Sweet/Vicious ist das brutale Tote Mädchen lügen nicht

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Sweet/ Vicious
18.10.2018 - 14:00 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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In Sweet/Vicious nehmen zwei Studentinnen die Justiz selber in die Hand und rächen sich an Vergewaltigern. Lest hier, warum ihr euch die MTV-Serie unbedingt vormerken solltet.

Zurzeit findet bei uns der Angst, Schrecken, Panik - Horror-Monat statt. Im Rahmen dessen haben wir einen Artikel veröffentlicht, der sich mit dem Rape-and-Revenge-Konzept beschäftigt. Das brachte mich auf die Idee euch in meinem Herz für Serie die viel zu unbekannte und unterschätzte MTV-Serie Sweet/Vicious vorzustellen, die sich mit genau diesem Thema beschäftigt.

Worum geht es in Sweet/Vicious?

Jules Thomas (Eliza Bennett) ist eine ganz normale junge Studentin, bis sie eines Tages von einem Freund vergewaltigt wird und sich für sie schlagartig alles ändert. Die zuständigen Behörden an der Universität wollen ihr keinen Glauben schenken. Da sie etwas gegen die sexuelle Gewalt an Frauen an der Uni tun möchte, jedoch auch noch nicht dazu bereit ist, sich ihrem eigenen Peiniger zu stellen, versucht sie andere Mädchen vor dem, was ihr zugestoßen ist, zu beschützen und solche Verbrechen zu verhindern. Aus diesem Grund macht sie Jagd auf Vergewaltiger, die sich auf dem Campus rumtreiben. Dabei erhält sie Unterstützung von der mürrischen und rebellischen Hackerin Ophelia Mayer (Taylor Dearden, die Tochter von Bryan Cranston) und die beiden formen von nun an ein ungleiches Duo.

Sweet/ Vicious

Bei Sweet/Vicious ist der Name Programm

Bei Sweet/Vicious kommt der Name in zweierlei Hinsicht zum Tragen. Zum einen ist die Serie selber mal süß und mal brutal. Zum anderen trifft dies auch auf die Protagonistin Jules Thomas zu. Durch ebendiese Darstellung liefert die Serie nicht nur beste Unterhaltung, sondern bietet uns auch einen tiefgründigen Einblick in dieses ernste und tragische Thema.

Die MTV-Produktion wartet trotz ihres schwer verdaulichen Themas mit einer unglaublichen Leichtigkeit auf, die ich sehr zu schätzen wusste. Denn so widmete ich mich diesem äußerst wichtigen und aktuellen Thema, dem ich mich ansonsten aufgrund seiner Schwere eventuell entzogen hätte. Immer wieder werden uns Momente der Freude zwischen Jules und Ophelia gezeigt, die uns demonstrieren sollen, dass Jules trotz des Vorfalls und den damit einhergehenden psychischen Problemen die Lebensfreude nicht verloren hat und sich nicht davon herunterziehen lässt. Diese Szenen sind mit viel Humor gespickt, sodass nicht nur die zwei Figuren, sondern auch wir viel zu lachen haben - eine für mich äußerst willkommene Abwechslung in der ansonsten ziemlich düsteren Serie.

Doch wie ihr euch wahrscheinlich schon vorstellen könnt, ist Sweet/ Vicious nicht nur rosarot. Jules spricht auf schonungslose Art darüber, was die Vergewaltigung mit ihr angestellt hat. In den ruhigen Momenten werden uns die Zweifel, die Ängste, die Probleme, die Sorgen von Jules dargestellt. Zudem folgen darauf schmerzhafte und zutiefst traurige Momente - Szenen der totalen Brutalität, in denen Jules ihren vorher angesprochenen Gefühlen - ihrer schieren Verzweiflung und Wut - freien Lauf lässt. In Momenten wie diesen erinnert die Dramedy stark an Formate des Rape-and-Revenge-Genres.

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Diese Szenen sind fast noch schwerer mitanzusehen als die, in denen uns Jules von ihrem Gefühlszustand berichtet, da uns hier das volle Ausmaß ihres psychischen Schadens vorgeführt wird. So oder so: Mir gingen sowohl die gefühlvollen als auch die brutalen Szenen nahe und ließen mich auch nicht mehr so schnell los. Dadurch musste ich noch lange Zeit, nachdem ich die Serie beendet hatte, über das Thema Vergewaltigung und dessen Auswirkungen nachdenken.

Wie bereits vorher angesprochen bezieht sich der Titel Sweet/Vicious jedoch nicht nur auf die Serie, sondern auch auf die Protagonistin Jules. Diese erscheint auf den ersten Blick wie ein süßes All American Girl. Das war sie auch bis zu ihrer Vergewaltigung. Diese Süße und auch die damit einhergehende Unschuld wurde ihr jedoch genommen. Jules kann sich nicht mehr als dieses süße Mädchen wahrnehmen bzw. möchte es nicht mehr zulassen, dass sie so ist und so von anderen gesehen wird. Durch die Wut, die sie in sich trägt, wird sie zu der "bösartigen" Jules, die nachts Frauen belästigende Männer attackiert. So zeigt uns der Titel nicht nur die zwei Seiten von Jules - die die andere wahrnehmen und wie sie wirklich ist -, sondern auch wie sich eine Frau durch solch einen Vorfall verändern kann.

Sweet/Vicious - Ein gelungener Balance-Akt zwischen Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit

Meiner Meinung nach ist der Spagat, den Sweet/Vicious versucht, das was die Serie so andersartig, besonders und sehenswert macht. Im ersten Moment konnte ich mir zwar nicht vorstellen, dass diese überaus verschiedenen Elemente miteinander vereinbar sind, doch die Serie bewies mir, dass ich falsch lag. In Sweet/Vicious wirken der Humor, die gefühlvolle und die schonungslose Art, mit der dieses überaus wichtige Thema adressiert wird, beinahe wie Yin und Yan aufeinander. Sweet/Vicious ist ein gelungener Balance-Akt, der einem dieses Thema auf einzigartige Weise vermittelt.

Kennt ihr bisher Sweet/Vicious?

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