Man With A Plan - Matt LeBlancs neue Sitcom im Pilot-Check

Man With A Plan
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Update, 17.06.2017: Unseren Pilot-Check zu Man with a Plan haben wir bereits anlässlich des US-Starts der Serie im vergangenen Jahr veröffentlicht. Ab heute ist die neue Familien-Sitcom mit Friends-Star Matt LeBlanc in Deutschland auf ProSieben zu sehen.

Es klafft eine etwa fünf Jahre breite Lücke in Matt LeBlancs Lebenslauf zwischen dem Friends-Spin-off Joey und Episodes. Er produzierte währenddessen andere Projekte, zog Kinder groß, hatte mit einer Scheidung zu kämpfen, machte Sport, lernte Sprachen, so Zeug halt. Aber Matt LeBlanc ist ein Sitcom-Phantom, es ist gut möglich, dass Matt LeBlanc, in diesem kurzen Zeitfenster, in dem er nicht in einer Sitcom mitspielte, schlicht nicht existierte. Bei kaum einem anderen Fernseh-Schauspieler fließt die stets bei sich selbst gebliebene TV-Identität so sehr mit der Schauspieler-Identität zusammen. Da übertrifft Matt LeBlancs Joey-Dusseligkeit gar das durch Charlie Harper von Charlie Sheen aufgetragene zigarrerauchende Junggesellengehabe.

Allein ihrer immens hohen Laufzeit wegen (Friends zählt 236 Folgen) haben Sitcoms etwas Tempelartiges, sind Schlösser der Fernsehgeschichte, in die wir reinschauen, um zu erfahren, wie die Leute damals so gelebt und worüber sie gelacht haben. Dieser angestaubte Mythos Sitcom wird am Leben gehalten und weitergetragen von solchen für die Gattung brennenden Urgesteinen und Rollenwiedergängern wie Matt LeBlanc. Bei insgesamt vier Sitcoms mit durchgehenden Rollen ist die am Montag bei CBS gestartete Man With A Plan die erste, in der LeBlanc weder Joey Tribiani noch sich selbst spielt, zumindest namentlich.

Denn natürlich ähneln sich die Rollen, die Matt LeBlanc spielt. Das sind in der Regel sorglos gutmütige, tollpatschige, etwas schlichte und in sich selbst verliebte Frauenhelden. In Man With Plan wird der Frauenheld gegen den Familienvater eingetauscht. Auffällig: Wie schon Kevin Can Wait, der andere Start einer klassischen Familien-Sitcom in diesem Serienjahr, beginnt MWAP in der mit Kindern vollgestopften Wohnküche. Und wie schon bei Kevin Can Wait wird hier der Zerfall der männlichen Brotverdiener-Identität szenisch aufgearbeitet und humoristisch fruchtbar gemacht. Adam, selbstständiger Bauingenieur, muss seine Frau im Unternehmen "Familie" entlasten. Die Figur des Adam Burns selbst öffnet sich zunächst vorbildlich den neuen Arbeitsgebieten, die sich durch den Wiedereintritt seiner Frau Andi (Liza Snyder) in das bezahlte Berufsleben für ihn ergeben.

Nur als Adam sich der ersten "Mutteraufgabe" stellt und die jüngere Tochter Emme (Hala Finley) zu ihrem ersten Tag in der Vorschule begleitet, begegnet ihm dort der vollständig von der (Haus-)Frauenwelt assimilierte Hausmann Lowell (Matt Cook), der Adam mit feuchter Spucke am Daumen Schmutz von der Wange spülen will und sich nach Männergesprächen bei Dosenbier sehnt, als könne es die im Leben eines Hausmannes nicht geben, da Hausmann = Hausfrau. Adams Zukunft? Gott bewahre. Aber trotz einiger "Höhöhö, Frauenkram"-Kalauer beweist die Familiensitcom Man With A Plan durchaus zaghaften Fortschrittswillen. In Sitcoms geschieht sowas eben mit Geschlechteridentitäten-Etiketten.

