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Days of hope...Days of God

227 Tage auf hoher See mit einem Bengalischen Tiger

Above all, don't lose hope
© 20th Century Fox Home Entertainment
Above all, don't lose hope

Von Geschichten und der ersetzbaren Wahrheit - Das Leben ist keine Gerade

Wenn man nach Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger eines doch genau behalten hat, dann das eine Geschichte nicht gleich eine Geschichte ist. Je nach dem, wie eine Geschichte erzählt wird, kann die Unwahrheit mehr Wahrheit enthalten, als die traurige Wahrheit der echten Geschichte um das Leben, das Vermächtnis und die Bitterkeit in Ang Lee's dramaturgisch höchst anspruchsvollen, poetischen und weltbewegenden, sowie metaphorisch und symbolisch erzählten Romanverfilmung eines Jungen, der seine ganze Familie verloren und 227 Tage auf dem pazifischen Ozean mit einem Bengalischen Tiger überlebt hat.

Muss eine Geschichte wahr sein, um unser Verständnis zu erreichen? Muss man den Glauben real und reell verstehen, um ihn in sein Herz und in sein Verständnis zu schließen? Beide Fragen finden in Life of Pi eine Bedeutung, die sich durch die Geschichte des Piscine Molitor Patel verbinden lassen. Wovon lebt der Glaube, wovon die Wahrheit und wovon lebt vermutlich diese Geschichte? Sie leben alle, so wird es in Life of Pi gesprochen, von den Zweifeln an der Wahrheit oder dem, dass sich unserem menschlichen Denken entzieht. Unser Verständnis ist begrenzt. In der letzten Predigt, die ich zu Ostern in der Kirche hörte lernte ich, dass der Mensch etwas zum anfassen braucht, um zu verstehen und ergründen zu können, was Gott und jeden Tag mitteilen und mit Prüfungen auferlegen möchte. Aber nur weil wir etwas nicht verstehen, muss es nicht unwahr sein. Es gibt Gläubige, Atheisten und sämtliches anderes Zeug auf dieser Welt und davon genug. Aber egal, wozu man sich entscheidet, die Wissenschaft wird nie erklären können, wie die Welt entstanden ist. Es gab einen Urknall sagen sie. Und was war davor? Und davor muss es auch schon etwas gegeben haben...und davor und davor [...]. Die Rede ist von der Unendlichkeit. Und diese kann keiner von uns ergründen. Der Glaube ist also nicht nur der Versuch mit dem Leben selbst klar zu kommen, sondern eigene Wahrheit zu finden und etwas zu glauben. Wenn man diese Fähigkeit besitzt, sich dazu entschließt, dann kann man Gott sehen, wie Piscine Molitor Patel in den Augen des bengalischen Tigers. Demnach ist jeder Mensch zu bewundern, der an etwas glauben kann. Ich selbst zähle zu den erfürchtigen Gläubigen auf dieser Welt. Aber auch mein gefestigter Glaube lebt von Zweifeln. Unendlich vielen sogar. Nur so aber, kann sich der Glaube tagtäglich erneuern. Jedes mal wenn ich etwas hinterfrage, komme ich dem Weg näher, es zu verstehen. Durch sie kann der Glaube jeden Tag erneuern und Glaubensbekenntnisse, Glaubenoffenbarungen immer anders durchlebt werden.

Life of Pi erzählt also vom Glauben und einer unglaublichen Geschichte. Der junge Piscine Molitor Patel verliert auf hoher See, bei einem Schiffsunglück seine Eltern. Parallel hierzu erzählt er im Leben jetzt seine Geschichte einem Autor, der die Leidenschaft zu seinen Worten verloren hat. Er erzählt ihm zwei Geschichten. Eine, in der er mit Tieren auf einem Boot Schiffbruch erleidet, überleben möchte und eine, in der er seine Eltern erst auf diesem Boot verliert, nicht auf dem Schiff zuvor. Am Ende möchte er die Frage nach der wahren Geschichte nicht beantworten. Er möchte, dass der Autor und wir, die Zuschauer, entscheiden, welche Geschichte uns besser gefällt. Und die Wahl erscheint logisch. Es kann nur eine Antwort geben.

