Findet Dorie und Co. - Von der Ersatzbank ins Rampenlicht

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Spin-offs zu einzelnen Charakteren haben eine recht lange Geschichte, besonders im Hinblick auf Comics: die Teen Titans, Spider-Gwen und viele prominentere X-Men haben als Teil anderer Serien angefangen, bevor ihnen ihre eigenen Reihen gegönnt wurden. Disneys Film-Imperium hat dagegen schon einige Ableger erfolgreicher Filme produziert, darunter acht (!) Tinkerbell-Filme und zwei verschiedene Spin-offs zum König der Löwen, mit einer eigenen Trickserie und einem Film für Timon und Pumba, wie seine Vorgänger nach shakespeareschem Vorbild, oder passender, nach shakespeareschem Spin-off.

Bis vor kurzem konnte dieser Trend in Kinofilmen nicht ganz Fuß fassen, Grund dafür sind besonders die vergleichsweise höheren Produktionskosten. Doch seit einigen Jahren sind Studios immer williger, bei jeglicher Neuverwertung etablierter Marken Charakteren das Feld zu überlassen, die den Beliebtheitsgrad der Erstprotagonisten überstiegen haben.

Das geht mittlerweile so weit, dass bei einigen Blockbustern direkt Überlegungen für einen eventuellen Solofilm angestellt werden. Viele haben nach Fury Road den Wunsch nach einem eigenen Film für Charlize Therons Imperator Furiosa geäußert. Laut Jared Leto wurde für Suicide Squad genug Material für einen eigenen Film mit dem Joker gedreht, und entsprechend des Comicbuch-Vorbildes ist es bei den Avengers oder der Justice League oft nur eine Frage der Zeit, bis ein neuer Held nach seiner Einführung ein Soloabenteuer bekommt, wenn der Termin dafür nicht schon bei seinem ersten Auftritt steht.

Aber eine Nebenfigur erfüllt in ihrer Rolle bestimmte Anforderungen und diese machen den Übergang ins Zentrum des Geschehens durch das Risiko der Übersättigung schwierig.

Merc with a mouth
Deadpool ist bisher eines der gelungensten Spin-Offs und durch den Charakter und sein zugehöriges Franchise ein Sonderfall. Die X-Men-Comics und -Filme eignen sich dank ihres vielseitigen Casts wie kaum ein anderes Franchise für Ableger. Vorzeige-X-Man Wolverine bekommt demnächst seinen dritten Film, Gambit soll trotz großer Schwierigkeiten auch noch kommen. Letzterer war wie Deadpool das erste Mal in X-Men Origins: Wolverine zu sehen, der musste aber, ähnlich wie seine Comic-Vorlage, eine schwerwiegende Verwandlung durchstehen, denn dieser Deadpool war eine der bisher katastrophalsten Umsetzungen einer Comicfigur.

Der Solofilm war dann näher an dem beliebten Spaßvogel dran, musste aber verhindern, dass er den Zuschauern ähnlich auf die Nerven geht wie seiner direkten Umgebung. Dementsprechend ist die Zeit mit Wade Wilson in seinem Deadpool-Kostüm, vergleichsweise gering, und statt einer Überdosis eines Charakters werden uns zwei Versionen von ihm in kleinen Häppchen präsentiert. Der Film wechselt zwischen seinem Leben vor dem Ganzkörperkondom, das ihn unbeschwerter in seinem persönlichen Alltag zeigt, und dem sich einstellenden Wahnsinn, durch den er aufgedrehter wird.

Von anderen nervigen Quasselstrippen
Ein weniger gelungenes Beispiel war Minions letztes Jahr. Ihr Debütfilm, Ich - Einfach unverbesserlich, war ein großer Erfolg mit einer interessanten Welt voller Superschurken und einer überraschend liebenswürdigen Adoptionsgeschichte. Da diese sich als abstrakte Konzepte aber schlecht als Merchandise verkaufen lassen, gab es noch die Minions, Handlanger mit einer bunt durchmischten Muttersprache und fortan das Aushängeschild der Serie. Auf einige Kurzfilme, Spielzeuge und ein unlizensiertes Videospiel folgte dann der eigene Film, der gleichzeitig als Prequel diente. Die Minion-Mythologie (ein Wortzusammenschluss, den ich nicht glaubte, jemals schreiben zu müssen) wurde neu aufgelegt, und sie waren von nun an antike Geschöpfe mit einer Sklaven-Mentalität, deren Existenz ohne Meister leer und qualvoll ist. Ein tolles Konzept eigentlich, das schon im 2D-animierten Intro sehr gut aufgezeigt wurde und dabei hätte bleiben sollen. Stattdessen waren sie der uninteressanteste Aspekt ihres eigenen Films, der seine besten Charaktere, eine machtbesessene Femme fatale und eine kriminelle Kleinfamilie, auf undankbare Plätze am Rande des Geschehens versetzte.

Das nächste Mal ist wer anders dran
Jack Sparrow war von Anfang an das Gesicht der Fluch der Karibik-Filme. In seiner Funktion ähnelt er aber tatsächlich mehr einer Nebenfigur. Er war in den ersten Filmen nie die treibende Kraft. William und Elizabeth waren wesentlich aktiver, während Sparrow primär auf das Geschehen reagierte. In Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten fielen diese beiden Charaktere dann weg (scheinbar hielten die Schreiber nichts von einem untoten Piraten und der Tragödie seiner Existenz) und Jack Sparrow war der Mittelpunkt der Geschichte.

Er ist eine sehr spezielle Art von Charakter, der in kleinen Schüben amüsant und einprägsam ist, bei ständiger Präsenz aber anstrengend werden kann. Die offensichtlich unmotivierte Darbietung seitens Johnny Depp hilft da auch nicht weiter. Im fünften Teil kehrt Orlando Bloom wieder zurück, und auch wenn die wenigsten Serien nach so vielen Filmen noch große Qualitätssprünge schaffen, wird dadurch möglicherweise besser mit Depps Figur umgegangen.

Diese Gefahr der Übersättigung bestand auch bei Findet Dorie. Der erste Film, Findet Nemo, hatte eine für sie optimale Struktur, bei der zwischen zwei Parteien hin- und hergewechselt wurde. Dorie war ein unterhaltsamer Charakter, aber dem Running Gag des ständigen Gedächtnisverlusts kann der Zuschauer auf Dauer überdrüssig werden, besonders bei einer größeren Rolle in der Fortsetzung. Daher wurde auch hier die Struktur des Vorgängers beibehalten und die Rollen gewechselt: Dorie geht verloren und Nemo und Marlin folgen ihr. So kann der Dramaturgie wegen der Fokus jederzeit geändert werden. Außerdem wurde der für Dorie typische Gedächtnisverlust entschärft. Ihre Verfassung ist weniger stark ausgeprägt, kann aber immer noch genutzt werden, wenn es gerade zur Geschichte passt.

Was zudem richtig gemacht wurde: Es wurden Figuren gefunden, die ihren einstigen Platz einnehmen würden. Nebenfiguren für die ehemalige Nebenfigur also. Dies ist mit Charakteren wie Wal-Lady Destiny oder dem paranoiden Tintenfisch Hank wunderbar gelungen, die Dorie in Sachen zusätzlich unterstützen und so für ein gutes Gleichgewicht sorgen. In Sachen Spin-off kann die Konkurrenz von Findet Dorie viel lernen.

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