Sully - Das sagen die Kritiker zu Clint Eastwoods Drama mit Tom Hanks

Sully mit Tom Hanks
© Warner Bros.
Sully mit Tom Hanks

Mit Sully kommt heute eine der spektakulärsten Heldentaten der jüngeren Vergangenheit in die deutschen Kinos. Clint Eastwood verfilmt die Geschichte des erfahrenen Piloten Chesley Sullenberger, dessen Flugzeug kurz nach Start in einen Gänseschwarm gerät. Beide Triebwerke fallen aus, bevor das Flugzeug die nötige Höhe gewinnen kann, um sicher zum Flughafen zurückzukehren. Sullenberger, kurz Sully genannt, trifft entgegen anderslautender Anweisungen die Entscheidung, stattdessen auf dem Hudson River notzulanden. Die Aktion glückt, alle Insassen überleben und die New Yorker Bevölkerung feiert Sully als Helden. Der Film zeigt nicht nur die Rettungstat, sondern auch deren Folgen für den Piloten. Das National Transportation Safety Board (NTSB) unterstellt dem gefeierten Helden, dass er mit seiner Aktion falsch gehandelt habe und er sehr wohl zum Flughafen hätte zurückkehren können. Für seine riskante Entscheidung muss sich Sully im Nachhinein vor Gericht verantworten.

Wir zeigen euch, wie Sully bei den englisch- und deutschsprachigen Kritikern ankam.

Erstmal gibt es die harten Fakten zu Sully:

  • 15 Kritikerbewertungen mit einem Durchschnittswert von 7,0
  • 63 Community-Bewertungen mit einem Durchschnittswert von 6,8
  • 0 x Lieblingsfilm und 0 x Hassfilm
  • 312 Vormerkungen, 5 sind nicht interessiert

Das sagen die englischsprachigen Kritiker zu Sully:

Colin Covert von Star Tribune lobt vor allem die inszenatorische Leistung von Clint Eastwood:

Indem er eine Notfallsituation, die nicht länger als zwei Minuten dauerte, in einen vollkommenen, unbequemen Abenteuerthriller verwandelt, kontrolliert Eastwood eine Filmmaschine, die andere Regisseure schon auf der Startbahn ins Schleudern gebracht hätten. Trotz einiger Turbulenzen durch wiederholte Flashbacks, ist er vom Start bis zur Landung exzellent. [...] [Clint Eastwood] schummelt nicht, indem er die Geschichte übertrieben darstellt. Er fügt nicht ein Gramm unnötiges Beiwerk hinzu. Er ist ein disziplinierter Profi, der einen Film über einen disziplinierten Profi macht und das mit Erfolg.
Brian Lowry von CNN findet, dass Clint Eastwood fast schon zu sachlich an das Thema herantritt. Zwar lobt er Tom Hanks und Aaron Eckhardt als Hauptdarsteller, alle anderen fallen ihm, wenn überhaupt, negativ auf:
Eastwood zeigt den Fall so nüchtern, dass man es ihm fast schon ankreiden könnte. [...] Hanks liefert ein charakterstarkes und verletzliches Porträt, auf eine Art und Weise, wie es nur wenige könnten. [...] Außer Aaron Eckhart als Kopilot Jeff Skiles fällt allerdings kaum jemand auf, trotz vieler guter Schauspieler in kleineren Rollen. Das gilt vor allem für Laura Linneys undankbaren Part als Sullenbergers Frau, deren einzige Gespräche mit ihm unerklärlicherweise über hektische Telefonanrufe stattfinden.

