Godzilla trifft Sadako - Reist mit mir ins Genre-Wunderland Sitges

Sieben Minuten nach Mitternacht
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Bei anderen Filmfestivals verstecken sich Horror-, Action- und Fantasyfilme in den hintersten Ecken des Programms, ein spanisches Städtchen vor den Toren Barcelonas aber feiert sie. Normalerweise ist Sitges (ausgesprochen in etwa: Sitches) bekannt für seine 17 - nicht 16! - Sandstrände und eine lebendige LGBT-Community. Aber im Oktober hält der Horror Einzug an der katalonischen Küste. Da kriechen Monster aus ihren Höhlen und schlurfen Zombies durch die Straßen der Altstadt. Denn das Festival des fantastischen Films in Sitges gilt als das bedeutendste Genrefilmfestival der Welt. Das diesjährige Programm versammelt die internationale Crème de la Crème aus Horror, Action und Fantasy und lädt ein zur Entdeckung der Talente von morgen. Am Freitag beginnt das Festival und ich werde euch täglich vom filmischem Gegrusel, den Beulen, den Verzauberungen, den aufrüttelnden Schleudertraumata und auch den Ekelexzessen vor Ort berichten.

Festivals mit Fokus auf den Genrefilm haben sich mittlerweile auf dem ganzen Globus ausgebreitet, denken wir etwa an das Fantastic Fest in Austin, Fantasia in Montreal, entsprechende Festivals in Neuchâtel, Bucheon und natürlich das Fantasy Film Fest, das sich auf mehrere deutsche Großstädte verteilt. Auch in Cannes oder Venedig werden Genrefilme gezeigt, das Verlockende am Programm eines Festivals wie Sitges aber ist, dass hier gehobener Arthouse-Horror wie der im Iran spielende Under the Shadow neben Direct-to-DVD-Action mit Dolph Lundgren im Kino läuft. Was in Cannes höchstens beim Filmmarkt verkauft wird, beehrt die Leinwände in Sitges gleichberechtigt neben gängigeren Festivalfilmen.

Zu den Hauptattraktionen der 49. Ausgabe des Festivals in Sitges gehört der japanische Kaiju-Blockbuster Godzilla Resurgence, der hoffentlich Bryan Cranstons monströses Toupet aus Godzilla vergessen macht. Veteranen des japanischen Kinos in der Remake-Mühle sind auch die beiden "Heldinnen" aus Sadako vs. Kayako, in dem die rachsüchtigen Geister aus Ring - Das Original und Ju-on: The Grudge gegeneinander aufgestachelt werden. Takashi Miike (Yakuza Apocalypse) wird erwartet, um seine neue Mangaverfilmung Terra Formars vorzustellen, und Shion Sono (Why Don't You Play in Hell?) legt den vielversprechend betitelten Anti-Porno vor.

Der König der Kaiju trampelt dieses Jahr allerdings nicht allein durchs Programm. Im Kino erzählten zuletzt BFG - Big Friendly Giant und Elliot, der Drache von den ungewöhnlichen Freundschaften zu Ungetümen und in Sitges wird mit Sieben Minuten nach Mitternacht von J.A. Bayona (The Impossible) der nächste Eintrag in dem Subgenre gezeigt. Darin muss ein Junge mit der schweren Krankheit seiner Mutter umgehen und flüchtet sich in die Zweisamkeit mit einem knorrigen Baumwesen, das von Liam Neeson gesprochen wird.

Ganz andere Facetten dürfte Nacho Vigalondo (Timecrimes) dem Monsterfilm der Marke Godzilla in Colossal abringen. Nach dem Desktop-Thriller Open Windows drehte Vigalondo erneut einen englischsprachigen Film, diesmal mit Anne Hathaway, die als Partygirl am Rande des Nervenzusammenbruchs eine seltsame Verbindung zu einem in Seoul wütenden Monster aufweist. Dan Stevens und Jason Sudeikis spielen die Männer in ihren gestörten Beziehungen. Colossal gehört neben Johnnie Tos Thriller Three und Dante Lams Actionfilm Operation Mekong zu den Filmen im Programm, auf die ich mich am meisten freue. Vigalondo ist dabei nur einer von vielen spanischen Filmemachern, die sich in den letzten Jahren einen Namen unter Genrefans gemacht haben und in Sitges logischerweise im Fokus stehen. Der Eröffnungsfilm des Festivals ist Inside, in dem Miguel Ángel Vivas (Extinction) basierend auf einem Drehbuch der [REC]-Macher seine Version des französischen Horrorfilms Inside - Was sie will ist in dir abliefert. Gedreht wurde die spanische Produktion auf Englisch, die kommerziellen Ambitionen sind offensichtlich.

Im Bereich Horror reiht sich der neue Rob Zombie-Film 31 an andernorts gepriesene Debütfilme wie The Eyes of My Mother, Viral, den neusten Streich der Catfisher Ariel Schulman und Henry Joost (Nerve), und Retro-Variationen wie The Love Witch. Doku und Horror werden in Tickled vermengt, während der in Toronto bejubelte Prevenge mit den Tropen des Serienkillerfilms spielt und Noomi Rapace in Rupture von Steven Shainberg (Secretary) von mysteriösen Kräften entführt wird.

Die Programmplaner von Sitges scheinen sich bei der Auswahl ohne Scheuklappen durchs Weltkino zu bewegen. Voyage of Time von Terrence Malick (To the Wonder) steht hier neben Miruthan, dem angeblich ersten tamilischen Zombiefilm aus Indien. Werner Herzog wird mich mit Salt and Fire dazu zwingen, einen Veronica Ferres-Film im Kino anzusehen und Ti West mich als Entschädigung In a Valley of Violence entführen. Wenn die Planung es zulässt, immerhin werden in den kommenden zehn Tagen mehr als 200 Filme gezeigt.

Idealerweise werde ich euch also berichten, ob The Age of Shadows von Kim Ji-woon (The Good, the Bad, the Weird) das erwartete Epos geworden ist, inwiefern Kim Seong-hoon nach seinem Knaller A Hard Day mit Tunnel seinem Ruf als neue Hoffnung des südkoreanischen Kinos gerecht wird und was für Choi-Min-Sik-Sachen (Fachbezeichnung!) Choi Min-sik in The Tiger: An Old Hunter's Tale abzieht, dem neuen Film des New World - Zwischen den Fronten-Regisseurs Park Hoon-jung. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Retro-Angeboten, steht das diesjährige Festival doch im Zeichen von 50 Jahren Star Trek. Wer freut sich denn nicht auf ein Festival, das in den Klassiker-Sektionen Black Emanuelle - Stunden wilder Lust, Über dem Jenseits, Zombie - Dawn of the Dead und Der schweigende Stern zeigt? Mit letzterem wäre neben Attack of the Lederhosenzombies dann auch die Präsenz des deutschsprachigen Films in Sitges weitgehend abgesteckt.

Wir lesen uns!


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