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Darum sollte es keinem peinlich sein, GZSZ zu lieben

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© MG RTL D / Bernd Jaworek
Gute Zeiten, schlechte Zeiten
26.07.2018 - 08:50 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Mein Herz für Serie widme ich diese Woche einer der erfolgreichsten deutschen TV-Serien. Seit mittlerweile 26 Jahren flimmert die deutsche Seifenoper GZSZ fast täglich zur besten Sendezeit über die Bildschirme von rund drei Millionen Zuschauern.

Seit nunmehr 26 Jahren läuft die Seifenoper Gute Zeiten, schlechte Zeiten im deutschen Fernsehen. Es ist eine der erfolgreichsten TV-Serien hierzulande. Basierend auf der australischen Seifenoper The Restless Years werden täglich die großen und kleinen Probleme der Bewohner eines Stadtteils in Berlin in einer 25-minütigen Episode thematisiert. Gute Zeiten, schlechte Zeiten, auch kurz GZSZ genannt, brilliert nicht aufgrund seiner thematischen Tiefe und seines Einfallsreichtums und erst Recht nicht aufgrund seiner Darsteller. Dennoch schafft es GZSZ seit 1992 jeden Abend, Millionen von Zuschauern vor den Fernseher zu locken, so auch mich. Denn manchmal muss man sein Herz auch an Serien verschenken, die es womöglich gar nicht verdient haben. Auch wenn GZSZ hauptsächlich mit inhaltlicher Leere aufwartet, finde ich mich jeden Abend mit meiner Mitbewohnerin auf der Couch ein, um erneut die unspektakulären Geschichten aus dem Kolle-Kiez zu verfolgen.

Die große kleine Welt von GZSZ

Es muss niemanden peinlich sein, auch mal nein zu qualitativen hochwertigen Serien zu sagen und sich von Deutschlands bester und erfolgreichste Seifenoper berieseln zu lassen. Besonders in der heutigen Zeit, in der Serien immer aufwendiger und dramaturgisch anspruchsvoller werden, während Netflix sich von Woche zu Woche mit einem neuen Original-Hit zu übertreffen versucht.

Guten Zeiten, schlechte Zeiten

Die Schauplätze und die Charaktere wechseln bei Gute Zeiten, schlechte Zeiten gefühlt täglich, doch eins bleibt immer gleich: die Thematik. Als Daily-Soap ist es GZSZs Aufgabe, die Themen des menschlichen Alltags in jeder Episode zu erzählen. Dass es da nach einer so langen Laufzeit zu Wiederholungen kommt, ist nicht ausgeschlossen. Themen wie Liebe, Betrug und Verrat, Tod und Familie dienen immer als Handlungsgrundlage der zahlreichen Episoden.

Seit mittlerweile über zehn Jahren ist der Handlungsort von Gute Zeiten, schlechte Zeiten das sogenannte Kolle-Kiez, ein fiktiver Ortsteil im Berliner Stadtbezirk Mitte. Dort befinden sich Bars, Kaffees, Einkaufsläden und sämtliche Wohnungen der Figuren. Im Mittelpunkt steht immer ein fester Kern an Charakteren. Über die Jahre gingen und kamen viele Gesichter und der GZSZ-Kosmos befindet sich in einer ständigen Metamorphose. Zur Zeit sind es vor allem sechs Familien-Klans, die die Geschehnisse im Kolle-Kiez beeinflussen. Ein Ensemble aus ca. 25 Figuren gerät dabei von einer vorhersehbaren Situation in die nächste.

GZSZ traut sich jetzt mehr

In seiner Anfangszeit in den 1990er Jahren bewegte sich die Serie auf einem sicheren Pflaster. Gewagte Themen wie Politik, Sexualität und Gewalt waren, vor allen in den ersten acht Jahren, fernab des Möglichen. Aber seit einer gewissen Zeit traut sich auch die erfolgreichste deutsche Seifenoper, brisante Problematiken zu thematisieren. Mord, Drogen, Sex, sogar Inzest: Bei GZSZ ist inzwischen nichts mehr Tabu. Diese Themen schocken nicht nur, sie sind auch der Grund, warum Millionen von Zuschauern täglich den Fernseher einschalten.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Verpackt in einer gewohnt recycelten Story können sich die Themen der Daily-Soap seit ein paar Jahren blicken lassen. Die Zeiten von "Er betrügt sie mit ihrer besten Freundin" und "Sie verliebt sich in den Mann ihrer Chefin" sind längst vorbei. Heute heißt es bei GZSZ viel mehr "Sie betrügt ihre Freundin mit ihrem Arzt, der eigentlich ihr vermisster Vater ist" und "Ihre Freundin, ihre Mutter und die beste Freundin der Mutter bringen gemeinsam mit einer massiven dekorativen Ananas den Vater um". Mit genau solchen skandalösen wie absurden und lächerlichen Geschichten begeistert GZSZ.

GZSZ hat den Finger am Puls der Zeit

Auch politische und gesellschaftlich relevante Themen wie sexuelle Belästigung und Asylpolitik finden in letzter Zeit immer öfter Fuß in der Welt von Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Auch mit relevanteren Themen kann die Seifenoper punkten. Diese Handlungen werden nie in ein kompliziertes Netz aus verschieden Geschichten eingewoben, sondern wie eh und je in typischer GZSZ-Manier dargeboten, sodass auch eingefleischte Fans auf ihre Kosten kommen. Für ein ungeschultes Publikum mögen diese Geschichten langweilig und veraltet erscheinen Langjährige Fans können sich dafür inzwischen über den verhältnismäßig großen Ideenreichtum der Schreiber freuen.

Täglich finden sich Millionen von Zuschauern aus diesem Grund am Abend auf der Couch wieder, am besten mit einem Glas Wein. Als Zuschauer von GZSZ erwartet keiner eine clevere und gut durchdachte Geschichte, die mit Einfallsreichtum und inhaltlicher Tiefe beeindruckt. Alles, was ich am Abend nach getaner Arbeit möchte, ist, mich von eben diesem inhaltlichen Irrsinn sowie den immer gleichen Geschichten in leichter Varianz berieseln zu lassen. Während Netflix und Amazon eine gigantische Serie nach der anderen produzieren, bin ich froh, dass Gute Zeiten, schlechte Zeiten existiert und mir und meiner Mitbewohnerin jeden Abend den Tag ein wenig erleichtert. Und das sollte nicht nur uns, sondern niemandem peinlich sein.

Von welcher "schlechten" Serie seid ihr Fans?

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