Better Call Saul - Das sagen die moviepiloten zum Breaking Bad-Prequel

Better Call Saul
© AMC
Better Call Saul

Ab heute ist das Finale der inzwischen bereits 3. Staffel von Better Call Saul auch in Deutschland bei Netflix zu sehen. AMC hatte offenbar viel Vertrauen in die 2015 gestartete Serie, denn immerhin ging sie als Prequel eines der am meisten gefeierten Fernsehphänome der jüngeren TV-Geschichte auf Sendung: Breaking Bad. Mit Vince Gilligan, der schon das Mutterformat auf die heimischen Bildschirme brachte, und Ko-Schöpfer Peter Gould scheint die Geschichte um den skurrilen Anwalt Jimmy McGill (Bob Odenkirk), der später Saul Goodman werden sollte, jedenfalls in guten Händen zu sein.

Zumindest wenn es nach den Meinungen der Kritik geht: Diese lobte bisher jede der Staffeln von Better Call Saul teils überschwänglich und bescheinigte der Serie, längst aus dem Schatten von Breaking Bad herausgetreten zu sein. Doch was haltet ihr moviepiloten eigentlich davon? Wir haben uns einmal nach aussagekräftigen Kommentaren umgesehen.

Das hat euch an Better Call Saul gefallen:

Für 9wagg (10,0) gehört Better Call Saul zu jenen Serien, die mehr sind als reine Gewohnheit:

Es gibt Serien, an die denkt man, wenn man sich als Serienjunkie wiedererkennt. Eine, die man richtig gebannt verfolgt und die einen emotional mitnimmt. Neben Serien, die man schaut, weil man es gewohnt ist Serien zu schauen, gibt es diese Serien, die man echt sehen will, für die man sich den Abend frei hält. Und genau so geht es mir mit slippin Jimmy und seinen Abenteuern. Storytelling und Schauspieler, die eine hohe Kunst zeigen. Sehr geiler Stoff.

Kallekowsky (9,0) wurde erst im zweiten Anlauf mit der Serie warm und zieht Vergleiche zu Breaking Bad:

Ich musste BCS tatsächlich eine zweite Chance verpassen.
Nach dem ersten Anlauf und vier geschauten Folgen habe ich nur aus Respekt gegenüber Breaking Bad nicht auf die 4.0 geklickt. Aber ich war schon herbe entäuscht.
Vor zwei Wochen habe ich nochmal reingeschaut, beide Staffeln geschaut und verstehe nun, warum die Serie damals einfach nicht zünden konnte:
Ich habe ihr nicht im Ansatz die Zeit gegeben, sich etwas aufzubauen. [...] Dabei weiß ich ganz genau, dass auch in Breaking Bad nicht alles Adrenalin pur war und wieviel Zeit sich die ersten Staffeln ließen, um die Dinge ins Rollen zu bringen.
Darüber hinaus geht es hier nicht darum, Mr. Chips in Scarface zu verwandeln, sondern zunächst einmal nur darum, in die eigentlich ziemlich gute Seele von Jimmy McGill zu schauen, bevor sie durch zahlreiche Umstände langsam zu dem wird, was wir als Saul Goodman in Breaking Bad kennengelernt haben.
Und das ist großartig! Klar, Jimmy und Mike bilden das Herzstück, aber selbst Kim's Schicksal war mir spätestens in der zweiten Staffel wichtig. Generell sind die gut ausgearbeiteten und nachvollziehbaren Charaktere einmal mehr die größte Stärke dieses Universums, weshalb mir das Mitfiebern um deren vermeintlich kleine Probleme am Ende nicht schwer fiel und mal wieder: Fingernägel gekaut wurden.
Letztlich musste ich nicht meine Qualitätsansprüche an BCS drosseln, sondern einfach mal runterkommen, relaxen und verstehen, dass Vince Gilligan schon in Breaking Bad mit einer Arsch-Ruhe und riesigem Selbstvertrauen inszeniert.
Aber die Serie ist ihrem großen Bruder dicht auf den Fersen. Ich drück' die Daumen, dass Gilligan nochmals 5 Staffeln umsetzen darf und bin zuversichtlich, dass das Gesamtkunstwerk einem Breaking Bad auf seine ganz eigene Art und Weise in nichts nachstehen wird.

