Crawl - Der Horrorfilm ist die Überraschung des Kinosommers

Crawl
© Paramount Pictures
Crawl
24.08.2019 - 10:00 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Der Alligatoren-Horrorfilm Crawl ist die Überraschung des Kinosommers. Was durchschnittlicher Horror-Trash hätte sein sollen, ist schonungslos spannendes Terror-Kino, wie es kaum noch zu sehen ist.

Endlich wieder hartes Spannungs-Kino im Horrorgenre. Seitdem Geister, Dämonen und dämliche Jumpscares den Mainstream-Horror für sich beansprucht haben, hatte ich die Hoffnung schon fast aufgeben, irgendwann mal wieder schweißgebadet und Fingernägel kauend vor der Kinoleinwand zu sitzen. Und dann kam Alexandre Aja mit Crawl um die Ecke.

Crawl bringt das Terrorkino zurück

Der Franzose Alexandre Aja konnte mich schon mit seinen früheren Werken wie High Tension oder The Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen begeistern. Das Horrorkino als körperliche Erfahrung gab es danach allerdings nicht nur in seiner Filmografie nicht mehr, sondern ist im vergangenen Jahrzehnt fast komplett aus dem Mainstream verschwunden.

Mit dem Tier-Horrorfilm Crawl kehrt Aja nun zurück zu seinen Wurzeln des Terrorkinos. Denn im Gegensatz zu seinem bunten Funsplatter Piranha 3D ist Crawl ernstes, spannendes, düster-dreckiges und blutiges Horrorkino, wie es nur noch selten in die Kinos kommt.

Kaya Scodelario in Crawl

Eine junge Frau und ihr Vater werden während eines Hurrikans in einem Keller von Alligatoren gejagt. Ja, die Prämisse - oder auch das Drehbuch - von Crawl ließe sich auf einem Bierdeckel zusammenfassen. Doch ist es hier eher die Inszenierung, die den Alligatoren-Home-Invasion-Thriller aus dem Horror-Einheitsbrei hervorhebt.

In den erfrischend kurzen 87 Minuten verschwendet Crawl nur wenig Zeit mit Handlung und Charakterentwicklung und konzentriert sich lieber auf ein intensives Kinoerlebnis. Aber was macht Crawl überhaupt so spannend?

Crawl und die Melodie des Scheiterns

Die von Kaya Scodelario gespielte Protagonistin Haley muss in Crawl einiges erleiden. Ganz nach Murphys Gesetz geht für sie und ihren Vater nämlich alles schief, was nur schief laufen kann. Verzweifelt versuchen sie einen Weg vorbei an den gefräßigen Alligatoren zu finden, ehe die Regenfälle während des Hurrikans den niedrigen Keller unterm Haus überfluten. Aber nichts will gelingen.

Wie eine Sinuswelle wechseln sich hoffnungsvolle Lichtblicke und herbe Rückschläge ab und geben der Dramaturgie fast schon eine nihilistische Melodie des Scheiterns. Immer wieder fassen Haley und ihr Vater neue Pläne, die von Naturgewalten und dem Schicksal zerschmettert werden.

Crawl: Vor den Alligatoren ist man nirgends sicher

Diese spannungsgeladene und eskalierende Dramaturgie wird schließlich noch durch die schonungslose Härte der gefährlichen Reptilien - und des Films - verstärkt. Klaffende Fleischwunden, gebrochene Knochen und abgetrennte Gliedmaßen - hier wird der menschliche Körper und Geist an extreme Grenzen getrieben. Und damit erinnert Crawl stark an das Terrorkino der frühen 2000er Jahre.

Crawl macht nicht viel Sinn, aber Spaß

Bei all dem Lob muss natürlich auch erwähnt werden, dass Crawl eigentlich kein herausragender Film ist. Hier wird weder das Genre-Rad neu erfunden noch ein Preis für innere Filmlogik gewonnen. Ja, Crawl hat sogar einige Logiklöcher, die so groß sind wie die klaffenden Bisswunden an Kaya Scodelarios Körper. Hinzu kommen die genretypischen dummen Entscheidungen, die einige Figuren das Leben kosten.

Das tut dem Spaß an der Kinoerfahrung aber keinen Abbruch. Denn der Film lässt euch gar keine große Zeit, um über Logik nachzudenken. Hier geht es einfach darum, sich auf den wilden Ritt einzulassen, mitzufiebern und sich durch Alligatoren-Jumpscares zu Tode zu erschrecken. So muss ein Sommer-Horrorfilm sein.

Crawl läuft seit dem 22.08.2019 in den deutschen Kinos.

Welcher Horrorfilm konnte euch zuletzt so richtig schocken?

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