Netflix setzt jetzt Serien ab, wie McDonald's Filialen schließt

Girlboss droht die Absetzung bei Netflix
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Hält sich jung mit Coming-of-Age-Filmen.

Das vorweg: Sense8 zu beenden war ein großer Fehler, der Netflix' Content-Chef Ted Sarandos irgendwann noch mal aus dem Schlaf reißen wird. Es gab vor der Absetzung von Sense8 schon wenige Eckpfeiler, über die der Streaming-Anbieter sich während seiner stürmischen Wachstumsphase überhaupt definieren ließ. Sense8 gehörte zu den Serien, die Netflix ein Herz gaben. Ich bin kein Fan der Serie gewesen, aber ich schätzte die Ideen und die (Netflix-)Ideale, die sie verkörperte. Sense8 war schillernd und global, es war teuer und maßlos, es hatte seine Schwächen und wenige Zuschauer und trotzdem bekam es eine zweite Staffel, die ebenfalls groß, schillernd und liebend war und nichts von dem hatte, was im Fernsehen gemeinhin funktioniert. Zu Beginn der großen Expansion brachte Netflix die Fortführung anderorts verschmähter Serien viele Sympathien ein. Netflix rettete Serien, die von zu wenigen Zuschauern innig geliebt wurden, führte sie weiter und vollendete sie. Sense8 ist jetzt eine dieser Serien geworden, die Netflix vor ein paar Jahren noch gerettet hätte. Sie bekommt immerhin ihren Deckel aufgesetzt in Form eines zweistündigen Specials.

Über das, was die Absetzung von Sense8 für Netflix' zukünftige Ausrichtung bedeutet, kann der Abschlussfilm nicht hinwegtäuschen. Dieser Schnitt wurde ungewohnt nüchtern beschlossen, so kühl etwa wie die Schließung einer McDonald's-Filiale in einer Gegend ohne hohe Autofrequentierung. Netflix spürte anschließend zum ersten Mal die gewaltige Wut enttäuschten Fanvertrauens. So überraschend, wie viele taten, kam die Absetzung aber nicht. Die radikale Expansion, die Netflix in den letzten drei Jahren vollzog, verwischte viele seiner Wesenslinien. Aus dem Kulturanbieter mit dem Charme einer modernen Videothek wurde ein globales Unternehmen.

Netflix hat seine finale Form noch lange nicht erreicht

Netflix-CEO Reed Hastings hat kein Problem damit, die Identität seines Unternehmen erheblichen Revisionen zu unterziehen, sofern es nur dem Passieren weiterer Wachstumsmeilensteine zuträglich ist. Bei einer Konferenz im Januar sollte er der Times seine ultimative Netflix-Vision beschreiben. Die gibt es so jedoch nicht: “Man will etwas nicht als ultimative Vision charakterisieren, denn wenn du das erstmal erreicht hast, gibt es immer noch mehr zu tun." Netflix hat seine finale Form noch nicht erreicht und wird sie wahrscheinlich auch nie erreichen.

Netflix bietet Serien an - und produziert sie selbst - , in denen die kulturelle Vielfalt des Planeten und ihrer Bewohner vollständige Repräsentation erfahren soll. Ziel war dabei eine möglichst globale Reichweite. 2017 schaut deshalb auch fast die Hälfte der Abonnenten außerhalb der USA Netflix. Den lokalen Markt, die USA, hat Netflix längst überflügelt, wenn auch nicht vernachlässigt.

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