Ihre konservative Machart leugnet Man With a Plan genauso wenig wie Kevin Can Wait, was in der Natur der Sache liegt. James Burrows saß bei den ersten der bisher 13 Episoden am Steuer und der hat seinen Lebtag nichts anderes gemacht, als 21-minütige Sitcom-Folgen zu drehen. Vom Autorenpaar Jackie Filgo und Jeff Filgo ist vorerst auch nur routiniertes Sitcom-Handwerk zu erwarten. Deren Drehbuch schickt Adam durch die ganz normalen Prüfungen des Elterndaseins.

Am Ende des ersten, gar nicht mal so stressigen Tages beschwert Adam sich über das Trugbild, das seine Frau Andi ihm all die Jahre von seinen drei Traumkindern vorgegaukelt hat. Adam kennt die gar nicht so quengelig, phlegmatisch und faul. Da ihm der titelgebende Plan noch fehlt, muss er selbigen entwickeln. Was denkt Adam? Disziplin muss her.

Der halbwüchsige Sohn Teddy zum Beispiel hat so oft beide Hände in der Hose (nicht in den Taschen, wohlgemerkt), dass er Türen mit der Schulter öffnet, was, wie Andi meint, vielleicht gar nicht so schlecht ist, von der Hygiene her. Aber als "Gefängniswärter" würde Adams bisherige Vater-Identität als "Daddy-Funtimes" gehörig Schaden nehmen, und so flüchtet er sich wieder ins gewohnte Rollenschema. Am zweiten Abend hat Adam keine Lust mehr auf das Halbtagsvater-Projekt.

Den drei Kindern Emme, Teddy und Kate (Grace Kaufman), der Ältesten, geht das genauso. Kompromissvorschlag: Mama arbeitet jetzt Vollzeit und kümmert sich gleichzeitig um die Kinder und alles andere. "Eine Lösung, die alle glücklich macht", freut sich Adam treudoof. Die Pilot-Folge geht da gerade 12 Minuten und allzu viel war gar nicht schiefgelaufen. Plausibel ist die Kehrtwende nicht.

Natürlich funktioniert das Familien-Modell 2.0 so auch nicht, merkt Adam am nächsten Morgen bereits: "Wir müssen eine Lösung finden, die dich glücklich macht, mich glücklich macht, die Kinder glücklich macht ... und mich glücklich macht." Klassischer Joey. Adam entwickelt Strategien und entdeckt dabei das Druckmittel Wi-Fi-Entzug. Plötzlich spuren die Kinder und es gibt sogar eine Gruppenumarmung, bei der Adam das Siegel "Best Daddy in the World" aufgesteckt wird, das er sich ja auf die Kaffeetasse drucken lassen könnte oder ein T-Shirt. Nur halten die guten Vorsätze?

Eher nicht, denn das ist ja der Konflikt der Serie. Aber auf Matt LeBlanc können wir zählen. Die Sitcom liegt ihm im Blut, sein Herz schlägt im Rhythmus des Laugh Tracks, was jetzt ungesund klingen mag, bei Matt LeBlanc aber doch denkbar scheint. Kein platter Gag und überzogener Gesichtsausdruck wirkt bei ihm aufgesetzt, jede Pointe liefert er perfekt getimt ab, wenngleich die nicht immer toll geschrieben sind. LeBlanc improvisiert flüssig und er kann sein Gesicht unheimlich schnell bewegen, Grimassen blitzen auf, stets als Geleitschutz der oft gut aufgebauten Pointen. LeBlanc ist ein hervorragender Sitcom-Darsteller und eine Sitcom um Matt LeBlanc aufzubauen ist keine schlechte Idee. Das kann er noch ein paar Jahrzehnte machen, eben solange es ihn und Sitcoms gibt.

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