Piscine Molitor Patel, fortan nur noch PI genannt, verliert seine Eltern an ein Schiffsunglück und schafft es selbst noch auf ein Rettungsboot. Die Ereignisse überschlagen sich, er konnte seine Eltern nicht mehr retten. Übrig geblieben sind ein Zebra, eine Hyäne, eine Ratte und ein Tiger. Dass Zebra ist angeschlagen, verletzt und wird von der Hyäne getötet. Die Hyäne wird daraufhin von dem Tiger getötet und die Ratte erliegt dem Hunger des Tigers. PI muss sich nun fürchten und verbringt die meiste Zeit außerhalb des Schiffs. Er ist eine Gefahr für den Tiger und umgekehrt. Er hat nun 227 Tage Zeit mit dem Kampf gegen Unwetter, Katastrophe, Schmerz und einem bengalischen Tiger zu unterscheiden.

Reflektion

PI lernt schon in jungen Jahren, dass ein Tiger kein Freund, sondern ein gefährliches Raubtier ist. Trotzdem erkennt er etwas in den Augen des Tigers. Die Reflektion seiner eigenen Gefühle. Wie an einem zerbrochenen Spiegel. Funken, Geschichten und Magie strömen aus dessen Augen. Wir dürfen als Zuschauer eintauchen in eine Welt auérhalb unserer eigenen Vorstellungskraft. Es offenbart sich ihm eine Schönheit, die er mit menschlicher Ansicht nicht ergreifen kann. Es scheint, als könnte er durch die Augen des Tigers auf die andere Seite schauen. Es scheint, als sähe er die Unendlichkeit, den Horizont oder den Himmel, wie wir sagen würden. Der Tiger ist zwar ein Raubtier, aber auch er hat eine Seele. Jedes Lebewesen hat eine. So muss es einfach sein. Genauso wie meine treue Katze. Egal wie schlecht ein Tag, wie traurig die Geschichten und wie anstrengend das Leben ist, in seinen Augen sehe ich die Wahrheit, die sich mir verbirgt. Es heißt sprichwörtlich Katzen können in unsere Seelen schauen. Manchmal, da überkommt mich dieses Gefühl und ich sehe es. Diese Wahrheit. Die Einzige, die etwas bedeuten kann. Niemand von uns kann in sich selbst schauen. In sein Inneres, um rauszufinden, was von statten geht. In Spiegeln ist es uns möglich ein Teil unserer selbst zu finden. Spiegel können Tiere, Menschen, Gegenstände oder der pazifische Ozean sein. The Eye of the Tiger bekommt in Life of PI eine gänzlich andere und symbolische Bedeutung. Für mich ist Life of PI ein kleines Glaubensereignis.

PI verbringt nun die Zeit damit Essen für den Tiger mit dem Namen Richard Parker zu fangen, ihn nicht sterben zu lassen, ihn zu versorgen, denn es ist nicht bloß ein Tiger, sondern der Einzige, der auf hoher See mit PI lebt. PI muss einen Weg finden, auch wenn der Weg unergründlich erscheint.

Ohne Richard Parker wäre ich schon tot. Durch meine Angst zu ihm bleibe ich wachsam. Mich um ihn zu kümmern, gibt meinem Leben einen Sinn.

Auch wenn Richard Parker nicht sprechen, nur Jaulen und Brüllen kann, weist er PI den Weg, gibt ihm einen Grund weiter zu machen. Gott steckt hier in allem. Er hat ihm jemanden geschickt, der ihn wachsam werden lässt und gab ihn ein Tier, das fasziniert, grausam und launisch ist, aber eigentlich nur gezähmt werden will/muss. Eine Aufgabe für PI, der den Leidensweg beenden könnte.


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Wenn man ihn in einem kleinen Glas hält bleibt der Goldfisch klein. Hat er mehr Platz, wird der Fisch doppelt, dreimal oder viermal so groß.

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