Mein Herz für Klassiker

Planet der Affen - Gesellschaftskritik im Affenpelz

Planet der Affen (1968)
© 20th Century Fox
Planet der Affen (1968)
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"Wenn wir wegen dir draufgehen, bring ich dich um!"

1963 veröffentlichte der französische Schriftsteller Pierre Boulle seinen Roman Der Planet der Affen (OT: La Planète des singes). 54 Jahre und 9 Verfilmungen später hat die faszinierende Thematik nichts von ihrer Aktualität verloren. Ich möchte mich in diesem Herz für Klassiker zu den Anfängen begeben, als 1968 die erste Verfilmung des Stoffes in die Kinos kam und weltweit Millionen von Zuschauern begeistert zurückließ: Planet der Affen.

Der Astronaut Taylor (Charlton Heston) wird im Erdenjahr 3978 in seinem Raumschiff unsanft aus dem künstlichen Tiefschlaf geweckt, als es auf einen unbekannten Planeten zusteuert. Er uns seine Crew sind gezwungen, dort notzulanden. Taylor macht bald darauf eine eigenartige Entdeckung: Die überlegene Spezies ist dort nicht der Mensch, sondern hochentwickelte Affen, die stumme Menschen als minderwertige Lebensform in Käfigen halten. Er selbst wird gefangen genommen und sieht seine einzige Hoffnung in der Wissenschaftlerin Zira (Kim Hunter) und ihrem Verlobten Cornelius (Roddy McDowall). Sie haben sich der Forschung verschrieben und sind Taylors einzige Chance auf Rettung vor gefährlichen Experimenten. Doch leider haben die zwei Schimpansen in dieser Gesellschaft nicht das Sagen.

Filmkunst vom Feinsten

Obwohl es in Planet der Affen um ein Thema geht, das bis heute brisant geblieben ist, trägt der Film deutlich den Stempel seiner Zeit. Das meine ich jedoch nicht negativ, eher im Gegenteil: Dieser Film ist ein handwerklicher Geniestreich. Bevor sich Filmemacher mit CGI Wunschträume erfüllen konnten, musste die Filmindustrie der 1960er kreativ werden. Von den Kulissen über die Kameraarbeit bis zu den Masken der Affen wirkt alles echt und plastisch. Der Film ist zum Greifen nah.

Das beginnt bereits in den ersten Minuten: Die atonale und experimentelle Filmmusik holt den Zuschauer sofort ab. Die Trommeln stimmen auf Urvölker ein, schnarrende Geräusche lassen aufhorchen: Wo könnte fremdes Leben lauern? Disharmonische Klavierklänge werden gefolgt von Klängen exotischer Zupfinstrumente, die ein fremdartiges Unwohlsein auslösen.

Die Optik hat nicht mehr die stark gesättigten Farben der 1940er Technicolor-Werke, aber immer noch eine eindrucksvolle Intensität, die die Kulissen dieses Science-Fiction-Abenteuers gekonnt in Szene setzt. Als sehr präsent empfunden habe ich die Kamera, die gerade in actionreichen Szenen dauernd in Bewegung bleibt. Es gibt kaum starre Szenen, dafür eine Bandbreite an verschiedenen Kameraeinstellungen: Von pirschenden Fahrten über handgeführte Schwenks versetzt die Kameraarbeit den Zuschauern mitten ins Geschehen.

Bevor ich Planet der Affen das erste Mal gesehen hatte, war ich etwas skeptisch im Hinblick auf die Darstellung der Affen. Ich wusste bereits, dass aufwendige Maskenarbeit hinter der Verwandlung steckte. Aber würde diese Illusion gegen das meisterhafte Motion-Capture-Verfahren der neuen Planet der Affen-Reihe Bestand haben können? Für mich kann ich sagen (und das mit einiger Erleichterung), dass sich die komplizierte Maske auf jeden Fall gelohnt hat. Der Mensch verschwindet beinahe vollkommen hinter der Maske, aber die Gesichtszüge sind gleichzeitig deutlich zu erkennen. Dass die Körper fast vollständig mit Roben bedeckt sind, war wahrscheinlich dem beschränkten Budget geschuldet, aber nichtsdestotrotz ist gerade die Ausarbeitung der Gesichter ausgesprochen gut gelungen.

