How I Met Your Mother: Eine Serie plötzlich mit anderen Augen sehen

How I Met Your Mother
© 20th Century Fox
How I Met Your Mother
16.08.2018 - 10:10 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Mit How I Met Your Mother verbinde ich viele lieb gewonnene Erinnerungen, weshalb ich der Sitcom in diesem etwas anderen Text mein Herz für Serie schenken möchte.

Was soll ich euch sagen, ich liebe How I Met Your Mother - und das aus mehreren Gründen. Die Charaktere sind mir von Grund auf sympathisch und jeden von ihnen habe ich schnell ins Herz geschlossen. Ich konnte zwischenzeitlich auch nicht anders, als mir vorzustellen, wie ein Abend mit der Gang aussähe. Gemeinsam im MacLaren's gemütlich ein paar Bierchen trinken, über die Geschehnisse des Tages sprechen und Barney bei seinen teils wahnwitzigen Aktionen zusehen, die nächste Frau in die Kiste zu bekommen. Anschließend geht es dann noch hinaus auf die Straßen New Yorks, der fantastischsten Stadt des Planeten, wie Ted so gerne sagt. Doch dies ist nicht der Grund, weshalb ich Teddy Westsides (fast) endloser Odyssee auf der Suche nach der Liebe seines Lebens heute mein Herz für Serie schenken möchte.

Ein etwas anderer Text über How I Met Your Mother

Dies wird ein anderer Text als jene, die ihr bisher von mir gelesen habt. Diesmal wird es persönlich und ich möchte euch mehr als jemals zuvor an meinen ganz persönlichen Emotionen teilhaben lassen. Dabei habe ich lange mit mir gerungen, ob ich diese Zeilen, welche ihr gerade lest, überhaupt schreiben soll. Die Idee für diesen Text reifte bereits eine ganze Weile in mir und nahm seit meinem letzten Re-Run von How I Met Your Mother langsam doch stetig immer konkretere Formen an. Normalerweise überlege ich sehr genau, was ich schreibe und wie ich etwas formuliere, mache (zu) ausführliche Notizen, welche hinterher ausformuliert werden. Dieser Text entsteht hingegen komplett frei, ungefiltert und vermutlich etwas planlos, wenn ihr so möchtet. Doch glaubt mir, am Ende des Textes wird alles einen Sinn ergeben.

Ted und Marshall

Vergangenen Monat startete ich einen erneuten Re-Run von How I Met Your Mother; es dürfte inzwischen sicherlich meine fünfte Runde mit der Serie gewesen sein. Wie eingangs bereits erwähnt, liebe ich Ted Mosbys schier endlose Suche nach der Frau seines Lebens. Diesen innigen Wunsch, die eine Person zu finden, mit der man sein ganzes Leben verbringen kann, durch gute wie schlechte Zeiten geht und letztendlich das große Glück findet, kann ich aus tiefstem Herzen nachempfinden. Ted war stets der Charakter, mit dem ich mich am meisten identifizieren konnte, denn wie er bin auch ich noch auf der Suche. Diesmal fühlte ich mich hingegen einer anderen Figur bedeutend näher als Ted, dem ewigen und hoffnungslosen Romantiker: nämlich Marshall. Denn wie Teds bester Freund in der 6. Staffel habe auch ich vor nicht allzu langer Zeit einen geliebten Menschen verloren.

Wenn ein Mensch plötzlich verschwindet

Kurz bevor ich mit dem Praktikum hier bei moviepilot begann, verstarb mein Großvater. Er war schwer krank und letztendlich verließen ihn die Kräfte, weiter gegen die Krankheit anzukämpfen. Das Ende kam plötzlich, viel zu schnell und viel zu früh, wie immer, wenn ein Mensch geht. Morgens besuchten wir ihn noch im Krankenhaus; am frühen Abend war er eingeschlafen und wachte nicht mehr auf. Anschließend fühlte ich nichts als Leere und dieses Gefühl ist noch immer nicht verschwunden. Lange habe ich mit mir gerungen, überlegt, das Praktikum in letzter Sekunde abzusagen. In die große Stadt zog mich nichts. Marshall erging es in How I Met Your Mother sicherlich ähnlich, nachdem sein Vater plötzlich aus seinem Leben entschwand. Seinen Schmerz konnte ich nur allzu gut nachempfinden, was ein Grund ist, weshalb ich mich ihm besonders verbunden fühlte.

