GLOW - die schillernde Wrestlingserie mit Alison Brie im Check

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Sagen euch Hulk Hogan, The Ultimate Warrior und Macho Man etwas? Dann habt ihr in den 80er Jahren die trashig-bunten Kampf-Shows der WWF (World Wrestling Federation) geschaut. In den 90er Jahren gewann die Wrestling Liga mit muskelbepackten Stars wie dem Undertaker oder The Rock, der heute als Dwayne Johnson Held zahlreicher Actionfilme ist, noch mehr an Popularität. Kaum einer erinnert sich heute hingegen an GLOW, schon gar nicht außerhalb der USA. GLOW bedeutet nichts anderes als Gorgeous Ladies Of Wrestling (deutsch: Großartige Frauen des Wrestlings) und war in den 1980er Jahren der Name einer Low-Budgtet Wrestling-Show, in der ausschließlich Frauen mit schrägen Künstlerinnennamen wie Gremlina, Stinky oder Little Egypt in den Ring stiegen. Da tummelten sich Tänzerinnen, Stuntfrauen und Models, die auf ihren Durchbruch in Hollywood warteten und sich eine Karriere als ernsthafte Schauspielerin erhofften. Unter eben diesem Titel widmet Netflix den Föhnwellen-Amazonen von damals ein Serien-Revival, das sich allerdings um fiktive Heldinnen dreht.

Eine von ihnen ist Ruth Wilder, die von Alison Brie (Community, Mad Men) gespielt wird. Als Schauspielerin ist ihr Typ in den 80er Jahren absolut nicht gefragt. Sie sei nicht hübsch genug und sie verkörpere einen zu speziellen Charakter, sagt man ihr bei den erfolglosen Castings, bei denen sie lieber für die Männerrolle vorspricht, denn für Frauen gibt es kaum attraktive Angebote. Ohne zu wissen, worauf sie sich einlässt, landet sie in einer schäbigen Turnhalle beim Casting für GLOW. Aber auch hier kann sich Ruth nicht so recht durchsetzen, sie eckt durch ihre schauspielerischen Ambitionen an und die Produzenten der Show können ihr keine passende Rolle auf den Leib schneidern. Zudem verliert die Aufmerksamkeit an ihre ehemals beste Freundin Debbie Eagan (Betty Gilpin), die sich durch einen netten dramaturgischen Kniff und einem ungeplanten Racheakt am Ende der 2. Episode den Rang des Alphaweibchens sichert.

Zwar lernt der Zuschauer zunächst durch Ruth die auftoupierte Welt zukünftiger Wrestlerinnen kennen, aber der Fokus verstreut sich bereits in den ersten Episoden auf die anderen Ladys. Da der Erfolg der Wrestling- Shows nicht allein von den Kämpfen abhängt, sondern durch das emotionale Geschichtenerzählen im Stile einer Seifenoper entsteht, gibt sich der Regisseur Sam alle Mühe, möglichst viele (rassistische) Stereotypen zu bedienen. Die intelligente Medizin-Stundentin Arthie (Sunita Mani​, bekannt aus Mr. Robot) hat zwar indische Wurzeln, muss aber aufgrund ihres Aussehen als Terroristin mit dem Rollennamen Beirut in den Ring steigen. Jenny (Ellen Wong​, Scott Pilgrim vs. the World) wird wegen ihrer asiatischen Herkunft in ein Schulmädchenkostüm gesteckt und darf das Katana schwingen.

Einen derart buntgemischtest weibliches Ensemble voller liebevoll-skurriler Figuren mag sich im derzeitigen Serien-Universum sonst nur in Orange Is the New Black finden. Wen wundert es da, dass die Schöpferin Jenji Kohan als aus Ausführende Produzentin der schillernden Dramedy GLOW fungiert? Entwickelt und inszeniert haben die Serie Liz Flahive und Carly Mensch. Leider gewinnen die Figuren (zumindest in den ersten fünf Episoden) im Gegensatz zu ihren Knastschwestern von OITNB nicht an Tiefe, die Beweggründe und Hintergrundgeschichten der angehenden Wrestlerinnen bleiben im Hintergrund. Im Vorfeld war oft vom feministischen Unterton, der in GLOW angestimmt wird, zu lesen. Der äußert sich (neben den Diskussionen über Sexismus in der Filmbranche und dem Fehlen weiblicher Rollen mit Tiefgang) vor allem in amüsanten Nebenbemerkungen der Darstellerinnen, nicht nur schlagkräftig, sondern auch schlagfertig den Kampf aufnehmen. Die bevorstehende Wrestlings-Show ist für die meisten Teilnehmerinnen ein willkommener Anlass, aus ihrem bisherigen Leben auszubrechen. Debbie beispielsweise erkennt in dem Moment, als ihr Baby ihr die Brustwarzen blutig beißt, dass die Mutterrolle nicht ihre Erfüllung ist.

Über GLOW lässt sich nicht reden, ohne über den 80er Jahre-Style der Serie zu sprechen. Dieser wird konsequent eingehalten. Neben toupierten Mähnen, dicken Schnäuzern und Glitzerfummeln gehören auch triste Motelzimmer und schrecklich fahle Farbtöne unweigerlich dazu. Besonders der ikonische Aerobic-Body mit hohem Beinausschnitt kommt in verschiedensten Designs zum Einsatz. Unweigerlich steigen Erinnerungen an Jennifer Beals' Auftritte in dem Tanzfilmklassiker Flashdance von 1983 auf, in dem ebenfalls eine Frauenfigur auftritt, die nicht dem vorherrschenden Bild ihrer Zeit entspricht. Allein wegen der hohen Schauwerte des konsequenten 80er-Stils lohnt es sich, einen Blick in die neue Netflix-Serie zu riskieren.

Weitere Highlights sind zum einen Sam Sylvia (Marc Maron) als schmieriger, sexistischer, koksender Strippenzieher der Show, der sehr früh das Potential im Damenwrestling erkannt hat und die Bühnencharaktere der Damen entwickelt. Dabei kommt ihm seine langjährige Erfahrung als Autor und Regisseur von trashigen B-Movies zu Gute (Szenen seiner Meisterwerke wie Bloody Disco werden auch gezeigt). Zum anderen gibt es ein Wiedersehen mit der britischen Singer-Songwriterin Kate Nash, die 2007 in niedlich gemusterten Kleidern mit Songs wie Foundations bekannt wurde und nun kaum wiederzuerkennen als Wrestlerin in die Fäuste schwingt.

GLOW besticht durch eine ungewöhnliche Thematik, clevere Sprüche und einen starken Cast in herrlich fürchterlichen Kostümen. Ihr solltet der Dramedy einen kleinen Binge-Marathon zugestehen. Alle zehn Episoden der 1. Staffel von GLOW sind seit dem 23.06.2017 auf Netflix abrufbar.

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