Zum 25-jährigen Jubiläum

Unappetitliche Happy Meals

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moviepilot Team
Mr Vincent Vega Rajko Burchardt
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Meint es gut mit den Menschen.

Selina Kyle alias Catwoman soll der entscheidende Grund gewesen sein, warum Tim Burton trotz leidvoller Erfahrungen mit dem Vorgänger an einem Sequel interessiert war. Unabhängig davon, wie man zur (ich würde meinen: notwendigerweise) vorlagenuntreuen Version des Burton-Batman steht, gilt Michelle Pfeiffers Catwoman übereinstimmend als beste Kinoadaption der Figur, wenn nicht sogar beste Superhelden-Gegenspielerin überhaupt. Die Inszenierung der Katzenfrauwerdung als szenische Verdopplung einer zunächst tristen Heimkehr in Selinas Apartment und schließlich brachialen Zerstörung ihres duckmäuserischen Sekretärinnenlebens ist zweifellos der Höhepunkt des Films – angetrieben von einer opernhaften Musik des Burton-Stammkomponisten Danny Elfman, die solchen Bildern erst zu eigentlichem Ausdruck verhilft. Fast 90 Minuten Laufzeit nimmt Elfmans Soundtrack in Batmans Rückkehr ein, auch den einzigen Song des Films, das während der mindestens zweitschönsten Szene gespielte Face to Face, schrieb er. Burton war selten so bei sich wie in dem Moment, als Bruce Wayne und Selina Kyle ausgerechnet unmaskiert auf einem Maskenball erscheinen.

Genau 25 Jahre ist es nun her, seit Studioverantwortliche und Marketingstrategen nach Fertigstellung von Batmans Rückkehr ratlos aus dem Vorführraum spazierten ("Ich würde den Film lieber Aliens zeigen", scherzte Burton zu dieser Zeit noch im Interview mit David Breskin). Sie verstanden nicht, was sie sahen, und wussten vor allem nicht, wie sie es handelsfähig bekommen sollten. Tim Burton hat den Vertrauensvorschuss seiner Produzenten für einen eigensinnigen, schlicht wunderbar idiosynkratischen Blockbuster genutzt. Er setzte ihnen etwas vor, das weder in ihrem Sinne geformt noch formbar gemacht werden konnte – legendär ist die Anekdote vom drohenden Zerwürfnis mit McDonald's, das um den Absatz seiner Produkte fürchtete, wenn darauf ein schwarze Flüssigkeiten spuckender Pinguin und andere Unappetitlichkeiten des Films abgebildet wären. Batmans Rückkehr scheiterte folglich an jenem Tentpole-Masterplan, den der Vorgänger erfolgreich entworfen hatte. Er war kein Verlustgeschäft, aber seine weltweiten Einnahmen blieben 150 Millionen Dollar hinter denen des ersten Teils zurück. Richten musste es dann Joel Schumacher. Mit Batman Forever ließen sich Happy Meals wieder sorgenfrei verkaufen.

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