Marshall und Lily

Obwohl ich nur zu genau wusste, was auf mich zukam, hat mich der Augenblick, in dem Lily ihrem Mann erzählt, sein Vater sei einem Herzinfarkt erlegen, tief getroffen. Diese Szene ließ mich noch nie kalt, doch diesmal war es anders, vermutlich, da ich seinen Verlust mehr denn je nachempfinden konnte. Seine Reaktion sowie die Aussage "Dafür bin ich noch nicht bereit", trafen mich wie ein Schlag in die Magengrube. Mir ging es ganz genauso und auch jetzt bin ich noch nicht sicher, ob ich schon dafür bereit bin. Dass diese Szene zudem wirklich für sich stehen konnte, atmete, ihre Wirkung entfaltete, rechne ich den Machern hoch an, denn in diesem Moment fühlte es sich nicht wie eine Serie an, sondern wie ein Moment aus dem echten Leben.

Letzte Worte und der Umgang mit Verlust

Wie Marshall konnte auch ich auf die Hilfe meiner Familie und Freunde bauen, diese schwierige Zeit durchzustehen. Mit etwas Abstand kamen mir immer mehr die schönen Erinnerungen mit meinem Großvater ins Gedächtnis. Auch wenn es noch schmerzt, doch in diesen Momenten könnte ich schwören, er stünde noch direkt vor mir und würde mir mit einem Lächeln sagen, alles würde gut werden. Marshall erklärt seinen Freunden, während er darauf wartet, die letzten Worte seines Vaters von seiner Mailbox abzuhören, sein Dad sei sein Held gewesen. Mit ihm fühlte er sich immer sicher und er wusste, nichts Schlimmes könnte passieren. Umso ernüchternder, frustrierender, war es für ihn, dass sein Vater ihn nur zufällig angerufen hatte, ohne es selbst zu bemerken. Die letzten Worte seines Vaters behielt er anschließend für sich, auf der Trauerfeier verlor er keine weitere Silbe darüber. Er schloss sie tief in sein Herz und konnte aus ihnen Kraft schöpfen.

Marshall und seine Freunde auf der Beerdigung seines Vaters

Mit letzten Worten ist es seltsam. Die Worte so mancher historischer Persönlichkeit überdauerten die Jahrhunderte und halfen so mit, die Erinnerung an sie lebendig zu halten. Doch werden die letzten Worte eines jeden von uns dem Lauf der Zeit ähnlich trotzen und womöglich sogar jene inspirieren können, die uns nachfolgen? Ein jeder von uns hofft, seine Spur auf dieser Welt zu hinterlassen. Etwas zu tun, für das man sich an ihn erinnert.

Dies muss jedoch nicht immer (überlebens)groß sein. Oftmals sind es gerade die kleinen Dinge, die kleinen Gesten und Worte, die auf uns den größten Einfluss haben, die uns glücklich machen. Die letzten Worte meines Großvaters mögen nicht weltbewegend gewesen sein, doch für mich bedeuten sie die Welt, denn für mich war er mein Held, der allen Widrigkeiten trotzen konnte, auch wenn ihn letztendlich seine Kräfte verlassen sollten.

Die Gang

Filme und Serien haben die magische Kraft, uns in eine andere Welt zu entführen, uns von unseren Problemen und Sorgen für einen Moment zu erlösen. Manchmal können sie dabei sogar mehr sein, als nur reine Unterhaltungsprodukte. How I Met Your Mother ist nicht die beste Serie, die ich bisher gesehen habe und sie hat zweifelsohne ihre Schwächen. Doch Teds Reise, welche er gemeinsam mit der Hilfe seiner Freunde bestreitet, könnte ich mir immer wieder ansehen, denn jedesmal wieder kann ich mich in diesen mal hanebüchenen, mal wunderschönen Geschichten verlieren. Die Geschichten begeistern mich, bringen mich zum Lachen oder rühren mich zu Tränen - diesmal mehr als jemals zuvor. In Zukunft werde ich die Gang sicherlich nochmal bei ihren Abenteuern in New York begleiten, doch ich werde sie wohl nie wieder mit denselben Augen sehen. How I Met Your Mother ist inzwischen für mich mehr als nur eine Serie, denn auch sie half mir dabei, diesen Weg zu beschreiten und deshalb möchte ich ihr mein Herz für Serie schenken.

Habt ihr eine Serie, welcher ihr eine ähnliche Bedeutung beimesst?

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