Zwar fehlt der Serie laut Baumkopf Holzfaust (8,0) jener Thrill, der Breaking Bad ausmacht, zu loben sei aber der Fokus auf Jimmy sowie die moralischen Auseinandersetzungen:

Obwohl BCS natürlich eindeutig im Breaking-Bad-Universum spielt, ist es doch eine vollkommen andere Serie. Zwar tauchen zahlreiche alte Bekannte wieder auf und sorgen für die nötige Würze. Im Kern dreht es sich bei dieser Serie jedoch um die Selbstfindung des Mr. McGill, der erstaunlicherweise überhaupt nicht Saul Goodman heißt.
Das bewährte BB Prinzip "Auch dein allerkleinster Fehler fällt irgendwann auf dich zurück" wird hier ebenfalls genüsslich ausgekostet. Man fühlt sich hier recht schnell zu Hause. Dennoch, auf den Thrill und die Nerven zerfetzende Spannung von Walter White + Co wartet man bei BCS eindeutig vergeblich.
Dennoch ist es eine schöne Serie. Das Kreisen um die Fragen "Was ist moralisch und was bringt es dir, moralisch zu sein?", ständig gefolgt von der Frage "Was zum Teufel willst du eigentlich überhaupt?" wird hier perfekt diskutiert.
Auf ihre Art ist BCS eine echte Therapie. Danke und lasst mich nicht so lange auf die dritte Staffel warten. Schon alleine wegen der nach wie vor unglaublichen Kameraperspektiven.

Das hat euch an Better Call Saul gestört:

Content (6,0) sieht nach zwei Staffeln keine Entwicklung und hätte lieber ein Spin-off zur Figur des Mike Ehrmantraut (Jonathan Banks) gesehen:

Schon witzig wie in einer Serie über einen Anwalt die einzigen interessanten Dinge die sind, die nicht mit ihm sondern mit Mike zu tun haben.
Die hätten mal lieber ein Spin Off nur über Mike machen sollen. Der Anwaltsquatsch ist viel zu langweilig und zu krass in die Länge gezogen.
Nach zwei Staffeln ist man einfach immer noch da wo man am Anfang angefangen hat.

Rising_Evil (5,5) empfindet die Serie nicht nur als träge. Besonders der Prequel-Charakter würde ihr Spannung rauben:

[...] Ich mag Vince Gilligan's Stil.
Die Charaktere.
Die Dialoge.
Die Kamerafahrten.
Der Farbstil.
All das.
Nur eins nicht.
Träge Geschichtenerzählung, was aber nunmal zu jeder VG-Serie gehört.
Man braucht eben die nötige Portion Geduld.
Jedoch ist das nicht das einzige Problem bei "Better Call Saul".
Während Walter White eine wirklich radikale charakterliche Wendung durchmacht, ändert sich Jimmy McGill/ bzw. Saul Goodman nicht so krass.
Wir alle wissen, wie er in BB ist, also am Ende von BCS sein wird.
Und das nimmt einem nicht nur die Spannung, es ist auch nicht wirklich mitreißend.
Vielleicht ändert sich das ja alles.
Vielleicht kommt alles anders als erwartet.
Momentan jedoch lässt die Serie noch ihre Dramatik vermissen.

Vor allem der Humor und die Dialoglastigkeit stoßen RoboMaus (4,0) sauer auf:

Saul Goodman ist ein Loser-Anwalt mit kleinkriminellen Neigungen, der sich mit mies bezahlten Pflichtverteidiger-Jobs und als Bingo-Moderator über Wasser hält.....
Ernst gemeint ist das natürlich nicht - im Zuge seiner Auftragsbeschaffung, bei der er gerne mit verbotenen Mitteln nachhilft, gerät er von einer Zwickmühle in die nächste, was mit einem gewissen scharzen Humor einhergeht. Das erinnert an die Coens, vor allem in der Anfangsphase der 1. Staffel - nicht schlecht, auch wenn ich diese Art von Humor nicht gerade prickelnd finde.
In der Folge verschiebt sich der Plot immer mehr in Richtung Dialoglastigkeit, in der es um irgendwelche Albernheiten oder skurrilen Konstrukte geht, was weder interessant noch witzig ist. Die letzte Folge der 1. Staffel gipfelt schliesslich in einem langweiligen sieben-Minuten-Monolog von Saul vor dem Senioren-Bingopublikum, wonach ich die Erlösung mit dem Abschaltknopf fand.
'Better Call Saul' ist wohl in erster Linie eine Frage des Humors - meiner ist es nicht. Was bleibt, ist stundenlange, dialoglastige Ödnis.

Das moviepilot-Fazit zu Better Call Saul:

Ein Blick auf eure Kommentare zeigt, dass Better Call Saul auch bei euch überwiegend groß auftrumpft. Für manche ist die Serie sogar ein intensiveres oder ähnlich starkes Erlebnis wie Breaking Bad. Besonders die sich allmählich entfaltende Geschichte mit ihrem Fokus auf Charakterzeichnung und moralischen Fragestellungen findet immer wieder euer Lob. Einige wenige stören sich dagegen an einer gewissen Trägheit der Story. Auch der Humor sowie der hohe Dialoganteil schmeckt nicht jedem. Dennoch: Better Call Saul ist auch unter moviepiloten äußerst beliebt.

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