Deutliche Gesellschaftskritik

Doch Planet der Affen wäre kein Klassiker geworden, wenn er lediglich ein Film bliebe, der sich nur gut ansehen lässt. An manchen Stellen mehr, an anderen weniger, transportiert das als Abenteuerfilm getarnte Werk eine klare Gesellschaftskritik. Das beginnt schon beim Grundthema des Films, das der Buchvorlage entnommen wurde: die umgekehrte Gesellschaftsstruktur, in der Menschen wie Tiere behandelt werden und andersherum. Bestimmte Szenen halten uns damit den Spiegel vor. So wirkt es für uns seltsam, wie die Forscherin Zira mit Taylor redet. Sie meint es gut mit ihm, aber sie nimmt ihn als niederes Wesen war, das nicht dazu fähig ist, mit ihr auf Augenhöhe zu interagieren. Dies wiederum sind über Jahrzehnte festgefahrene gesellschaftliche Normen, die die hochentwickelten Affen als gegeben akzeptieren, da sie nichts anderes kennen. Das könnte umgekehrt ja ebenso für uns Menschen in der Gegenwart gelten.

Reguliert wird dieses System von einigen wenigen Affen weiter oben in der Rangordnung, die auch über die Gesetzesmacht verfügen. Sie unterdrücken die Forschung und neues Wissen, um ihr Konstrukt aufrechtzuerhalten. Wissenschaft und Glaube fallen im Affenstaat zusammen. So zitiert der Orang-Utan Professor Zaius gerne aus den heiligen Schriftrollen, die kein gutes Haar an den Menschen lassen. Neben der Unterdrückung der Meinungsfreiheit ist auch Rassismus und der hierarchische Aufbau der Gemeinschaft Ziel der Kritik. Gerade im Hinblick auf die Entstehungszeit war es unglaublich mutig, Rassismus so darzustellen. In Zeiten der Rassenunruhen in den USA und nach dem noch nicht verwundenen, gescheiterten Vietnamkrieg konnte Planet der Affen die Kritik als Fabel transportieren.

Taylors Hass auf die Menschen

Fast noch eindringlicher war für mich aber die pessimistische Einstellung Taylors gleich zu Beginn des Filmes. Er spricht in seinem Logbucheintrag davon, dass er es nicht bereut, die Erde und die Menschen dort verlassen zu haben. Als Landon (Robert Gunner) kurz nach der Notlandung eine beinahe lächerlich kleine amerikanische Flagge mit Steinchen am Boden fixiert, kann sich Taylor nicht zurückhalten und lacht ihn schallend aus. Zuerst habe ich bei dieser Szene gestutzt. Eine derartige Amerika-Kritik hatte ich in dieser Form noch nicht gesehen. Taylor lacht die Vereinigten Staaten von Amerika aus. Dafür, dass sie denken, sie seien erhaben, besser als andere Länder oder Zivilisationen. Das Abenteuer, das ihnen noch bevorsteht, wird ihn in genau diesem Zynismus bestätigen.

Achtung, Spoiler für das Ende von Planet der Affen: Eine der ikonischsten Szenen der Filmgeschichte ist ausgerechnet die letzte des Films und so bekannt, dass vielen Zuschauern der faszinierende Moment genommen wird, der dieser Sequenz innewohnt. Nach über 100 Minuten Spielzeit trifft uns die Realität des Filmes in den letzten Sekunden wie eine unaufhaltsame Lawine der Erkenntnis. Zunächst fährt die Kamera mit dem Fokus auf Taylor und seiner stummen Nova auf dem Pferd so weit hinaus, bis sie etwas streift, das beinahe wie ein altes Gebäude aussieht. Es folgt ein Schnitt und die Kamerafahrt behält das Paar auf dem Pferd im Fokus, bis im Vordergrund verschwommen überdimensionale Zacken auftauchen, die seltsam vertraut erscheinen. Taylor spricht aus, wovor wir uns die ganze Zeit gefürchtet haben: Der fremde Planet ist in Wirklichkeit die Erde. Die zerstörte Freiheitsstatue versinkt am Strand und ist nichts weiter als das Relikt einer längst vergangenen Kultur. Spoiler Ende.

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