Christopher Orr von The Atlantic stört die vorhersehbare Dramaturgie und die unwürdige Darstellung der Flugsicherheitsbehörde. Trotzdem kann er dem Film auch positive Aspekte abgewinnen:

Nachdem [der Film] Sully anfangs als den Helden präsentiert, für den wir ihn halten, stellt er wenig überzeugend in Frage, ob er vielleicht doch kein Held sei - bevor er zum Fazit kommt, das er tatsächlich noch ein viel größerer Held ist. Darauf folgt die wohl dümmste Gerichtsszene der jüngeren Vergangenheit, als sogar die widerwärtigen NTSB-Vertreter sich verkehren und Sully doch noch als großartigen Amerikaner erkennen. [...] Trotzdem ist es kein besonders schlechter Film. [...] Der Absturz selbst wird mit subtiler Raffinesse dargestellt [...] und Eckhart ist, wie bereits erwähnt, hervorragend. Schlussendlich ist es aber Hanks' Film. Es ist bei weitem nicht seine herausfordernste Rolle, aber eine, die ihm wie angegossen passt: das Portrait eines anständigen und kompetenten Mannes, der in seiner Bescheidenheit fast extravagant wirkt. Würde Tom Hanks nicht existieren, hätte Clint Eastwood ihn erfinden müssen.

Im Gegensatz dazu zeigt sich Ann Hornady in der Washington Post begeistert von der schlichten, aber effektiven Inszenierung Clint Eastwoods und der ebenso unaufgeregten und treffenden Darstellung Sullys durch Tom Hanks:

Hanks ist der perfekte Schauspieler für Sullenberger, dessen zurückhaltende Selbstsicherheit die Zuschauer an seine Titelrolle in Captain Phillips vor ein paar Jahren erinnern könnte. [...] Sully ist eine hervorragende, enorm befriedigende Ode an simple Kompetenz. Um die Titelfigur zu umschreiben: Es ist einfach ein Film, der seinen Job macht.

Das sagen die deutschsprachigen Kritiker zu Sully:

Peter Körte in der FAZ kann sich den Worten von seiner englischsprachigen Kollegin Ann Hornady anschließen:

Sully ist das Porträt eines Helden, der einfach nur seinen Job macht, und das eines Profis, den die Umstände zum Helden machen. Deshalb hätte man auch keinen besseren Hauptdarsteller finden können als Tom Hanks, der dank weißem Haar und weißem Schnurrbart eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem realen Sullenberger erreicht. Hanks als der All American Guy, als der einzige legitime Erbe der Jimmy Stewarts oder Gregory Pecks in der Rolle des bescheidenen, alltäglichen Helden, kommt in einer so umsichtigen wie schnörkellosen Inszenierung, die kaum einer beherrscht wie der 86-jährige Eastwood, auch mit Sätzen wie diesem davon, ohne dass es peinlich oder platt klänge: „Ich fühle mich nicht wie ein Held. Ich bin bloß ein Mann, der seinen Job gemacht hat."

Der Filmdienst kommt zu einem positiven Kurzfazit und hebt vor allem die Fokussierung auf die Einzelperson Sully hervor:

Die Nacherzählung der wahren Ereignisse konzentriert sich ganz auf die Person des Kapitäns, was dem Geschehen eine tiefere, auf Charakterstärke und Entscheidungsfähigkeit gegründete Dimension verleiht. Das vorzüglich inszenierte und gespielte Drama bleibt nicht zuletzt durch die ins Zentrum gerückte menschliche Komponente durchgängig spannend.


Fazit zu Sully:

Sully kommt bei den Kritikern gut an, wenn auch mit dem ein oder anderen Negativpunkt. Im Film dreht sich eben alles um die Titelfigur, was dazu führt, dass außer Sully und seinem Kopiloten alle weiteren handelnden Personen flach wirken. Vor allem die Vertreter der Flugsicherheitsbehörde liefern eindimensionale Auftritte. Dafür spielen Tom Hanks und Aaron Eckhart umso überzeugender. Vor allem der Hauptdarsteller passt mit seiner typisch zurückhaltenden Art perfekt in die Rolle des stillen Helden. Auch Clint Eastwood erhält Lob dafür, dass er es schafft, Spannung in eine Geschichte zu bekommen, deren Ausgang bereits bekannt ist. Alles in allem ist Sully ein Film, der seinen Job erfüllt. Ein handwerklich überzeugendes Dokudrama ohne schmückendes Beiwerk.

Werdet ihr euch Sully mit Tom Hanks anschauen?

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