres 1947 verortet und arrangiert das Modehaus der Familie Sabine als Dreh- und Angelpunkt ihrer Ereignisse. Besonders die schon in der ersten Folge sichtbare Rivalität zwischen den Brüdern Paul (Richard Coyle) und Claude (Tom Riley) verspricht zunächst Spannung, und vor dem Hintergrund des ausgewählten Schauplatzes den frischen Wind der französischen Modewelt, die sich in ihrer Wiederauferstehung begriffen befindet. Um einen wichtigen Deal für sich zu gewinnen und sich als Speerspitze des neuen modischen Esprits zu positionieren, ist Paul auf die Hilfe seines brillanten, aber unbeständigen Bruders angewiesen, der als wahres Genie hinter dem Unternehmen steht.

Dass dieser auf Grund seines Lebensstils unerkannt bleiben soll und die Serienmacher um Schöpfer Oliver Goldstick (Pretty Little Liars) an weiteren Konfliktherden zündeln, die drohen, auf die restlichen Familienmitglieder überzuspringen, ist der Stoff für ein facettenreiches Epos, wenn es sich nur nicht so früh als triste Collage einer dilettantischen Inszenierung und erzählerischen Formelhaftigkeit enthüllen würde.

Paris, die tote Kulisse

Den Beginn einer Geschichte, sei es nun der eines Films oder einer Serie, mit einem Ausblick eines irgendwie gearteten Todesfalls einzuläuten, hat sich als zeitgenössische Gewohnheit festgesetzt, die in ständiger Wiederholung nur noch selten von wahrer Stilsicherheit zeugt - die 1. Staffel von Bloodline aus dem Hause Netflix bildete mit seinem gekonnt ausbalanciertem Spiel aus Ausblick und Auflösung eine erfreuliche Ausnahme. The Collection daher von vornherein und ohne Wissen um die Fortführung der Handlung zu verteufeln, wäre anmaßend. Mit Blick auf die Umsetzung der Pilotfolge allerdings weicht diese Anmaßung einem wenig hoffnungsvoll stimmenden Gefühl.

Denn die Inszenierung dieses zunehmend zu seiner pulsierenden Lebendigkeit findenden Paris nach den Gräueln des Zweiten Weltkriegs zersetzt sich im Angesicht einer krankenhausreifen Sterilität. Das Treiben auf den Straßen erscheint jederzeit als ein einstudiertes der Komparsen, wobei die saubere, detaillose Kulissenhaftigkeit stets daran erinnert, dass ein Studio für den Versuch einer historischen Illusion herhalten musste. Da erscheint es als geradezu ungewollt komische Selbstreferenz, dass der von Max Deacon (Storm Hunters) verkörperte, ambitionierte Jungfotograf Billy vom Time Magazine fortwährend Fotos schießt, um das Treiben der französischen Hauptstadt neben seinem eigentlichen Auftrag, der Illustration eines Berichts über das Modehaus Sabine, zu dokumentieren.

Figuren wie aus einem Puppenhaus

Zu dieser offensichtlich hervortretenden Scheinheiligkeit einer Illusion drängen sich noch weitere filmische Unzulänglichkeiten auf, die sich immer wieder als Erzfeind der beabsichtigten Atmosphäre aus bitterem Ernst und Pariser Lebensgefühl offenbaren. So geschieht es z. B. ein ums andere Mal, dass für Szenenübergänge klar ersichtliche Anschlussfehler hingenommen werden. In einem Streit zwischen den beiden Brüdern etwa führt dies dazu, dass der gerade noch vom aufgebrachten Paul in einer Badewanne unter das aufpeitschte Wasser gedrückte Claude sich im nächsten Augenblick in einem zur Gänze beruhigten Bad wiederfindet, was selbst Zuschauern auffallen wird, denen ansonsten der Blick für solche "Details" abgeht.

Es könnte als Flüchtigkeitsfehler abgetan werden, wenn sich dieser unbeholfene Scheuklappenblick der Regisseurin Dearbhla Walsh (Borgia) nicht konsequent durch den Piloten von The Collection ziehen würde.

Nur eine dynamische Figurenkonstellation wäre dazu befähigt, dem noch ein ausgleichendes Gegengewicht gegenüberzustellen. Doch entblößen sich die Charaktere in der knappen Stunde von Episode 1 als von aller Lebendigkeit verlassene Hüllen, die einer sehr schulbuchartigen und somit biederen Auslegung von wirksamem Storytelling folgen. Dem zwischen Erfolgsdruck und Familie stehenden Richard Coyle (Crossbones) als Paul kommt da noch die größte Ambivalenz zu, wohingegen dem Rest des Ensembles Rollen zugestanden werden, die nicht über Stichwortgeber-Niveau hinauskommen. Sei es Bruder Claude, der als stereotypisierter Künstlertypus daherkommt, seine Frau Helen (Mamie Gummer), die nur dem Selbstzweck des dramatischen Konfliktes wegen zugegen zu sein scheint oder der junge Fotograf Billy, welcher als unbefleckter Außenstehender vermutlich vor Dilemmata gestellt werden wird, je enger sein Kontakt zur Sabine-Familie wird.

Der ersten Eigenproduktion von Amazon UK könnte so schon die Luft ausgegangen sein, bevor sie überhaupt einen vollen Atemzug im hitzigen Serien-Dschungel nehmen konnte.

Der Pilot von The Collection wirft mehr Schatten als Licht für das Folgende voraus, wenngleich abzuwarten bleibt, wie sich vor allem die Verhältnisse innerhalb des Modehauses und der Familie Sabine verschieben. Ebenso unklar ist, ob die öde Sauberkeit des Auftakts beibehalten wird oder sich diese sogar noch als gewolltes Stilmittel dem grundsätzlich vorhandenen Potenzial einer dreckig kämpfenden Familie gegenüberstellt.

Das bisher Gezeigte zumindest macht wenig Anstalten, die Frage zu verneinen, ob diese Kollektion nicht schnell wieder in den Tiefen des digitalen Kleiderschranks verschwinden sollte.

Werdet ihr The Collection eine Chance geben?

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